In der malerischen Region zwischen Stein und Haslen, an der Kantonsgrenze von Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden, wird derzeit eine bedeutende ökologische Sanierung des Sitterwehrs durchgeführt. Mit einem klaren Ziel vor Augen – die Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fische und Geschiebe sowie die Verbesserung des Fischschutzes – setzt dieses Projekt Maßstäbe in der nachhaltigen Nutzung der Wasserkraft. Es ist ein Schritt in Richtung einer besseren Gewässerökologie, die nicht nur den Fischen, sondern auch der gesamten Natur zugutekommt.

Die Anwesenheit des Energiedirektors von Appenzell Ausserrhoden und des Bauherrn von Appenzell Innerrhoden unterstreicht die Wichtigkeit dieses Vorhabens. Die Wasserfassung des Sitterwehrs, die unterirdisch in den Gübsensee geleitet wird, spielt eine zentrale Rolle für das Kraftwerk Kubel. Aktuell ist der Fischaufstieg über das Wehr jedoch nicht möglich, was die Fischpopulationen und den Geschiebehaushalt erheblich beeinträchtigt. Ein Umstand, der nicht nur lokale Angler beschäftigt, sondern auch die Verantwortungsträger in der Umweltpolitik herausfordert.

Ökologische Durchgängigkeit im Fokus

Die Sanierung des Wehrs erfolgt im Einklang mit den Vorgaben des Gewässerschutzgesetzes, das Betreiber bestehender Wasserkraftanlagen verpflichtet, erhebliche Beeinträchtigungen der Gewässerökologie zu beheben. Dies ist nicht nur ein gesetzlicher Auftrag, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur ökologischen Gleichgewichtung. Querbauwerke wie Wehre dürfen die Durchgängigkeit für Fische und andere Gewässerlebewesen nicht wesentlich beeinträchtigen. Dies gilt besonders für die Nahrungsaufnahme, Laichzeit und Winterruhe der Fische, die in verschiedenen Abschnitten des Gewässers stattfinden müssen.

Im Rahmen des Projekts wird das bestehende Wehr in eine vertikal angeströmte Rechenfassung (Typ Coanda) umgebaut. Auf der rechten Uferseite entstehen eine Fischtreppe und ein Fischabstieg (Bypass), die es Bachforellen, Groppen und Barben ermöglichen, das Wehr ganzjährig zu passieren. Damit wird nicht nur die Fischpopulation gefördert, sondern auch der geschützte Lebensraum für diese Arten sichergestellt.

Nachhaltige Bauweise und Herausforderungen

Die Bauarbeiten sind auf eine Dauer bis Ende Januar 2027 angesetzt, wobei die Sitter in ein temporäres Umgehungsgerinne umgeleitet wird. Ab den Sommerferien wird die bestehende Wasserfassung außer Betrieb genommen, um die notwendigen Umbauten am Wehr und Betriebsgebäude durchzuführen. Die Baukosten belaufen sich auf rund 4 Millionen Franken und werden aus dem Netzzuschlagsfond finanziert. Um den Umwelt- und fischereirechtlichen Vorgaben Rechnung zu tragen, werden die Bauarbeiten mit besonderer Sorgfalt durchgeführt.

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Die Herausforderung bleibt, die Durchgängigkeit für die Wanderung der Fische zu gewährleisten. Während Fischaufstiegsanlagen existieren, ist der Schutz abwärts wandernder Fische eine komplexe Aufgabe. Hier sind innovative Techniken gefragt, die nicht nur den Fischschutz berücksichtigen, sondern auch die Fließgewässerdynamik und den natürlichen Feststofftransport nicht beeinträchtigen.

In Anbetracht der ökologischen und energetischen Anforderungen ist es entscheidend, dass die Wasserkraftnutzung im Einklang mit den ökologischen Zielen steht. Die Mindestwasserführung, die Lebensräume für Fischpopulationen sichert, muss ständig gewährleistet sein. Für bestehende Wasserkraftanlagen könnten Anpassungen erforderlich sein, die zwar Einbußen bei der Stromerzeugung zur Folge haben, jedoch für den guten Zustand der Gewässer unabdingbar sind.

Die Sanierung des Sitterwehrs ist somit nicht nur ein lokales Projekt, sondern ein Beispiel für die Herausforderungen, die mit der ökologischen Bewirtschaftung von Gewässern verbunden sind. Es zeigt auf, wie wichtig es ist, nachhaltige Lösungen zu finden, die sowohl die Energieversorgung sichern als auch die Gewässerökologie bewahren. Die Zukunft der Wasserkraft liegt also in der Balance zwischen Energiegewinnung und ökologischer Verantwortung.