Chur im Wandel: Ein neuer Ansatz für Drogenpolitik und Sicherheit
In Chur geht es drunter und drüber – nicht nur wegen der malerischen Landschaft, sondern auch durch einen neuen Ansatz im Umgang mit Drogen. Patrik Degiacomi, der engagierte Stadtrat von Chur, hat vor Kurzem über den neuen Konsumraum berichtet, der seit gut drei Monaten in Betrieb ist. Und ja, das klingt vielleicht etwas ungewöhnlich für eine Stadt wie Chur, doch die Zahlen sprechen für sich: Täglich nutzen zwischen 100 und 160 Menschen diesen Raum. Ein Ort, der nicht nur als Rückzugsort dient, sondern auch Aggressivität und Stress in der Öffentlichkeit spürbar reduziert hat. Ein echter Fortschritt, oder?
Der Konsumraum hat von 11 bis 19 Uhr geöffnet, und das ist vorerst genug. Ein 24-Stunden-Betrieb wird nicht als notwendig erachtet. Was jedoch dringend angegangen werden muss, ist die Wohnsituation für Suchtkranke. Das bestehende «Housing First»-Programm hat vielversprechende Ansätze, aber die Wartelisten sind lang und die Plätze rar. Hier sieht Degiacomi Handlungsbedarf. Er hat auch ein Genfer Pilotprojekt zur Kokainabgabe angesprochen, das in Graubünden auf Skepsis stößt. Die Stadt kann das nicht einfach so umsetzen – dafür braucht es medizinische Einrichtungen und eine kantonale Bewilligung. Spannend, nicht wahr?
Ein Blick auf die Sicherheit
Die Zusammenarbeit zwischen Stadt- und Kantonspolizei hat sich intensiviert. Das bringt nicht nur mehr Effizienz, sondern entlastet auch die Stadtpolizei. Zudem wurden 400 zusätzliche Stellenprozent für Sicherheitsassistenten geschaffen. Das soll das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken – gleichzeitig führt es aber auch zu einer Verlagerung der Szene. Degiacomi sieht die Abgabe von kokainbasierten Substituten als entscheidenden Wendepunkt zur Reduktion der Beschaffungskriminalität. Er hat auch Bedenken geäußert, dass Fentanyl ein Problem werden könnte. Der Konsumraum ist darauf vorbereitet, benötigt jedoch dringend Drug Checking.
Und hier kommt die spannende Frage ins Spiel: Was könnte Drug Checking für Chur bedeuten? In Stuttgart hat man bereits seit Juni 2026 einen Drogen-Konsumraum, und dort zeigen die Erfahrungen, dass solche Einrichtungen Leben retten können. Die letzte Landesregierung in Baden-Württemberg plante, Drug-Checking zu erlauben – ein Schritt, der Leben schützen könnte, indem Suchthilfeeinrichtungen vor gefährlichen Stoffen warnen. In Chur ist das noch Zukunftsmusik, aber Degiacomi wünscht sich genau das: ein vom Kanton finanziertes Drug Checking und eine staatlich kontrollierte Substanzabgabe.
Die Realität der Drogenpolitik
Verbote allein halten Suchtkranke nicht vom Drogenkonsum ab. Das hat man in Stuttgart gemerkt, wo die Zahl junger Menschen, die 2025 an einer Überdosis starben, sehr hoch war. Natürlich sollen harte Drogen weiterhin verboten bleiben, aber es gibt Möglichkeiten, die Risiken zu minimieren. Drogenkonsumräume bieten sauberes Besteck und Aufsicht beim Konsum. Das verringert das Risiko von Infektionen und gibt dem Personal die Möglichkeit, im Falle einer Überdosis sofort einzugreifen. Solche Angebote sind zwar kein Allheilmittel, aber sie sind eine notwendige Antwort auf die steigende Abhängigkeit.
Die Diskussion um Drug Checking und Konsumräume wird in Chur sicherlich weitergehen. Es bleibt abzuwarten, wie die Stadt und der Kanton auf die Herausforderungen reagieren, die mit Drogenkonsum und der damit verbundenen Kriminalität einhergehen. Die Zeit wird zeigen, ob Degiacomis Visionen eines sichereren und gerechteren Ansatzes zur Drogenpolitik Realität werden.
