In der malerischen Ostschweiz, genauer gesagt in Appenzell Innerrhoden, fand vor kurzem ein bemerkenswerter akademischer Austausch statt. Die Swiss International Summer School for Alpine Archaeology (Sisa) hat ihre erste Etappe erfolgreich abgeschlossen. Rund 20 fortgeschrittene Studierende, Doktorierende und Fachleute aus verschiedenen Ländern nahmen an dieser zweitägigen Veranstaltung teil. Der Fokus lag auf der faszinierenden Welt der Neandertaler und der Altsteinzeitforschung, die hier in der Region besonders lebendig wird.

Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, sich mit der Landschaftsgeschichte der letzten 100.000 Jahre auseinanderzusetzen. Bei einer spannenden Begehung der Wildkirchli-Höhlen diskutierten sie über die Entstehung der alpinen Landschaft und die Bedeutung dieser Höhlen für die Forschung. Es war schon beeindruckend, über das ursprüngliche Aussehen der Höhlen vor der letzten Maximalvergletscherung nachzudenken und die Möglichkeiten künftiger archäologischer Untersuchungen zu erörtern.

Faszinierende Einblicke in die Forschung

Am zweiten Tag führte die Reise ins Kulturmuseum St. Gallen, wo die Teilnehmer in die Geschichte der Wildkirchli-Funde eintauchten. Über 1000 Steinfunde, die seit den 1900er- und 1950er-Jahren gesammelt wurden, wurden zusammengeführt. Zuvor waren diese Funde auf verschiedene Institutionen verteilt – jetzt zeigten sie sich in neuem Licht und ermöglichten wertvolle Erkenntnisse. Auch das Naturmuseum St. Gallen war Teil der Etappe und bot Einblicke in die Bächler-Sammlung sowie aktuelle Forschungen zu eiszeitlichen Tieren wie Höhlenbären.

Die Wildkirchli-Höhlen sind nicht nur ein bedeutender archäologischer Standort, sondern auch eng verbunden mit der Forschungsgeschichte der Ostschweiz. Emil Bächler und Elisabeth Schmid waren prägende Figuren in der Neandertalerforschung. In den kommenden Jahren, speziell 2026, wird die Summer School erneut stattfinden, diesmal unter dem Thema «Neanderthal Landscapes». Dann werden Teilnehmer aus der ganzen Welt sich erneut in die Geheimnisse der Neandertaler und deren Lebensräume vertiefen.

Ein Blick in die Zukunft der Forschung

Der Austausch endete nicht in St. Gallen. Am 15. Juli reisten die Teilnehmer weiter über das Mammutmuseum Niederweningen nach Neuenburg, um zusätzliche altsteinzeitliche Fundstellen und Forschungseinrichtungen zu besuchen. Diese Exkursionen sind nicht nur eine tolle Möglichkeit, mehr über die Vergangenheit zu erfahren, sondern auch über die künftigen Forschungsansätze. Mit geophysikalischen Untersuchungen, die bereits für November 2024 in den Wildkirchli-Höhlen geplant sind, wird man versuchen, archäologische Schichten zu identifizieren und die Erkenntnisse weiter zu vertiefen.

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Die Neandertalerforschung hat auch in anderen Teilen Europas an Bedeutung gewonnen. Im LVR-LandesMuseum Bonn wird seit 1991 ein multidisziplinäres Forschungsprojekt durchgeführt. Dort werden Fossilien aus der Zeit der Neandertaler untersucht, die bis zu 42.000 Jahre alt sind. Diese Forschungen zeigen, dass die Neandertaler zwischen ein und vier Prozent zum Genpool der heutigen Eurasier beigetragen haben. Solche Erkenntnisse bieten nicht nur einen tiefen Einblick in unsere Vergangenheit, sondern auch eine spannende Perspektive auf die Evolution des Menschen.

Die Sommerakademie hat eindrucksvoll die Bedeutung der Wildkirchli-Höhlen und der lokalen Fundstätten für die Neandertalerforschung unterstrichen. Auch wenn die Tage in der Ostschweiz längst vorbei sind, bleibt der Impuls für zukünftige wissenschaftliche Auseinandersetzungen lebendig. Man darf gespannt sein, welche neuen Entdeckungen die nächsten Jahre bringen werden – vielleicht wird die Antwort ja in einer der Höhlen gefunden, die heute noch so viele Geheimnisse bergen.