Heute ist der 12.06.2026. In Genf sind die Vorbereitungen für den G7-Gipfel in Evian, Frankreich, in vollem Gange. Ab Sonntag, dem 10. Juni, herrscht Ausnahmezustand in der Stadt, während sich US-Präsident Donald Trump und andere Staatschefs auf den Weg machen. Man könnte sagen, die Stadt ist in Aufruhr – Geschäfte werden verbarrikadiert, und Schreinereien sind ausgebucht, weil die Angst vor Ausschreitungen wächst. Erinnerungen an den G8-Gipfel 2003 in Evian schwirren in den Köpfen der Menschen, und die Polizei bereitet sich auf eine Mega-Demo mit bis zu 50.000 Teilnehmenden vor. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm: 1500 Genfer Polizisten, 1000 aus anderen Kantonen und 4000 Armeeangehörige sind im Einsatz. Dabei bleibt die Frage der Sicherheitskosten für den Gipfel unklar, mit Schätzungen von rund 20 Millionen Franken für die Kantone Genf, Waadt und Wallis.
Doch die Sorgen sind nicht unbegründet. Wirtschaftskreise in Genf haben bereits Alarm geschlagen. Ein Appell an den Kanton für präventive Maßnahmen gegen linksextreme Gewalt blieb unbeantwortet. Seit Anfang April kursiert auf der linksextremen Website Renversé eine interaktive Karte, die Unternehmen in Genf als „Schufte des Kapitalismus“ anprangert – das wird sicher nicht zur Beruhigung beitragen! Der Verband Fédération des Entreprises Romandes (FER) und 30 weitere Verbände fordern sogar ein Demonstrationsverbot sowie Sicherheitsgarantien für die Geschäfte. Bisher gibt es jedoch keine Antwort vom Staatsrat auf diese drängenden Forderungen. Arnaud Bürgin, Generaldirektor der FER Genève, zeigt sich verständlicherweise unmutig über das Schweigen der Behörden. Carole-Anne Kast, zuständig für Sicherheit in der Genfer Kantonsregierung, weicht den Vorwürfen der Untätigkeit aus und betont, dass man sich seit Monaten auf die Sicherheitsrisiken vorbereitet.
Sicherheitslage und Demonstrationen
Der Gipfel hat nicht nur direkte Auswirkungen auf die Sicherheit, sondern auch auf den Alltag der Genfer. Ein Teilstück der Autobahn A1 wird während des Gipfels gesperrt, und die öffentlichen Verkehrsmittel sind eingeschränkt. Zudem wurden 25 von 35 Grenzübergängen in Genf seit Donnerstag geschlossen, und es sind Binnengrenzkontrollen genehmigt worden. So viel Aufregung, nur weil einige Staatsoberhäupter zusammenkommen! Am 14. Juni ist eine Demonstration in Genf geplant, und die Protestorganisation „No-G7“ empfiehlt den Teilnehmenden, sich das Gesicht zu verdecken – eine Maßnahme, die die Spannungen nur noch weiter anheizt.
Die Behörden sind sich der potenziellen Gefahren bewusst. Kast hat sogar nicht ausgeschlossen, dass ein Demonstrationsverbot in Erwägung gezogen werden könnte, falls das Bedrohungsniveau als zu hoch eingeschätzt wird. Gleichzeitig gibt es Berichte über einen besorgniserregenden Anstieg von Antisemitismus in der Romandie. Ein Thema, das in diesen Tagen besonders viel Aufmerksamkeit erregt.
Die Vorfreude auf den Gipfel wird von der Unsicherheit und der Sorge um Gewalt und Ausschreitungen überschattet. Die Genfer Unternehmen sind alarmiert und versuchen, sich gegen die drohenden Gefahren zu wappnen. Man kann nur hoffen, dass der Gipfel nicht zu einem weiteren Schreckensszenario wird, sondern stattdessen für einen Dialog und friedliche Lösungen sorgt. Aber in einer Stadt, die sich gerade auf das Ungewisse vorbereitet, bleibt die Stimmung angespannt.