Ein historischer Moment für den Kanton Appenzell Innerrhoden: Angela Koller aus Schwende-Rüte wurde am 26. April 2026 zur regierenden Landammann gewählt. Damit ist sie die erste Frau, die in der Geschichte dieses Kantons dieses bedeutende Amt bekleidet. Die Wahl fand in einer beeindruckenden Kulisse unter freiem Himmel auf dem Landsgemeindeplatz in Appenzell statt und zeugt von der tief verwurzelten Tradition der direkt-demokratischen Mitbestimmung, die hier gepflegt wird.
Die Landsgemeinde, die jeweils am letzten Sonntag im April abgehalten wird, ist eine der ältesten Formen direkter Demokratie weltweit. In diesem Jahr wurde auch Pius Federer aus Oberegg als stillstehender Landammann bestätigt, während wichtige Gesetze, wie die Totalrevision des Polizeigesetzes und die Revision des Verwaltungsgerichtsgesetzes, angenommen wurden. Das Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über Velowege hingegen wurde von den Stimmberechtigten zurückgewiesen.
Ein Weg voller Herausforderungen
Angela Koller blickt auf eine beeindruckende politische Karriere zurück. Von 2013 bis 2025 war sie Mitglied des Grossen Rates des Kantons Appenzell Innerrhoden und hat seither zahlreiche wichtige Ämter innegehabt, unter anderem als Präsidentin der vorberatenden Kommission zur Totalrevision der Kantonsverfassung (2023–2024) und als Präsidentin der parlamentarischen Gerichtskommission (2020–2025). Ihr Engagement in der Politik ist nicht nur eine persönliche Errungenschaft, sondern auch ein bedeutender Fortschritt für die Gleichstellung der Geschlechter in der Region.
Die Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Appenzell Innerrhoden erfolgte erst 1990, was die Bedeutung von Kollers Wahl umso mehr unterstreicht. Diese Wahl ist das Ergebnis eines langen Kampfes, der in der Schweiz bereits 1868 begann, als erste Forderungen nach dem Frauenstimmrecht laut wurden. Mehr als ein Jahrhundert später, am 7. Februar 1971, wurde das Frauenwahl- und Stimmrecht auf nationaler Ebene eingeführt, was einen Wendepunkt in der Schweizer Geschichte darstellt.
Ein Blick in die Zukunft
Die Wahl von Angela Koller ist nicht nur ein symbolischer Erfolg, sondern auch ein Schritt in die richtige Richtung für die Gleichstellung der Geschlechter in der Politik. In Appenzell Innerrhoden wechseln sich der regierende und der stillstehende Landammann im Zweijahresturnus ab, was eine dynamische politische Landschaft schafft. Kollers Ernennung ist ein Zeichen, dass die Stimmen der Frauen in der Schweizer Politik nun Gehör finden und dass die Tradition der Landsgemeinde auch in Zukunft lebendig bleibt.
Angela Koller wird zweifelsohne eine wichtige Rolle in der weiteren Entwicklung der politischen Landschaft des Kantons spielen. Ihre Wahl ist nicht nur ein Triumph für die Frauen, sondern auch ein Zeichen des Wandels in einer Region, die sich stets an den Werten der Mitbestimmung und Demokratie orientiert. Es bleibt spannend zu beobachten, welche Impulse sie setzen wird und wie sich die politische Kultur in Appenzell Innerrhoden weiterentwickeln wird.