Es ist ein leidenschaftliches Thema, das die Gemüter bewegt: die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich. Vor allem in Bern gibt es großen Handlungsbedarf. GLP-Grossrat Thomas Brönnimann hat sich dafür stark gemacht, die Situation für das Pflegepersonal in den bernischen Spitälern zu verbessern. „Der Kanton Bern muss endlich aktiv werden“, fordert er. Dabei ist nicht nur die Politik gefordert, auch die Bevölkerung könnte mit einem klaren Ja zu besseren Bedingungen aufhorchen. Die Pflegeinitiative, die 2021 vom Schweizer Stimmvolk angenommen wurde, könnte der Schlüssel sein – auch wenn einige Verbesserungen im Nationalrat gestrichen wurden.

Brönnimann weist darauf hin, dass der Kanton zwar bemüht ist, mehr Nachwuchs im Pflegebereich auszubilden, doch die Realität sieht anders aus. Viele Fachkräfte verlassen den Beruf frühzeitig. Die Gründe sind klar: Schlechte Arbeitsbedingungen, insbesondere bei Nachtarbeit und einer maximalen Wochenarbeitszeit, machen den Job unattraktiv. Und das, obwohl der Bedarf an professioneller Pflege aufgrund der Alterung der Gesellschaft weiter steigen wird. Ein Teufelskreis, der nicht nur Bern, sondern die gesamte Schweiz betrifft.

Schritt für Schritt zur Verbesserung

Die Umsetzung der Pflegeinitiative erfolgt in zwei Etappen. Ab dem 1. Juli 2024 soll ein Ausbildungsförderungsgesetz in Kraft treten, das die Ausbildung von Pflegefachkräften unterstützen soll. Die zweite Etappe fokussiert sich auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der beruflichen Entwicklung. Brönnimann hat bereits im April einen Vorstoss für bessere Arbeitsbedingungen eingereicht – das zeigt, dass der Druck wächst.

Ein neues Bundesgesetz über die Arbeitsbedingungen in der Pflege (BGAP) wird ebenfalls entwickelt. Ziel ist es, den Pflegeberuf attraktiver zu machen und die Frühverrentung zu reduzieren. Dienstpläne sollen nun mindestens vier Wochen im Voraus festgelegt werden, und es wird angestrebt, die wöchentliche Höchstarbeitszeit um fünf Stunden auf 45 Stunden zu reduzieren. Auch die Normalarbeitszeit wird angepasst. Überstunden sollen mit Freizeit ausgeglichen werden, oder es gibt einen Lohnzuschlag von mindestens 25 %. Das klingt doch schon mal besser, oder?

Der Blick über die Grenzen

Doch nicht nur in der Schweiz ist die Lage angespannt. In Deutschland herrscht seit Jahren ein Pflegenotstand. Trotz der erhöhten Aufmerksamkeit während der Corona-Krise sind die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen weitgehend schlecht geblieben. Der Personalmangel, gepaart mit unzureichender Entlohnung, führt dazu, dass viele Pflegekräfte aus dem Beruf aussteigen. Eine Umfrage zeigt, dass 86 % der Deutschen eine öffentliche Investitionsoffensive im Gesundheits- und Pflegebereich befürworten. Das lässt einen hoffen, dass auch hierzulande ein Umdenken stattfinden könnte.

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Die Ökonomisierung der Krankenhäuser wird oft als Hauptursache für die schlechten Arbeitsbedingungen identifiziert. In Deutschland fehlen mehr als 100.000 Vollzeitstellen im Pflegedienst. Eine Anhebung der Personalbesetzung auf das Niveau von Ländern wie der Schweiz oder Dänemark würde sogar 160.000 bis 260.000 zusätzliche Vollzeitkräfte erfordern. Ein gewaltiger Schritt, der nicht von heute auf morgen zu bewältigen ist. Doch die Notwendigkeit, die Lebenssituation von Pflegekräften zu verbessern, wird immer drängender.

Zurück zur Schweiz: Brönnimann schlägt vor, den Kanton Bern innerhalb der Schweiz attraktiver zu machen, um Fachkräfte zu halten. Derzeit bezieht der Kanton viele Fachkräfte aus dem Ausland, was langfristig problematisch sein könnte. Es bleibt abzuwarten, ob die Worte nun endlich Taten folgen – die Zeit drängt, denn die Bevölkerung hat das Recht auf eine qualitativ hochwertige Pflege. Und das gilt nicht nur für Bern, sondern für alle Kantone.