Kollaps im Aargauer Gefängnissystem: Ein Teufelskreis aus Überbelegung und verjährten Strafen
Die Situation in den Gefängnissen des Kantons Aargau ist alles andere als rosig. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der inhaftierten Personen merklich erhöht. Per 31. März 2026 waren insgesamt 439 Menschen in den aargauischen Justizvollzugsanstalten untergebracht. Die Auslastung der Gefängnisse ist alarmierend hoch. Zum Beispiel verzeichnen die Bezirksgefängnisse in Zofingen, Baden und Kulm Auslastungsraten von 126 %, 117 % und 113 %. Diese kritischen Werte zeigen, dass die Einrichtung von Notbetten zur Regel geworden ist, um die hohe Nachfrage zu bewältigen.
Ein weiterer Punkt, der die Lage verschärft, sind die Ersatzfreiheitsstrafen. Diese Strafen werden oft verhängt, wenn Geldstrafen oder Bußgelder nicht bezahlt werden. Im Kanton Aargau sind es jährlich rund 4.800 Ersatzfreiheitsstrafen, die häufig nicht vollstreckt werden können, weil die Verurteilten unbekannt verzogen sind oder ihren Aufenthaltsort geheim halten. Rund 90 % dieser Strafen sind unter einem Jahr, und dennoch bleibt der Vollzug oft aus. Ein Teufelskreis!
Verjährung und Ausländeranteil
Ein weiteres besorgniserregendes Thema ist die Verjährung von Strafen. Im Jahr 2025 gab es 857 Fälle von verjährten Haftstrafen, was im Vergleich zu 2015 einen Anstieg darstellt. Es ist jedoch interessant zu wissen, dass im Aargau noch nie eine Strafe aufgrund fehlender Haftplätze verjährt ist. Das spricht dafür, dass die Justiz auch unter Druck steht, ihre Aufgaben zu erfüllen, trotz der hohen Belastung. Viele der inhaftierten Personen haben keinen Schweizer Pass – laut aktuellen Schätzungen liegt der Anteil ausländischer Gefangener zwischen 70 und 75 %.
Die Probleme im Justizvollzug sind nicht auf den Aargau beschränkt. Auch im Kanton Luzern wird mit einem Mangel an Gefängnisplätzen gekämpft. Dort plant man bereits Containerprovisorien, um die Situation zu entschärfen. Die Ersatzfreiheitsstrafen erlangen seit 2020 an Bedeutung, und die Verjährungsfristen, die drei Jahre für Geldstrafen und fünf Jahre für Bussen betragen, sorgen dafür, dass viele Fälle aus dem System fallen, ohne dass die Strafen vollstreckt werden.
Ein Blick in die Zukunft
Der Regierungsrat des Aargaus hat sich bereits zur Situation geäußert, und Politiker wie Nicole Heggli-Boder von der SVP äußern Bedenken über das Vertrauen in den Rechtsstaat. Es bleibt abzuwarten, wie die Behörden auf diesen Druck reagieren werden. Ein langfristiger Plan ist gefragt, um sowohl die Überbelegung in den Gefängnissen zu reduzieren als auch die Umsetzung von Ersatzfreiheitsstrafen zu optimieren. Die Herausforderung wird es sein, ein Gleichgewicht zwischen Strafvollzug und den Rechten der Verurteilten zu finden. Die Entwicklungen in den nächsten Jahren könnten entscheidend dafür sein, wie das Schweizer Justizsystem auf diese drängenden Probleme reagiert.
Für weiterführende Informationen über die Themen Kriminalität und Justizvollzug in der Schweiz sind die Statistiken des Bundesamtes für Statistik eine wertvolle Quelle: BFS Justizvollzug.
