In Graubünden tut sich was! Die politischen Landschaften verändern sich, und das ist nicht nur den Männern vorbehalten. Ab dem 1. Januar 2027 könnte es tatsächlich zum ersten Mal in der Geschichte der Bündner Regierung dazu kommen, dass zwei Frauen gleichzeitig einen Platz am Regierungstisch einnehmen. Wie aufregend ist das denn bitte? Die aktuellen Chancen stehen gut – die Kandidatenauswahl zeigt, dass sich der Wind dreht.
Die prominenten Damen, die das politische Geschehen mitgestalten wollen, sind keine Unbekannten. Carmelia Maissen, die amtierende Mitte-Regierungsrätin, hat bereits als Gemeindepräsidentin von Ilanz für Aufsehen gesorgt. Ihre Parteikollegin Aita Zanetti, die derzeit die Exekutive von Scuol leitet, könnte ebenfalls in die Regierung einziehen. Aber auch die Grünliberalen haben mit Nora Saratz Cazin, die seit 2021 die Gemeinde Pontresina leitet, eine starke Kandidatin im Rennen. Und nicht zu vergessen: Valérie Favre Accola von der SVP, die seit Januar 2025 Vize-Gemeindepräsidentin von Davos ist. Die Liste der starken Frauen ist lang und vielversprechend!
Auf dem Weg zur Gleichstellung
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass der Frauenanteil in den Gemeinderäten zwar bei 23,2 Prozent liegt, aber dieser Wert steigt. Auch die Präsidien der Gemeinden werden zunehmend weiblicher – immerhin sitzen mittlerweile 16 von 100 Gemeinden unter weiblicher Präsidentschaft. Ein kleiner, aber signifikanter Schritt in die richtige Richtung. Ruth Nieffer, Co-Leiterin des Projekts „Promo Femina“ der Fachhochschule Graubünden, sieht das Potenzial für mehr Frauen in der Politik. Ihr Projekt, das darauf abzielt, Frauen den Zugang zu politischen Ämtern zu erleichtern, hat über 120 Maßnahmen entwickelt. Diese reichen von Online-Tools bis hin zu Studien, die zeigen, wie Gemeinden Frauen unterstützen können.
Die bisherige Untervertretung der Frauen wird nicht als systematische Diskriminierung, sondern als Mangel an Kandidatinnen beschrieben. Das ist ein bisschen schade, denn es gibt so viele engagierte Frauen, die bereit sind, sich einzubringen. Workshops mit über 100 Teilnehmenden haben bereits Ursachen und Lösungsansätze diskutiert. In Graubünden fanden 2021 sogar drei regionale Vernetzungstreffen statt, um die Frauen in der Gemeindepolitik zu stärken.
Die Herausforderung der Kandidatur
Die Frage bleibt, wie man die Scheu vor einer Kandidatur abbaut und die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Gemeindeamt verbessert. Das ist für viele Frauen ein großes Thema, und die Maßnahmen von „Promo Femina“ zielen genau darauf ab. Die Beteiligung an den Regierungsratswahlen am 14. Juni, dem Tag des nationalen Frauenstreiks, könnte ein weiterer Meilenstein für die Sichtbarkeit und Akzeptanz von Frauen in der Politik sein. Mit vier Frauen und fünf Männern, die zur Wahl antreten, wird es spannend zu sehen, wie sich die politischen Kräfteverhältnisse entwickeln.
Die Situation ist in der Schweiz noch recht disparat. Der durchschnittliche Frauenanteil in Gemeindeexekutiven liegt bei 25 Prozent, während in einigen Kantonen wie Zürich nur 18,7 Prozent der Sitze in Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommissionen von Frauen besetzt sind. In anderen Regionen, wie im Wallis, liegt der Frauenanteil in Schulbehörden sogar bei 61 Prozent. Diese Unterschiede zeigen, dass es noch viel zu tun gibt, um die Gleichstellung in der Politik voranzutreiben.
In Graubünden sind wir auf einem guten Weg, aber es bleibt eine Herausforderung. Die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Tätigkeit nimmt ab, und das erschwert die Besetzung von Gemeindeämtern. Doch mit Projekten wie „Promo Femina“ und dem Engagement von Frauen wie Maissen, Zanetti, Saratz Cazin und Favre Accola ist die Hoffnung auf eine ausgewogenere politische Vertretung in greifbarer Nähe. Und das ist doch mal ein Grund zum Feiern!
Wer mehr über die Wahlchancen von Frauen und die aktuelle Situation in der Politik erfahren möchte, findet weitere Informationen unter bfs.admin.ch.