In Basel, wo die Rheinpromenade zum Verweilen einlädt und die Geschichte in jedem Stein zu spüren ist, hat ein Mann seine Leidenschaft und sein Wissen in den Dienst der Geflüchteten gestellt. Florian Knappe, Sportwissenschaftler an der Universität Basel, ist mehr als nur ein Forscher. Seine Reise begann im Jahr 2015, als die Flüchtlingskrise Europa in Atem hielt. Damals begann er, sich intensiv mit dem Thema Flucht auseinanderzusetzen, geprägt von einer persönlichen Geschichte, die ihn direkt betrifft. Sein Großvater und Vater sind selbst geflohen, ein Erbe, das ihn für die Herausforderungen sensibilisierte, denen Geflüchtete gegenüberstehen.

Vor nicht allzu langer Zeit, genauer gesagt, während einer Woche in einem griechischen Flüchtlingscamp, erlebte Knappe hautnah die Not und die Herausforderungen, mit denen viele Menschen kämpfen. Er wurde Zeuge von Pushbacks und Gewalt an den Grenzen – Szenen, die ihm nicht aus dem Kopf gehen, und die seine Sicht auf die Welt nachhaltig beeinflussten. Doch anstatt sich von der Dunkelheit der Erlebnisse entmutigen zu lassen, wandte Knappe seine Energie einem Sportprojekt zu, das die Auswirkungen von sportlichen Aktivitäten auf die psychische Gesundheit von Geflüchteten untersuchen sollte. Eine eindrucksvolle Initiative, die zeigt, wie wichtig Bewegung für das Wohlbefinden ist.

Sport als Therapie

Seine Masterarbeit befasste sich mit einer zentralen Frage: Kann regelmäßige sportliche Betätigung die psychische Gesundheit von Geflüchteten verbessern? Die Antwort ist vielversprechend. Knappe hat herausgefunden, dass Sport nicht nur das Grübeln reduzieren kann, sondern auch den Austausch zwischen den Menschen fördert. Diese Erkenntnisse sind nicht nur akademisch, sondern haben auch praktische Anwendung. Knappe arbeitet an einer Dissertation, die sich mit der biopsychosozialen Wirkung von Sportangeboten für geflüchtete Menschen beschäftigt und entwickelt ein Schulungsprogramm für Mitarbeitende in Asylzentren. Hier wird der Fokus besonders auf unbegleitete Minderjährige und Frauen gelegt – Gruppen, die oft stark belastet sind.

Ein weiteres spannendes Projekt trägt den Namen „Coach the coaches“. Damit möchte Knappe die Sportangebote in den Bundesasylzentren in Basel und Zürich fest verankern. Denn, wie er betont, ist es wichtig, den Menschen vor Ort zuzuhören und nicht einfach mit vorgefertigten Lösungen zu arbeiten. So kann das, was er gelernt hat, wirklich zur Verbesserung der Situation von Geflüchteten beitragen.

Psychosoziale Unterstützung

Doch Knappe ist nicht der Einzige, der sich für die mentale Gesundheit von Geflüchteten starkmacht. Auch auf internationaler Ebene wird viel getan. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat sich beispielsweise das Ziel gesetzt, dass MHPSS (Mental Health and Psychosocial Support) ein fester Bestandteil der internationalen Entwicklungszusammenarbeit wird. In Zusammenarbeit mit Organisationen wie UNICEF und UNHCR finanziert das BMZ Studien zur Wirkung psychosozialer Maßnahmen in Fluchtsituationen – ein wichtiger Schritt, um die Effizienz und die Wirkungsweisen solcher Angebote zu verstehen.

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Im Jahr 2023 fand die Konferenz „Building Bridges in Displacement“ statt, bei der der Austausch über MHPSS und geschlechtsbasierte Gewalt gefördert wurde. Solche Initiativen sind entscheidend, denn sie zeigen, dass auch auf breiterer Ebene ein Bewusstsein für die Bedürfnisse von Geflüchteten geschaffen wird. Die Kombination aus Knappe’s lokalem Engagement und der internationalen Unterstützung bildet ein starkes Fundament für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Geflüchteten. Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen weiterhin wachsen und gedeihen. Denn letztendlich geht es darum, Menschen in schwierigen Lebenslagen eine Stimme zu geben und ihnen einen Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen.