Heute ist der 11.06.2026, und die Nachrichten aus Genf sind traurig. Jean Ziegler, der Schweizer Soziologe und Menschenrechtsaktivist, ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Gestern erreichte uns die Nachricht, dass er in Genf an den Folgen einer Parkinson-Erkrankung gestorben ist. Ein Verlust, der nicht nur die Schweiz, sondern die gesamte Weltgemeinschaft trifft. Ziegler war mehr als nur ein Denker; er war ein leidenschaftlicher Kämpfer für soziale Gerechtigkeit und ein scharfer Kritiker des neoliberalen Kapitalismus.

Seine Gedanken über Hunger, Armut und die ungleiche Verteilung von Ressourcen haben viele Menschen inspiriert. Ziegler hat sich unermüdlich dafür eingesetzt, die Ungerechtigkeiten in der Welt anzuprangern. Sein Buch „Où est l’espoir?“ (deutscher Titel: „Trotz alledem! Warum ich die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht aufgebe“) von 2025 spiegelt seine Überzeugung wider, dass trotz aller Widrigkeiten Veränderung möglich ist. Diese Fähigkeit zur Hoffnung und Solidarität hat er zeitlebens betont, auch in seinen letzten Interviews, in denen er über gesellschaftliche Verantwortung und den Umgang mit dem Tod sprach.

Ein Leben für die Gerechtigkeit

Jean Ziegler wurde 1934 in Thun geboren und wuchs in einem behüteten, protestantischen Mittelklasse-Milieu auf. Die Armut um ihn herum, insbesondere das Schicksal der sogenannten „Verding-Kinder“, hat ihn tief erschüttert. Diese frühen Erfahrungen haben ihn geprägt und dazu geführt, dass er sich von der passiven Haltung seines Vaters distanzierte. Er wollte etwas bewegen – und das tat er auch. In Paris traf er auf Ikonen wie Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, die ihn ermutigten, seinen Vornamen von Hans zu Jean zu ändern. Ein symbolischer Schritt in Richtung seiner Identität als Kämpfer für Gerechtigkeit.

Als Mitglied des UN-Menschenrechtsrats setzte er sich für das Recht auf Nahrung ein und war unermüdlich in seinem Einsatz gegen korrupte Regierungschefs, die er als „Kleptokraten“ bezeichnete. Dabei ließ er sich von den Leiden in Kriegsgebieten wie dem Sudan, Syrien und Jemen nicht entmutigen. Ziegler war ein Mann, der auch mit seinen Fehlern offen umging – er äußerte Dankbarkeit für sein privilegiertes Leben, aber auch eine kritische Sicht auf seine langsame Distanzierung von Diktatoren wie Muammar al Gaddafi und Saddam Hussein.

Ein unermüdlicher Kämpfer

Sein Engagement für soziale Bewegungen und Menschenrechte hat nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit Wellen geschlagen. Er war Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des Menschenrechtsrats und legte sich wiederholt mit Schweizer Banken an, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Ziegler war ein Mann, der die Stimme der Unterdrückten erhob und sich unermüdlich für eine gerechtere Welt einsetzte. Seine Unterstützung für den kurdischen Freiheitskampf und die Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan – Frieden in Kurdistan“ sind nur einige Beispiele für sein Engagement.

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Er hinterlässt ein Erbe voller Inspiration und Widersprüche. In seinen letzten Jahren zeigte er sich optimistisch gegenüber der „Fridays for Future“-Bewegung und gab Eltern mit seinem neuesten Buch „Was ist so schlimm am Kapitalismus?“ eine Stimme, um ihren Kindern Fragen über das Wirtschaftssystem zu beantworten. Ziegler hat uns gelehrt, dass der Kampf für Gerechtigkeit nie aufhören sollte – und dass Hoffnung auch in den dunkelsten Zeiten existieren kann.