Rund 300 Menschen haben sich am Dienstagabend in Basel versammelt, um gegen die geplante Erhöhung der Studiengebühren und die Sparmaßnahmen des Bundes bei der Bildung zu protestieren. Die Stimmung war angespannt, aber auch kämpferisch, als die Demonstranten von der Universitätsbibliothek in Richtung Innenstadt zogen. Die Versammlung war genehmigt, und die Teilnehmer trugen Transparente mit Slogans wie „Belastungspaket Nein“ und „Bildung statt Bomben“. Eine Sprecherin brachte es auf den Punkt: „Gratis-Bildung für alle und jetzt!“

Die Kritiker der Kürzungen, die im Rahmen des Entlastungspakets 27 vorgeschlagen wurden, sind sich einig, dass die geplanten Einsparungen in der Hochschulpolitik nicht nur die Studierenden, sondern auch die Qualität der Bildung im Land gefährden. Aktuell betragen die Semestergebühren an der Universität Basel 850 Franken. Doch das ist erst der Anfang! Letztes Jahr hat die Universität beschlossen, die Gebühren für Studierende, die ihren Bachelor nicht innerhalb von fünf Jahren abschließen, zu verdoppeln. Um diese Sanktion zu vermeiden, können die Studierenden eine Vereinbarung mit der Universität abschließen und einhalten. Was für ein Druck!

Die Hintergründe der Proteste

Die Situation wird noch komplizierter, wenn man bedenkt, dass der Bundesrat plant, die Studiengebühren ab 2027 zu verdoppeln. Das würde die Schweiz auf Rang 4 der teuersten Länder für Studierende in Europa katapultieren. Der Grund für diese drastische Maßnahme ist ein strukturelles Defizit im Bundeshaushalt von rund drei bis vier Milliarden Franken. Steigende Ausgaben, insbesondere für die AHV-Rente und höhere Sozialausgaben sowie Mehrausgaben für die Armee, sind die Hauptursachen für diese Finanzkrise. Im Rahmen des „Entlastungspakets 27“ wurden 59 Sparmaßnahmen vorgeschlagen, darunter eine Reduzierung der Bildungsausgaben um 460 Millionen Franken.

Faszinierend ist, dass etwa 200 Millionen Franken der Einsparungen durch die Erhöhung der Studiengebühren erzielt werden sollen. Aktuell zahlen Schweizer Studierende im Durchschnitt 1448 Franken pro Jahr an den 12 Universitäten – und das wird bald viel mehr. Insbesondere für ausländische Studierende sollen die Gebühren ab 2027 sogar vervierfacht werden. Wie das wohl ankommt, wenn die ausländischen Talente plötzlich tief in die Tasche greifen müssen?

Ein Blick über die Grenzen

Im europäischen Vergleich sind die Studiengebühren in der Schweiz bereits jetzt nicht ohne. Laut Eurydice liegt die Schweiz bei den jährlichen Studiengebühren für Einheimische im ersten Studienzyklus auf Rang 8 von 41 europäischen Ländern. In Ländern wie Großbritannien, Irland, den Niederlanden, Italien und Ungarn sind die Gebühren höher. Im Gegensatz dazu zahlen Staatsbürger in skandinavischen Ländern oder Griechenland keine Studiengebühren, solange sie die vorgegebene Studienzeit einhalten. Es ist ein schmaler Grat zwischen Bildung und finanzieller Belastung, und die Unterschiede in den Gebühren spiegeln die Bildungspolitik der jeweiligen Länder wider.

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Die Proteste in Basel sind ein deutliches Zeichen für den Unmut, der unter den Studierenden brodelt. Bildung ist ein Grundrecht und sollte nicht zum Spielball politischer Entscheidungen werden. Die Frage bleibt: Wie weit sind wir bereit zu gehen, um unsere Stimme zu erheben? Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Studierenden in Basel und der ganzen Schweiz Gehör finden oder ob ihre Bedenken weiterhin ignoriert werden. Die Zeit wird knapp – und das Gespenst höherer Gebühren schwebt über den Universitäten.