Die Welt des Glücksspiels hat ihre ganz eigenen Regeln, und in der Schweiz ist die Situation nicht weniger komplex. Laut einer aktuellen Erhebung leidet etwa 4,3 % der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren an problematischem Glücksspielverhalten. Das ist eine Zahl, die aufhorchen lässt, besonders wenn man bedenkt, dass jährlich rund zwei Milliarden Franken für lizenzierte Glücksspielangebote ausgegeben werden. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Millionen Franken fließen über ausländische und teils illegale Online-Casinos ins Ausland. Das wirft Fragen auf: Wo bleibt der Schutz für die Spieler? Wer kümmert sich um die, die in die Falle tappen?

Gerade jetzt, während die Fußball-WM in vollem Gange ist, warnen Experten vor den Risiken von Sportwetten. Matthias Weber, Dozent an der Ostschweizer Fachhochschule, hat die Kampagne „Game-Changer“ ins Leben gerufen, die niederschwellige Hilfe für Menschen mit Geldspielsucht bietet. Die boomende Sportwetten-Branche stellt eine enorme Herausforderung für Prävention und Früherkennung dar, besonders für junge Männer bis 25 Jahre, die gezielt angesprochen werden. Die Werbung verknüpft Wetten mit Sportleidenschaft, und das zieht viele in ihren Bann.

Die Schattenseiten des Glücksspiels

Die Gefahren sind nicht zu unterschätzen. Ausländische Wettanbieter gewinnen immer mehr an Boden, und das nicht nur wegen der fehlenden Regulierung, sondern auch, weil viele Spieler keine rechtlichen Ansprüche haben, wenn ihnen etwas zustößt. Das ist besonders dramatisch, wenn man bedenkt, dass die Werbung für diese Anbieter hauptsächlich über Social Media läuft und gezielt junge Männer anspricht. Swisslos hingegen hat ein gesetzlich vorgeschriebenes Spielerschutzkonzept, das Spieler bei Anzeichen von Sucht rechtzeitig anspricht. Doch was nützt das, wenn die Schutzmechanismen bei ausländischen Anbietern oft unzureichend oder gar nicht existent sind?

Ein weiterer Aspekt, den man nicht vergessen sollte, ist der Migrationshintergrund. Oftmals hängen kulturelle Unterschiede im Umgang mit Geldspielen eng mit der Problematik der Spielsucht zusammen. Risikofaktoren wie Substanzkonsum und Tabakrauchen ziehen die Betroffenen weiter in die Abwärtsspirale. Eltern sollten sich frühzeitig beraten lassen und mit ihren Kindern ins Gespräch kommen, wenn sie den Verdacht haben, dass etwas nicht stimmt. Scham ist ein großer Faktor, der es den Betroffenen oft schwer macht, Hilfe zu suchen.

Die Auswirkungen auf das Leben

Die Folgen einer Geldspielsucht sind gravierend. Die WHO definiert diese als anhaltendes oder wiederkehrendes Spielverhalten über mindestens zwölf Monate. Die Merkmale sind klar: Beeinträchtigte Kontrolle über das Spielverhalten, Priorisierung des Glücksspiels vor anderen Lebensinhalten und das Fortsetzen des Spiels trotz negativer Auswirkungen auf das persönliche und soziale Umfeld. Viele Betroffene sind verschuldet und kämpfen mit psychischen und physischen Problemen. Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit – das sind nur einige der Begleiterscheinungen, die das Leben der Betroffenen stark belasten.

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Laut der Gesundheitsbefragung 2017 wiesen 2,8 % der Schweizer Bevölkerung risikoreiches Spielverhalten auf, während 0,2 % sogar pathologisches Spielverhalten hatten. Besonders betroffen sind Männer, jüngere Personen und Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau. Diese Zahlen machen deutlich, dass es an der Zeit ist, die Prävention zu verstärken und zielgruppenspezifische Aufklärung zu betreiben.

Die Kampagne „Game-Changer“ könnte dabei ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Und vielleicht sollten wir alle ein wenig mehr darauf achten, wie wir mit dem Thema Glücksspiel umgehen. Denn eines ist sicher: Hilfe zu suchen ist der erste Schritt zur Besserung. Egal, wie tief man gefallen ist, es gibt immer einen Ausweg.