Marvi del Nero, eine 75-jährige Brasilianerin mit einer bewegten Lebensgeschichte, hat sich seit 2015 in Basel niedergelassen. Vorher lebte sie in verschiedenen Städten der Schweiz, darunter Schaffhausen, Horgen und Turbenthal. Als pensionierte Englisch- und Portugiesischlehrerin sowie Bachblüten-Therapeutin hat sie in der Stadt am Rhein einen Zufluchtsort gefunden. Doch trotz der neuen Heimat vermisst sie das Meer und die Weite, die sie auf ihrer brasilianischen Insel erlebte.

Aufgewachsen in einem kleinen Fischerdorf in Brasilien, war Marvi schon früh von der Welt der Sprachen fasziniert. Im Alter von 20 Jahren entschied sie sich für einen Sprachaufenthalt in Brighton, wo sie ihren späteren Ehemann aus Zürich traf. Nach fünf Jahren in der Schweiz kehrte die Familie nach Brasilien zurück, doch das Schicksal führte sie schließlich nach Australien, wo sie Narrabeen als ihre „Seelenstadt“ entdeckte. Dort fand sie eine spirituelle Heimat, bis sie aufgrund einer Visumannullierung aus Australien ausgewiesen wurde. Diese turbulente Erfahrung beschreibt sie in ihrem Buch „The Visa Saga“ – ein eindrucksvoller Einblick in die Herausforderungen, die Migranten oft begegnen.

Ein neues Kapitel in Basel

Nach ihrer Rückkehr nach Brasilien lebte Marvi zwei Jahre in der Heimat, bevor sie 2015 den Schritt wagte, nach Basel zu ziehen. Hier hat sie sich gut eingelebt, dank der Freundschaften, die sie geschlossen hat. Dennoch bleibt die Sehnsucht nach dem Meer und der Weite – sie plant bereits einen Umzug nach Lausanne, um näher am Wasser zu sein. Wie viele Migranten, die in ein neues Land ziehen, hat auch Marvi die Herausforderungen der Integration erlebt.

Die Erfahrungen von Migranten sind oft vielschichtig. In der Doku „Goodbye Deutschland“ wird deutlich, wie Menschen ihre Identität neu aushandeln müssen, wenn sie in ein neues Einwanderungsland kommen. Sprachliche Barrieren, der Aufbau sozialer Netzwerke und Anpassungen an neue gesellschaftliche Normen sind nur einige der Hürden, die sie überwinden müssen. Marvi spricht mehrere Sprachen: Portugiesisch, Englisch und auch Deutsch, konkret Zürideutsch, was ihr den Einstieg in die neue Umgebung erleichtert hat.

Brücken schlagen zwischen Kulturen

Die Integration ist jedoch nicht immer einfach. Manchmal stehen Ausgrenzung oder bürokratische Hürden im Weg. Und doch sind es gerade die persönlichen Rückschläge und die Vielfalt an Erfahrungen, die das Leben bereichern. Marvi hat diese Herausforderungen mit Bravour gemeistert, und ihre Geschichten sind ein wertvoller Beitrag zur kulturellen Vielfalt in Basel.

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Die Frage nach der Identität ist für viele Migranten, egal woher sie kommen, zentral. Im Fersental, einer Region in Trentino, gab es beispielsweise eine erzwungene Identitätswahl, die durch deutsche Propaganda beeinflusst wurde. Menschen wurden vor die Wahl gestellt, für Deutschland zu optieren oder nicht, was in den verschiedenen Dörfern zu unterschiedlichen Reaktionen führte. Solche historischen Kontexte zeigen, dass die Auseinandersetzung mit Identität und Herkunft nicht neu ist, sondern Generationen geprägt hat.

Es ist faszinierend zu sehen, wie Marvi trotz ihrer Sehnsucht nach dem Meer und der Weite in Basel Fuß gefasst hat. Ihre Pläne für ein weiteres Buch über ihre Erfahrungen in der Schweiz zeugen von einem unermüdlichen Geist. Das Leben ist ein ständiger Wandel, und sie ist bereit, diesen Wandel anzunehmen, während sie gleichzeitig die Traditionen und Bräuche ihrer Herkunft mit in die neue Heimat bringt.