Wettlauf um Wohnraum: Appenzell Ausserrhoden im Immobilienrausch
Heute ist der 23.06.2026, und wir schauen uns die Lage auf dem Wohneigentumsmarkt in Appenzell Ausserrhoden an. Wer hätte gedacht, dass Wohneigentum hierzulande so beliebt bleibt? Im Frühjahr 2026 gab es auf jede inserierte Eigentumswohnung fast drei Kaufinteressierte. Bei Einfamilienhäusern sind es sogar rund 3,5 Suchende pro Inserat. Das hat schon fast etwas von einem Wettlauf um die besten Immobilien!
Die Nachfrage ist besonders hoch für Kaufpreise bis 1,5 Millionen Franken. Günstige Finanzierungsbedingungen und die vergleichsweise attraktiven Preise in der Region tragen dazu bei, dass viele Leute in die eigenen vier Wände investieren möchten. Aber ein Blick auf die Zahlen macht deutlich: Das Angebot an Wohneigentum ist begrenzt. Im ersten Quartal 2026 standen nur 2,9 % der Eigentumswohnungen zum Verkauf, was im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt von 3,9 % recht niedrig ist.
Preisentwicklung und Bautätigkeit
Die Bautätigkeit? Nahezu zum Stillstand gekommen! In den letzten 12 Monaten wurden lediglich rund 20 Eigentumswohnungen bewilligt – der langfristige Durchschnitt liegt bei etwa 70. Auch bei Einfamilienhäusern sieht es nicht besser aus; die Angebotsquote beträgt nur 1,8 %. Wenn wir uns die Preise ansehen, ist die Luft hier ziemlich dünn: Eigentumswohnungen sind im ersten Quartal 2026 um satte 8,4 % im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen, während Einfamilienhäuser sich um 6,2 % verteuerten.
Neuwertige Einfamilienhäuser kosten je nach Gemeinde zwischen 1,2 Millionen Franken in Orten wie Oberegg und Schwellbrunn bis hin zu 1,9 Millionen Franken in Teufen. Und es scheint, als ob wir auch künftig mit einem Nachfrageüberhang rechnen müssen – die Neubautätigkeit bleibt gering, und somit wird die Preisdynamik voraussichtlich weiter anziehen, auch wenn sie nicht ganz so rasant wie in den Vorjahren sein dürfte.
Die makroökonomische Situation
Wenn wir einen Schritt zurücktreten und die größere wirtschaftliche Situation betrachten, wird das Bild noch komplexer. In den ersten vier Monaten 2023 sind netto knapp 10 % weniger Ausländer in die Schweiz eingewandert im Vergleich zur Vorjahresperiode. Dies könnte sich auf die Nachfrage am Wohnungsmarkt auswirken. Zudem ist die Zahl der offenen Stellen rückläufig, was bedeutet, dass wir bis Ende des Jahres wohl keine zusätzlichen Impulse für den Arbeitsmarkt erwarten können.
Energiepreise, die durch den Iran-Konflikt stark gestiegen sind, dämpfen die globale Konjunktur. Für die Schweiz wird zudem ein BIP-Wachstum von 0,9 % für 2026 prognostiziert – das ist weniger als die 1,4 % im Vorjahr. Aber es gibt Lichtblicke: In den nächsten zwei Jahren wird ein Anstieg der Bautätigkeit und mehr neu gebauten Wohnungen erwartet, nachdem ein Bewilligungsstau aufgelöst wird. Doch die Wohnungsproduktion bleibt strukturell zu niedrig, und die Angebotsquote im Mietwohnungsmarkt bleibt ebenfalls auf einem sehr tiefen Niveau.
Obwohl weniger Zuwanderung herrscht, wird aufgrund der unzureichenden Wohnungsproduktion und der aufgestauten inländischen Nachfrage keine Entspannung auf dem Mietmarkt erwartet. Man könnte sagen, die Mieten sind wie ein schwankendes Boot – die geringere Zuwanderung dämpft zwar die Preisdynamik, aber die aufgestaute Nachfrage und steigende Baukosten könnten die Mieten bald wieder in die Höhe treiben.
