In der kleinen Gemeinde Hundwil, Appenzell Ausserrhoden, hat sich kürzlich eine spannende Geschichte entfaltet, die sowohl Krimi-Fans als auch Geschichtsinteressierte in ihren Bann ziehen wird. Christian Johannes Käser, ein vielseitiger Autor, Schauspieler und Musiker, hat ein Krimi-Buch veröffentlicht, das einen fesselnden Blick auf die Ereignisse des Landsgemeinde-Tages vom 30. April 1989 wirft. An diesem bedeutsamen Tag versammelten sich die Menschen, um über das kantonale Stimmrecht für Frauen abzustimmen. Und da steht sie, die junge Karin Bendel, eine Kantonsschülerin voller Elan, die sich gegen die konservativen Ansichten ihres Vaters behaupten will. Es ist fast so, als ob sie die Zukunft der Frauen in ihren Händen hält – denn die Frage des Frauenstimmrechts steht auf der Tagesordnung. Wie ein Schatten der Geschichte wird sie Jahre später, genau dreißig Jahre nach diesen Ereignissen, tot am Ufer der Urnäsch aufgefunden.
Die Leiche der 48-jährigen Karin Äschermann, geborene Bendel, gibt Rätsel auf. Jock Kobel, Teamleiter der Fachgruppe Gewaltkriminalität der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden, übernimmt die Ermittlungen. Doch der Fall ist kompliziert, denn Kobel hat eine persönliche Verbindung zu Karin – sie hatten einst eine Affäre. Das wirft Fragen auf, und die Befangenheit ist spürbar. Wer war dieser Mann, der nun in seine alte Heimat zurückgekehrt ist und die Wahrheit über den Mord an seiner ehemaligen Geliebten herausfinden will?
Ein Krimi mit historischem Hintergrund
Der Mord an Karin könnte eng mit den damaligen politischen Umständen verknüpft sein. Am besagten Landsgemeinde-Tag waren die Bürger auf dem Dorfplatz in Hundwil versammelt, um darüber zu entscheiden, ob die Appenzeller Frauen, nach 18 Jahren nationalem Frauenstimmrecht, eine politische Stimme erhalten sollten. Diese Entscheidung war nicht nur eine Frage des Stimmrechts, sondern symbolisierte auch den Kampf um Gleichheit und Emanzipation. Karin war begeistert von der Idee, in die Politik zu gehen und sich für die Rechte der Frauen einzusetzen. Ein echter Aufbruch, könnte man sagen!
Käser hat sich mit seinem Buch „Appenzeller Abrechnung“ nicht nur der fiktiven Kriminalgeschichte gewidmet, sondern auch den historischen Kontext meisterhaft eingeflochten. In einer Lesung, die er kürzlich veranstaltete, brachte er die Zuhörer zum Schmunzeln und Nachdenken zugleich. Mit Gesang und Gitarrenspiel improvisierte er Geschichten, die ihm und seinem Publikum aus dem Herzen sprachen. So wurde der Abend nicht nur zum Genuss für die Ohren, sondern auch ein Fest für die Sinne – am Ende gab es Appenzeller Spezialitäten, die die Gäste in die kulinarische Welt der Region entführten.
Ein Blick auf die Frauenrechtsbewegung
Die Hintergründe des Frauenstimmrechts in der Schweiz reichen weit zurück. Die Französische Revolution von 1789 gilt als der Beginn der Frauenrechtsbewegung, auch hierzulande. In der ersten Bundesverfassung von 1848 wurde zwar die Rechtsgleichheit proklamiert, aber Frauen blieben außen vor. Es dauerte bis 1971, bis das Frauenstimmrecht in eidgenössischen Angelegenheiten mit 65,7 % Ja-Stimmen angenommen wurde – das ist, gelinde gesagt, ein ganz schön langer Weg für die Gleichstellung.
Die Geschichte von Karin Bendel ist mehr als nur ein Krimi; sie ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Kämpfe und Veränderungen. Während die Ermittlungen um ihren Mord weitergeführt werden, bleibt die Frage, wie viel Schatten die Vergangenheit auf die Gegenwart wirft und ob Jock Kobel die Antworten findet, die sowohl für ihn als auch für die Gemeinde von Bedeutung sind. Und während wir auf die Fortsetzung von Käser’s Werk warten, das „Appenzeller Mitternacht“ im Oktober erscheinen soll, bleibt die Hoffnung, dass die Wahrheit über Karin und ihr Schicksal ans Licht kommt.