Slow Sunday im Klöntal: Ruhe trifft auf wirtschaftliche Herausforderungen
Am letzten Sonntag im Juni 2026 war es soweit: Der erste Slow Sunday im Klöntal, das seit 7 Uhr morgens für motorisierte Fahrzeuge gesperrt war. Was für ein Bild! Velofahrer schwingten sich auf ihre Drahtesel, Familien wanderten fröhlich und die Wanderer genossen die ungewohnte Stille, die über dem Tal lag. Das Klöntal, ein wahres Juwel in der Glarner Landschaft, wurde zum Erholungsraum für alle, die dem hektischen Alltag entfliehen wollten. Doch nicht alle waren begeistert von dieser neuen Regelung.
Spontane Ausflügler strömten ins Tal, nachdem sie von der Autofreiheit gehört hatten. Man könnte sagen, es gab einen gewissen Charme, der in der Luft lag – die Ruhe, die man sonst nur in den frühen Morgenstunden findet. Doch während einige diesen Tag in vollen Zügen genossen, sahen die Gästezahlen in den Restaurants düster aus: Im Vergleich zum Vortag waren sie um die Hälfte gesunken. Das Hotel Rhodannenberg am Eingang des Klöntals verzeichnete zwar hohe Gästezahlen, aber die Touristiker im Tal klagten über Umsatzeinbussen. Besonders der Camping Vorauen spürte die Auswirkungen. Eine interessante, fast tragische Mischung aus Freude und Frust, die den Tag prägte.
Ein Schritt in die Zukunft
Die Idee für diese autofreien Sonntage stammt von den Grünen Glarus und hat ihren Ursprung in einem Vorstoß der Jungen Grünen, der vor drei Jahren von der Landsgemeinde genehmigt wurde. Ursprünglich waren acht autofreie Sonntage geplant, doch letztlich konnten nur drei durchgesetzt werden: am letzten Sonntag im Juni, Juli und August. Die Vorlage wurde mit deutlichem Mehr verabschiedet, was zeigt, dass das Bedürfnis nach mehr Ruhe und Naturerlebnissen in der Bevölkerung groß ist. Was bleibt, ist die Frage, wie sich diese neue Regelung langfristig auf das Klöntal auswirken wird.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Zugang ab Riedern nur mit Postauto oder Velo möglich ist. Ein ganz neues Erlebnis für viele, die sonst mit dem Auto anreisen. Die Erholung suchende Bevölkerung aus den Nachbarkantonen und sogar aus Zürich findet hier einen Ort der Ruhe, fernab vom gewohnten Stau und Verkehrschaos. Ein wirklich zukunftsweisendes Konzept, das den Fokus auf den Langsamverkehr legt.
Nachhaltigkeit im Tourismus
In einem größeren Kontext für den Tourismus in der Schweiz wird deutlich, dass Nachhaltigkeit ein zentrales Thema ist. Das Zentrum für Nachhaltigen Tourismus (ZENAT) hat Studien veröffentlicht, die zeigen, wie wichtig klimafreundliches Reisen ist. Die Forschung zu alternativen Anreisemöglichkeiten zu beliebten Urlaubsdestinationen in Europa zeigt: Über 50% dieser Orte sind in weniger als 24 Stunden klimafreundlich erreichbar. Diese Erkenntnisse könnten auch für das Klöntal von Bedeutung sein, wenn man bedenkt, dass der Fokus auf nachhaltigen Tourismus immer stärker wird.
In den kommenden zwei autofreien Sonntagen wird eine Auswertung der Verkehrsdaten, Besucherzahlen und wirtschaftlichen Auswirkungen stattfinden. So könnte das Klöntal nicht nur ein Beispiel für autofreie Erholung sein, sondern sich auch als Modell für andere Regionen etablieren. Es bleibt spannend, wie sich das Klöntal entwickeln wird und ob die Balance zwischen Ruhe und wirtschaftlichem Erfolg gefunden werden kann.
