Heute ist der 15.05.2026, und in Bern brodelt es. Der Berner Regierungsrat hat kürzlich eindringlich vor möglichen Personalproblemen im Gesundheitswesen gewarnt. Die Ursache? Die drohende Einschränkung der Personenfreizügigkeit. Wenn die Tore für EU-Staatsbürger geschlossen werden, könnte das für die Berner Spitäler und Pflegeeinrichtungen gravierende Folgen haben. Immerhin arbeiten EU-Bürger überdurchschnittlich häufig in diesen Bereichen – ein Fakt, der nicht ignoriert werden kann.
Der Vorstoß von GLP-Grossrat Tobias Vögeli hat diese Problematik ans Licht gebracht. In den letzten Jahren ist die Abhängigkeit des Gesundheitswesens von EU-Arbeitskräften deutlich gestiegen. Aktuelle Daten aus dem Jahr 2024 zeigen, dass die Gesamtzahl der Mitarbeitenden in Spitälern zwar gestiegen ist, aber die Zahl der EU-Mitarbeitenden leicht gesunken ist. Im Kanton Bern liegt der Anteil der EU-Bürger im Spitalpersonal fast doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung – ein klarer Hinweis darauf, wie wichtig diese Fachkräfte sind.
Ein Blick über die Grenzen
Und das ist nicht nur ein lokales Phänomen. Ganz Europa sieht sich mit der Herausforderung konfrontiert, im Ausland ausgebildete Ärzte und Pflegekräfte zu integrieren. Zwischen 2014 und 2023 stieg die Zahl der im Ausland ausgebildeten Ärzte in Europa um satte 58 %, während Pflegekräfte sogar um 67 % zulegten. Der Zustrom von Ärzten hat sich nahezu verdreifacht, bei den Pflegekräften ist es eine Verfünffachung. Über 60 % der 2023 neu angekommenen Ärzte und 72 % der Pflegekräfte stammen aus Ländern außerhalb Europas. Das wirft Fragen auf, wie die nationalen Gesundheitssysteme damit umgehen sollen.
Besonders Länder in Ost- und Südeuropa leiden unter der Abwanderung ihrer Fachkräfte. Diese Länder verlieren nicht nur Talente, sondern verschärfen damit den Fachkräftemangel in ihren eigenen Systemen. Und während west- und nordeuropäische Länder stark auf im Ausland ausgebildete Fachkräfte angewiesen sind, haben einige wie Irland bereits Maßnahmen ergriffen, um die Abhängigkeit von ausländischem Personal zu verringern. Dort wurden mehr Ausbildungsplätze für inländische Studenten geschaffen, um die eigene Versorgung langfristig zu sichern.
Die Herausforderung der Zukunft
Die WHO prognostiziert bis 2030 einen Mangel von 950.000 Gesundheitsfachkräften in der Region. Das ist eine Zahl, die einem den Atem raubt. Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt die WHO strenge Konzepte zur Personalbindung und bessere Planungen im Gesundheitswesen. Die Komplexität der Mobilitätsmuster – beeinflusst durch Sprache, Geografie und Ausbildungssysteme – ist eine zusätzliche Herausforderung, die nicht unterschätzt werden darf.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass Regierungen die Arbeitsbedingungen verbessern. Rumänien hat beispielsweise die Abwanderung von Ärzten durch bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen erfolgreich reduziert. Diese Ansätze könnten als Vorbild für andere Länder dienen. Die Unterstützung durch die WHO könnte hier ein entscheidender Faktor sein, um die Migration von Gesundheitsfachkräften nachhaltig zu gestalten.
In der Berner Gesundheitslandschaft ist also Handlungsbedarf angesagt. Die Abhängigkeit von EU-Mitarbeitenden ist nicht nur ein Thema für Politiker, sondern betrifft uns alle. Wenn wir nicht aufpassen, könnte die Zukunft unseres Gesundheitswesens in Gefahr geraten. Was bleibt, ist die Frage: Wie wollen wir die Pflege und medizinische Versorgung in den kommenden Jahren sicherstellen? Eine Herausforderung, die alle angeht.