Am 5. Juni 2026 war es wieder so weit: Das Fronleichnamsfest zog, wie ein aus dem Bilderbuch entsprungenes Ereignis, zahlreiche Gläubige und Interessierte in die Straßen von Appenzell Innerrhoden. Überall strahlte die Sonne, das Wetter war einfach perfekt – ein frisches Lüftchen wehte durch die Luft und sorgte für die richtige Festtagsatmosphäre. Wobei man ja auch sagen muss, dass der Wetterbericht zu Beginn nicht allzu vielversprechend war. Aber hey, die Natur hat uns nicht im Stich gelassen!
Die Pfarrkirche St. Mauritius wurde zum zentralen Treffpunkt, wo sich die Mitwirkenden für den großen Prozessionszug versammelten. Die Vielfalt der Trachten war schlichtweg überwältigend: Von den süßen «Goofeträchtli» über die eindrucksvolle «Wechtigs- und Barärmeltracht» bis hin zu den kunstvollen «Schlotte» und den traditionellen «Täfelimeedle» – die Farben und Muster schienen zu tanzen, als die Teilnehmer sich auf den Weg machten. Es war ein wahrhaft festlicher Anblick!
Die Prozession – ein Fest für die Sinne
Unter den Mitwirkenden fanden sich Muttergottes- und Fahnenträger, Himmelträger mit Pagen, Grenadiere und Rhodsfähnriche mit Junkern. Auch die Erstkommunikanten waren stolz an diesem besonderen Tag anwesend. In Begleitung der Musikgesellschaft Harmonie Appenzell erklang festliche Musik, die die Prozession begleitete. Man kann sich die Geräuschkulisse vorstellen: das Geläut der Kirchenglocken, das Knallen der Salutschüsse – es fühlte sich an, als würde die ganze Stadt mitfeiern.
Der Standespfarrer Lukas Hidber zelebrierte den Festtagsgottesdienst, während die Gläubigen, sowohl Einheimische als auch Auswärtige, der Prozession folgten. Das Feiertagsgeläut von «ösem Moritz» verstärkte die festliche Stimmung und machte die Bedeutung des Anlasses deutlich. Und ja, es war nicht nur ein religiöser Akt, sondern eine lebendige Demonstration des Glaubens und der Gemeinschaft.
Eine Tradition, die verbindet
Das Fronleichnamsfest wird seit dem Hochmittelalter von der Katholischen Kirche gefeiert. Zehn Tage nach Pfingsten wird die Einsetzung des Altarsakraments, also der Eucharistie, in den Mittelpunkt gerückt. Während in vielen Kantonen dieser Tag ein gewöhnlicher Werktag ist, wird er in Appenzell Innerrhoden mit einer farbenfrohen Prozession gefeiert. Die barocke Farbigkeit, die in der Prozession zur Schau kommt, hat etwas ganz Besonderes an sich – als ob die ganze Stadt in Feierlaune ist.
Besonders auffällig ist die große Abteilung von Frauen in Festtagstracht. Unter den 15 «Täfelimeedle» befanden sich auch einige, die bemalte Holztafeln mit den 15 Geheimnissen des Rosenkranzes trugen. Ein echter Hingucker! Die Prozession führte zum Landsgemeindeplatz und zum Schulhaus Chlos, wo ein Segenshalt eingelegt wurde. Der Altar vor dem Schulhaus war aufgrund von Renovierungsarbeiten auf die «Tschuttiwiese» verlegt worden, doch das tat der festlichen Stimmung keinen Abbruch.
Ein gelungener Ausklang
Um 11 Uhr wurde der Schlusssegen beim Turm mit der Prozessionsmonstranz erteilt. Und während die Teilnehmer den Weg zurück zur Pfarrkirche antraten, schien die Sonne noch ein wenig heller. Nach dem Fest ging es für viele in eine Gartenwirtschaft, um den Feiertag in geselliger Runde ausklingen zu lassen. Es war ein Tag voller Freude, Gemeinschaft und einem tiefen Gefühl der Verbundenheit. So ist das Fronleichnamsfest nicht nur ein religiöses Ereignis, sondern auch ein kulturelles Highlight, das die Menschen zusammenbringt.