Heute ist der 11.05.2026 und in Basel brodelt es. Die Diskussion um den freiwilligen Lohnabzug, der am 14. Juni zur Abstimmung kommt, erhitzt die Gemüter. Rund 30 Prozent der Steuerpflichtigen in Basel-Stadt zahlen keine Steuern – ein gewaltiger Anteil, der die Stadt vor Herausforderungen stellt. Und nun soll ein System eingeführt werden, das 10 Prozent vom Lohn der in Basel-Stadt wohnenden und arbeitenden Personen abzieht. In Riehen und Bettingen wären es sogar nur 5 Prozent! Klar, dass das nicht ohne Widerstand geschieht.

Das Ziel des Lohnabzugs ist klar: Schulden sollen verringert und die Steuerzahlung vereinfacht werden. Wer denkt, das klingt einfach, der irrt. Der Abzug ist freiwillig, mit der Möglichkeit des „Opting-out“, doch das wirft einige Fragen auf. Steuererklärungen müssen weiterhin jährlich ausgefüllt werden, und der Abzug gilt nur für Kantonssteuern. Aber was ist mit den Menschen, die bereits am Limit leben? Luca Urgese warnt vor den möglichen negativen Folgen des Lohnabzugs. Er erklärt, dass nicht jeder von dieser Regelung profitiert – im Gegenteil, es könnten Menschen wie Andrea oder Beat in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Andrea hat ein knappes Einkommen, und Beat hat kein steuerbares Einkommen. Solche Beispiele lassen einen aufhorchen.

Ein gemischtes Echo

Die Zustimmung zur Einführung des freiwilligen Direktabzugs ist ein Schritt, der gemischte Reaktionen hervorruft. Vor allem Wirtschaftsverbände sind skeptisch und haben bereits ein Referendum ergriffen. Der Abzug richtet sich primär an Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitenden. Hier wird deutlich, dass der Weg zur Einführung nicht einfach war – frühere Initiativen scheiterten. Ein Blick auf die Zahlen: Rund 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung haben Steuerschulden, der durchschnittliche Schuldenbetrag liegt bei 60’000 Franken. Die häufigsten Ursachen für Verschuldung? Gesundheitsprobleme, Trennungen und Arbeitslosigkeit sind die großen Übeltäter.

Die Diskussion über die Rolle des Staates in der Steuerzahlung ist ebenfalls spannend. Soll der Staat präventive Maßnahmen ergreifen oder sich besser auf bestehende Unterstützungsinstrumente konzentrieren? Der Basler Direktabzug ist eine Ausnahme: Er ist freiwillig und richtet sich an alle Angestellten. Das erinnert ein wenig an das Opt-out-System bei Organspenden – man ist automatisch dabei, es sei denn, man entscheidet sich aktiv dagegen. Professor Luzius Cavelti hebt das Vertrauensverhältnis im Schweizer Steuersystem hervor. Aber wie vertrauenswürdig ist ein System, bei dem etwa 40’000 von 200’000 Einwohnern Basels vom Abzug profitieren könnten?

Ein unterschätztes Problem

Die Situation rund um Schulden in der Schweiz ist nicht zu unterschätzen. Laut dem Bundesamt für Statistik hatten im Jahr 2022 etwa 40 Prozent der Bevölkerung Schulden. Es gibt unproblematische und problematische Schulden, wobei letztere oft nicht kurzfristig beglichen werden können. Einmal in der Schuldenfalle, ist es schwer, wieder herauszukommen. Und die Realität ist ernüchternd: Bei Pfändungen werden laufende Steuern nicht berechnet, was zu einem enormen Schuldenberg an Steuern führen kann. Die Schuldenberatung Schweiz hat das Problem klar auf den Punkt gebracht – es gibt keine Möglichkeit für einen Schuldenschnitt. Ein Privatkonkurs bedeutet häufig, dass die Schulden weiterhin bestehen bleiben.

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Wir müssen auch über das bargeldlose Zahlen reden. Es kann zur Verschuldung beitragen, etwa durch erhöhte Limiten bei Twint und Buy-now-pay-later-Angeboten. Viele Menschen haben keine Übersicht über ihre Ausgaben – Budgetierung wird hier zur obersten Devise. Empfehlungen zur Vermeidung von Schulden sind klar: Ein Budget erstellen und vielleicht mal auf Kreditkarten, Paypal oder Twint verzichten. Stattdessen ein Bankkonto und Bargeld nutzen – klingt einfach, ist aber in der digitalen Welt eine Herausforderung.

Die bevorstehende Abstimmung über den Lohnabzug könnte weitreichende Folgen für die Basler Bevölkerung haben. Ob das Experiment gelingt oder nicht, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Die Diskussion wird uns noch lange beschäftigen.