Ein Meilenstein für die gewaltfreie Erziehung in der Schweiz
Heute ist der 29.06.2026, und in Glarus steht ein bedeutsamer Tag ins Haus: Am 1. Juli tritt der neue Grundsatz der gewaltfreien Erziehung im Schweizerischen Zivilgesetzbuch in Kraft. Was für ein Meilenstein für die Rechte der Kinder! Endlich wird das Recht auf respektvolle Erziehung ohne körperliche oder psychische Gewalt gesetzlich verankert. Ein Schritt, der längst überfällig war, denn Gewalt gegen Kinder bleibt in der Schweiz ein ernstes Problem, mit Folgen, die oft weit über die Kindheit hinausreichen. Ja, es gibt tatsächlich wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass fast 50 % der Kinder hierzulande körperliche oder psychische Gewalt erfahren. Das ist alarmierend!
Die neue Regelung mag auf den ersten Blick wie ein weiterer Paragraf im Gesetzbuch wirken, doch sie hat das Potenzial, die Art und Weise, wie wir über Erziehung denken, grundlegend zu verändern. Der Gesetzgeber hat erkannt, dass Gewalt in der Erziehung keinen erzieherischen Nutzen hat – im Gegenteil, sie fördert Angstzustände, mindert das Selbstwertgefühl und kann zu gewalttätigem Verhalten führen. Der neue Grundsatz ist nicht nur ein einfacher Appell an die Eltern; er bietet Fachpersonen im Kinderschutz zusätzliche Instrumente, um Kinder besser zu unterstützen. Die Behörden werden durch die gesetzliche Bestimmung zwar nicht eingeschränkt, aber es wird ein klarer Rahmen geschaffen, der die Verantwortung der Eltern unterstreicht.
Ein wichtiger Schritt für die Gesellschaft
Die Sensibilisierung für gewaltfreie Erziehung wird durch eine breit angelegte Social-Media-Kampagne des Kantons Glarus unterstützt. Diese richtet sich an Eltern, Erziehungsberechtigte und alle, die mit Kindern zu tun haben. Es ist gut, dass der Kanton Glarus sich aktiv für die Aufklärung einsetzt und Informationen über Unterstützungsangebote bereitstellt. Denn viele Eltern fühlen sich oft überfordert – Stress, Zeitmangel und Unsicherheiten sind nur einige der Herausforderungen, die sie bewältigen müssen. Genau hier setzen die Beratungsangebote an, die im Kanton Glarus zur Verfügung stehen.
Von der kostenlosen Beratung für die frühe Kindheit bis hin zur Schulsozialarbeit – die Unterstützung ist vielfältig. Diese Angebote sind entscheidend, denn sie tragen dazu bei, frühzeitig Belastungen zu reduzieren und tragfähige Lösungen zu finden. Experten sind sich einig: Eine gesetzliche Verankerung der gewaltfreien Erziehung könnte die gesellschaftliche Bereitschaft zur gewaltfreien Erziehung fördern. Zwei Drittel der Eltern glauben daran! Das ist ermutigend.
Ein Blick in die Vergangenheit
Der Weg zu diesem neuen Gesetz war lang und steinig. Fachorganisationen setzen sich seit über 40 Jahren für den Schutz von Kindern ein. Die erste Motion zur gewaltfreien Erziehung wurde bereits 2013 eingereicht, jedoch ohne Erfolg. Doch 2023, nach jahrelangem Ringen, wurde die Motion von Christine Bulliard-Marbach schließlich in beiden Räten angenommen. Körperliche Strafen und entwürdigende Behandlungen gelten jetzt offiziell als Gewalt. Es ist bemerkenswert, dass über 50 % der Kinder in der Schweiz psychische Gewalt erleben, und rund 25 % sind von körperlicher Bestrafung betroffen. Die Folgen können teils schwerwiegend sein.
Der Bundesrat hat betont, wie wichtig Sensibilisierungskampagnen sind, um die Bevölkerung über das Recht auf gewaltfreie Erziehung aufzuklären. Kinderschutz Schweiz fordert eine nationale Koordination dieser Maßnahmen, um sicherzustellen, dass alle Kinder und Eltern gleichermaßen erreicht werden. Ein ambitioniertes Ziel, aber eines, das notwendig ist – denn die Dunkelziffer für unerkannte Misshandlungen ist hoch. Rund zwei Drittel der geschlagenen Kinder sind zwischen 0 und 6 Jahren alt. Das ist ein alarmierendes Zeichen und zeigt, wie wichtig es ist, aufsuchende Unterstützungsangebote für belastete Familien auszubauen.
Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes wird ein wichtiger Grundstein gelegt, um die Präventionsarbeit zu stärken und Fachpersonen in die Verantwortung zu nehmen. Die gesetzliche Bestimmung sieht ein Gebot zur Erziehung ohne körperliche und entwürdigende Gewalt vor. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Schritt nicht nur ein Gesetzestext bleibt, sondern tatsächlich das Bewusstsein in der Gesellschaft verändert. Denn letztlich geht es um die Zukunft unserer Kinder – und die ist es wert, gewaltfrei gestaltet zu werden.
