Brotkäfer-Chaos: Genfs Naturhistorisches Museum im Ausnahmezustand
In Genf gibt es derzeit einen kleinen, aber sehr hartnäckigen Übeltäter, der nicht nur für Aufregung sorgt, sondern auch für einen gewaltigen finanziellen Aufwand. Der Brotkäfer, wissenschaftlich als Stegobium paniceum bekannt, hat sich in den Sammlungen des Naturhistorischen Museums eingenistet. Und das ist alles andere als ein kleiner Spaß. Über 15 Millionen Exemplare dieser winzigen Plage (ja, er ist nur etwa 2 bis 3 Millimeter groß) bedrohen die wertvollen Exponate des Museums, von ausgestopften Tieren bis hin zu alten Büchern. Der Genfer Gemeinderat hat auf diesen Ernstfall reagiert und am Montag einen ausserordentlichen Kredit von 30,6 Millionen Franken bewilligt. Man könnte sagen: „Das ist ja ein ganz schöner Batzen!“
Die Summe wird auf die nächsten zehn Jahre verteilt, wobei 23 Millionen Franken direkt für die Desinfektion und die Verlagerung der Sammlungen verwendet werden sollen. Die restlichen 7 Millionen sind für die Sanierung der Infrastruktur gedacht. Es ist ein riesiges Unterfangen, das notwendig ist, um diesen kleinen Monsterchen endlich das Handwerk zu legen. Denn der Brotkäfer kann, wie sein Name schon andeutet, nicht nur an Brot nagen – er hat ein breites Spektrum an pflanzlicher und tierischer Nahrung, das er in Angriff nimmt. Das macht die Lage im Museum so prekär.
Der Käfer im Detail
Der Brotkäfer hat einen länglich ovalen Körper und rötlichbraune Flügel, die mit feinen Haaren und Rillen besetzt sind. Von der Familie der Nagekäfer hat er sich seine besonderen Merkmale bewahrt, wie den breiten Halsschild, der den Kopf verdeckt. Verwechslungsgefahr besteht mit dem gemeinen Nagekäfer, der ein Holzschädling ist, und dem Tabakkäfer, dessen Antennen jedoch anders geformt sind.
Im Museum ist der Käfer besonders hinterhältig, denn er gefährdet nicht nur Bücher, sondern auch Herbarien, (Volks-)Kunst aus Salzteig und Polster aus pflanzlichen Materialien. Die Larven, die man im Volksmund auch als „Bücherwürmer“ kennt, sind die eigentlichen Übeltäter. Zwischen 0,5 und 5 mm lang, gekrümmt und mit Haaren besetzt, haben sie ein dunkles Mundwerkzeug, das sich deutlich von ihrer hellbraunen Kopfkapsel abhebt. Bei Zimmertemperatur können diese kleinen Schädlinge bis zu drei Monate lang an stärkehaltiger Nahrung fressen, bevor sie sich verpuppen. Das ist eine echte Plage!
Das Vorgehen gegen die Plage
Um dem Problem Herr zu werden, sind umfassende Maßnahmen notwendig. Die Larven sind zu Beginn sehr aktiv und können sich durch kleine Ritzen oder Falten im Museum leicht verbreiten. Später werden sie träge und bleiben an einem Ort. Für ihre Verpuppung bauen sie einen ovalen Kokon aus Nahrungsteilen und Kot, der an Wänden oder in festen Materialien wie Trockenbauwänden geheftet sein kann. Hier ist also große Vorsicht geboten!
Was kann man tun? Neben der Desinfektion kommen verschiedene Monitoring-Methoden zum Einsatz, wie Lichtfallen und Pheromone, um den Käfern auf die Schliche zu kommen. Auch biologische Gegenspieler, wie die Lagererzwespe, könnten helfen, den Befall in den Griff zu bekommen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Ziel ist, das Naturhistorische Museum bis September 2028 teilweise und bis 2036 vollständig wieder zu eröffnen. Die Herausforderung ist groß, aber man gibt nicht auf!
Die Mängel in der Hygiene, die durch Abfälle von Besuchern oder Personal entstehen können, tragen zur Problematik bei. Das lässt einen schon ein wenig nachdenklich werden, wenn man über die Verantwortung nachdenkt, die jeder Einzelne trägt, um solche Plagen zu vermeiden. So bleibt die Frage: Werden wir den Brotkäfer besiegen können? Die Zeit wird es zeigen! Ein kleines Ungeziefer hat hier große Wellen geschlagen.
