Heute ist der 9.06.2026 und ich sitze hier in Bern, um über ein Thema zu berichten, das die Gemüter bewegt: die Wölfe in der Schweiz. Man kann sagen, die Wölfe sind wieder da – und das mehr denn je! Im Jahr 2025 wurden in unserem schönen Land sage und schreibe 43 Wolfsrudel und insgesamt 350 Wölfe nachgewiesen. Das ist ein Anstieg im Vergleich zu 2024, als noch 319 Wölfe durch die Wälder schlichen. Unglaublich, oder?
Besonders spannend ist, dass im Kanton Obwalden das Klein-Melchtal-Rudel neu gegründet wurde. Und im Kanton Neuenburg, da gibt’s jetzt das sechste Rudel im Juragebiet – die Vallée de la Brévine. Man fragt sich, wo die alle herkommen. Tatsächlich stammen die meisten identifizierten Wölfe aus der Alpenpopulation. Aber es gibt auch Einblicke in die zentraleuropäische Population. Im April 2025 wurde sogar eine gewilderte Wölfin aus dieser Gruppe im Kanton Bern nachgewiesen. Sechs Wölfe aus der zentralen europäischen Population konnten insgesamt registriert werden. Da kann man nur staunen!
Welpen und Abschüsse
Im Jahr 2025 wurden mindestens 155 Welpen geboren. Das ist eine erfreuliche Nachricht für die Wolfsfreunde unter uns. Doch nicht alles ist nur Friede, Freude, Eierkuchen. In der Regulierungsperiode 2025/26 wurden 115 Wölfe zum Abschuss freigegeben, und tatsächlich wurden 77 Wölfe erlegt. Man fragt sich, ob das wirklich notwendig ist. In der vorherigen Regulierungsperiode waren es übrigens 92 Wölfe, die geschossen wurden. Kommt uns das nicht ein wenig hoch vor?
Die Genetik der Wölfe in der Schweiz scheint sich zu verbessern, die genetische Vielfalt nimmt zu. Das ist doch ein Lichtblick! Und dann gibt es noch die spannende Entdeckung im Wallis: Das Chablais-Rudel hat im Jahr 2025 eine doppelte Reproduktion – mit acht Welpen! Das klingt fast nach einem Märchen aus dem Wald.
Ein Blick über die Grenzen hinweg
Ein interessanter Aspekt ist die Diskussion um die Wölfe auch in anderen Ländern. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in Deutschland hat die Aufgabe, die Behörden zu beraten und Daten zu sammeln. Übergriffe auf Nutztiere, die durch Wölfe verursacht werden, werden ebenfalls dokumentiert. Und hier kommt der Goldschakal ins Spiel: In Deutschland haben sich Goldschakale erstmals in Schleswig-Holstein niedergelassen. In acht Kantonen wurden 88 Meldungen über diesen Schakal registriert, von denen 23 als sichere Nachweise gelten. Das zeigt, dass die Fauna in Europa im Wandel ist.
Der NABU, eine weitere wichtige Stimme im Naturschutz, hat am Tag des Wolfes – dem 30. April – eine interaktive Karte über Wolfsvorkommen in Europa veröffentlicht. Diese Karte bietet eine umfassende Übersicht über die Herausforderungen und das Zusammenleben mit Wölfen in verschiedenen Ländern. Wusstet ihr, dass es in Italien eine Hybridisierung von Wölfen und Hunden gibt? Bis zu 30% des Bestandes sind Hybriden! Das zeigt, wie komplex das Thema ist und dass die Wolfspopulationen nicht immer einen günstigen Erhaltungszustand anzeigen.
Herausforderungen im Zusammenleben
Das Zusammenleben mit Wölfen ist in jedem Land eine Herausforderung. In Deutschland beispielsweise gibt es keine Regulierung des Wolfsbestandes, was die Qualität des Herdenschutzes noch wichtiger macht. In der Schweiz ist es ähnlich, Herdenschutz muss hier angepasst werden, um Konflikte zu vermeiden. Kora, eine Forschungsorganisation, hat bereits ein nationales Projekt zu den Folgen der Wolfsregulierung gestartet. Herdenschutz kann helfen, Konflikte zu minimieren und gleichzeitig den Wölfen ein Zuhause zu bieten.
Die Wölfe sind also nicht nur eine Angelegenheit für Naturschützer, sondern betreffen uns alle. Egal ob wir in den Bergen wohnen oder in der Stadt, die Wölfe – und auch die Goldschakale – sind Teil unserer Natur. Wir müssen lernen, mit ihnen zu leben, und das erfordert ein bisschen mehr als nur ein paar Gesetze. Es braucht Verständnis, Geduld und die Bereitschaft, Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten funktionieren. Wenn wir das hinbekommen, könnte das Zusammenleben mit diesen faszinierenden Tieren wirklich eine Bereicherung sein.