Alarmierende Zunahme von Gefährdungsmeldungen: Ein Weckruf für den Kindesschutz in Basel-Stadt
In Basel-Stadt gibt es derzeit eine besorgniserregende Entwicklung: Die Zahl der Gefährdungsmeldungen bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) steigt immer weiter an. Im Jahr 2022 wurden satte 1332 Meldungen registriert – fast doppelt so viele wie noch 2020, wo es nur 770 Meldungen waren. Das ist schon ein ganz schöner Sprung! Die Meldungen kommen von verschiedenen Stellen, wie Kindertagesstätten, Lehrern und auch der Polizei. Es ist also ein breites Spektrum an Menschen, die aufmerksam werden und handeln.
Patrick Fassbind, der Amtsleiter der Kesb, hat festgestellt, dass viele Eltern psychisch belastet und überfordert sind. Das führt nicht selten dazu, dass sie ihre Kinder vernachlässigen. Häufige Ursachen dafür sind Trennungen oder Gewalt in der Familie. Das sind Themen, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Auch wenn es in anderen Kantonen ähnliche Entwicklungen gibt, fehlen dafür nationale Statistiken. Schätzungen zufolge führen nur etwa 50% der Meldungen tatsächlich zu einer Schutzmaßnahme – das lässt einen doch nachdenklich zurück.
Ein Blick auf die Kindeswohlgefährdung
Die Kesb hat die Aufgabe, Maßnahmen zum Schutz von Kindern zu ergreifen, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, für Abhilfe zu sorgen. Gemäß Artikel 307 Abs. 1 ZGB ist die Meldung an die Kesb nicht nur eine Frage der Pflicht, sondern auch eine Frage des Kindeswohls. Denn das Kindeswohl, das umfasst die Befriedigung altersgerechter Grundbedürfnisse, steht im Mittelpunkt. Dazu gehören beständige und liebevolle Beziehungen, die körperliche Unversehrtheit und Sicherheit, aber auch die Berücksichtigung der Individualität des Kindes.
Es ist wichtig zu wissen, dass Kindeswohlgefährdung dann vorliegt, wenn grundlegende Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Die Folgen können gravierend sein – von körperlicher und psychischer Gewalt über Vernachlässigung bis hin zu sexueller Gewalt. Was viele nicht wissen: Ziel einer Gefährdungsmeldung ist es, Unterstützung und Hilfe zu bieten, nicht zu bestrafen. Die Meldung an die Kesb ist also ein Schritt im Kindesschutz, der mit Sorgfalt und Professionalität geprüft werden sollte.
Die Rolle der Fachpersonen
Fachpersonen, die in Kontakt mit Kindern stehen, können oft erst einmal niederschwellige Lösungen suchen. Eine Meldung an die Kesb erfolgt meist nur, wenn die eigenen Kompetenzen nicht ausreichen. Teamarbeit ist dabei wichtig – Verdachtsmomente sollten im Team besprochen werden, denn externe Fachpersonen können wertvolle Unterstützung bieten. Das zeigt, wie essenziell ein Netzwerk aus verschiedenen Akteuren ist, um das Wohl der Kinder zu schützen.
In Basel-Stadt planen die Behörden die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur präventiven Hilfe für Familien. Das könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein, um betroffenen Eltern und Kindern die Unterstützung zu bieten, die sie dringend benötigen. Die Zunahme der Meldungen wird von den Behörden nicht als negativ betrachtet; vielmehr sehen sie darin eine Chance, betroffenen Kindern zu helfen. Denn es geht darum, eine sichere Zukunftsperspektive für die nächste Generation zu schaffen – das sollte unser aller Ziel sein.
