Heute ist der 10.06.2026, und die Nachricht von Jean Zieglers Tod hat uns in Basel erreicht. Der Schweizer Soziologe und ehemalige Nationalrat ist im Alter von 92 Jahren in Genf verstorben, und zwar an den Folgen seiner Parkinson-Erkrankung. Ein Verlust, der schwer wiegt, nicht nur für die Schweizer Linke, sondern für all jene, die sich je für Gerechtigkeit und Gleichheit eingesetzt haben. Ziegler war eine prägende Figur, die über Jahrzehnte hinweg die politische Landschaft und das Denken über soziale Gerechtigkeit beeinflusste. Geboren wurde er 1934 in Thun und studierte in Genf, Bern und Paris Recht und Soziologie. Man könnte sagen, sein Leben war ein ständiger Kampf – gegen Ungleichheit, gegen den Welthunger, gegen die Macht großer Wirtschaftsinstitutionen.
Jean Ziegler war von 2000 bis 2008 UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. In dieser Rolle war er unermüdlich im Einsatz, um auf die drängenden Probleme des Hungers und der Nahrungsmittelverteilung aufmerksam zu machen. Seine Kritik am neoliberalen Kapitalismus und an den Schattenseiten der Globalisierung war bekannt und oft auch umstritten. Ziegler wollte nicht nur reden, sondern handeln – und das tat er mit Leidenschaft und Überzeugung. Seine letzten Werke, darunter das Buch „Trotz alledem. Warum ich die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht aufgebe“, sind Appelle an uns alle, aktiv zu werden und sich für eine gerechtere Welt einzusetzen.
Ein Leben im Zeichen des Widerstands
Ein Schlüsselmoment in seinem Leben war die Begegnung mit Che Guevara im Jahr 1964 in Genf. Die beiden großen Denker tauschten Gedanken aus, und Guevara riet Ziegler, „im Herzen des Systems“ zu kämpfen. Diese Botschaft prägte seine Sichtweise und seinen unermüdlichen Einsatz für soziale Gerechtigkeit. Er war nicht nur Politiker, sondern auch Dozent – an der Universität Genf und an der Sorbonne in Paris. Seine Kontakte zu bedeutenden europäischen Denkern wie Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre zeugen von seiner tiefen Verwurzelung in intellektuellen Kreisen.
Die Themen, die Ziegler anpackte, sind auch heute noch von drängender Relevanz. Das Recht auf Nahrung ist im Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben, doch der Zugang zu Essen und Ressourcen bleibt ungleich verteilt. Laut einem Bericht der FAO hungerte 2022 etwa jeder elfte Mensch weltweit. Besonders Frauen und Kinder sind von Ernährungsunsicherheit betroffen. Die COVID-19-Pandemie hat die Situation noch verschärft, und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat die globalen Nahrungsmittellieferketten weiter destabilisiert.
Ein Vermächtnis des Engagements
Ziegler hat ein Erbe hinterlassen, das über die Grenzen der Schweiz hinausgeht. Sein Einsatz für die Bekämpfung von Hunger und die Förderung von Gleichberechtigung ist ein Aufruf an uns alle, nicht wegzuschauen. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind groß, und seine Warnungen über die Gefahren der Globalisierung und des Kapitalismus bleiben aktuell. Die Prognosen der FAO, dass bis 2030 etwa jeder 14. Mensch chronischen Hunger haben wird, sind alarmierend und verdeutlichen, wie wichtig der Kampf um das Recht auf Nahrung ist.
In einer Zeit, in der die Welt mit Krisen konfrontiert ist, müssen wir Zieglers Botschaft im Herzen tragen: Widerstand leisten, sich engagieren und nicht aufgeben. So wird sein spirituelles Erbe lebendig bleiben und uns anspornen, aktiv zu werden – für uns selbst, für die kommenden Generationen und für eine gerechtere Welt.