Hitze als Chance: Wie Zweipack die Arbeitswelt neu denkt
Heute ist der 15.07.2026 und wir befinden uns mitten in einer Hitzewelle hier in Basel. Die Temperaturen klettern auf über 30 Grad, und während die meisten von uns versuchen, sich mit kühlen Getränken und schattigen Plätzen zu retten, gibt es Unternehmen, die kreativ mit der Hitze umgehen. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist die Gebäudeunterhaltsfirma Zweipack aus Allschwil BL. Sie haben beschlossen, bei solchen Temperaturen die tägliche Arbeitszeit von 8,4 auf nur 6 Stunden zu verkürzen. Eine Maßnahme, die sowohl für die Gesundheit der Mitarbeitenden als auch für die Effizienz des Betriebs von Bedeutung ist.
Diese Regelung gilt seit etwa drei Wochen und wurde lediglich an zwei Tagen unterbrochen. Geschäftsführer Mischa Blattner ist überzeugt: „Arbeiten in der Hitze am Nachmittag ist für die Mitarbeitenden und den Betrieb einfach nicht sinnvoll.“ Und das ist nicht nur leere Rhetorik. Die Mitarbeitenden, vor allem die, die draußen tätig sind – sei es bei Gartenarbeiten, technischen Dienstleistungen oder Reinigungsarbeiten – berichten von körperlicher Erschöpfung und enormen Schwierigkeiten, bei diesen Temperaturen ihre Arbeit zu verrichten. Laut Suva steigt das Unfallrisiko bei hohen Temperaturen signifikant. Ab 30 Grad gibt es rund 7 % mehr Arbeitsunfälle. Es ist also ein ernstes Thema.
Arbeitsschutz in der Hitze
Obwohl Arbeitgeber in der Schweiz verpflichtet sind, ihre Angestellten vor Hitze zu schützen, gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf Hitzefrei. Eine fixe Temperaturgrenze wird zudem als wenig sinnvoll erachtet, da viele andere Faktoren wie Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung ebenfalls eine Rolle spielen. Zweipack hat sich entschieden, nicht dringende Arbeiten auf kühlere Tage zu verschieben und konzentriert sich auf zwingend notwendige Aufgaben. Das Unternehmen hat bisher keine wirtschaftlichen Einbußen durch die verkürzten Arbeitszeiten erlitten, was sie in ihrer Entscheidung bestärkt. Zusatzaufträge werden während der Hitzewelle nicht angenommen, und das Nachholen der ausgefallenen Stunden ist nicht geplant.
Diese Art von proaktivem Handeln ist in einem Land wie der Schweiz, wo die Anzahl der „heißen Tage“ – also Tage mit mindestens 30 °C – seit den 1950er Jahren etwa verdreifacht hat, besonders wichtig. Die Analyse der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zeigt, dass extreme Temperaturen, sei es Hitze oder Kälte, die Unfallzahlen erheblich erhöhen. Bei Temperaturen über 30 °C steigt die Unfallhäufigkeit um etwa 7 % im Vergleich zu milderen Temperaturen zwischen 10 °C und 15 °C. Das ist ein klarer Hinweis darauf, dass wir in der heutigen Zeit einen stärkeren Fokus auf den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz legen müssen.
Gesundheit und Sicherheit
Dr. Edlyn Höller von der DGUV hebt hervor, wie wichtig es ist, den Einfluss der Witterung auf das Unfallrisiko intensiver zu untersuchen. Schließlich können extreme Temperaturen direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit und das Unfallrisiko haben. Interessanterweise zeigt die Analyse der Wegeunfälle, dass bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Zahl der Wegeunfälle außerhalb des Straßenverkehrs nahezu doppelt so hoch ist. Und auch an heißen Tagen ist das Risiko nicht zu unterschätzen – auch wenn es mit etwa 12 % geringer ist, bleibt es dennoch signifikant.
In einer Zeit, in der der Klimawandel immer spürbarer wird, müssen wir uns die Frage stellen, wie wir mit diesen Herausforderungen umgehen. Positiv ist, dass weniger Frosttage möglicherweise die Wegeunfälle reduzieren könnten, während wir uns auf die Folgen hoher Temperaturen einstellen müssen. Die Zukunft wird zeigen müssen, wie Unternehmen wie Zweipack weiterhin auf diese Veränderungen reagieren.
