Die Wohnungsnot im Kanton Zug ist seit geraumer Zeit ein heiß diskutiertes Thema. Man könnte fast meinen, es sei ein modernes Drama, das sich in einer der teuersten Regionen der Schweiz abspielt. Severin Hofer, ein Zuger Autor und Kulturschaffender, hat mit seiner „Verdrängungsinitiative“ einen Aufruf gestartet, der gleichermaßen für Erheiterung und Nachdenklichkeit sorgt. Die Idee? Menschen, die 20 Jahre in Zug gelebt haben, sollen beim Wegzug 20.000 Franken erhalten. Für viele klingt das absurd, doch für Hofer ist es ein ernstgemeinter Versuch, auf die Verdrängung von einkommensschwachen Haushalten aufmerksam zu machen.

Im Jahr 2025 verließen 5.423 Personen den Kanton Zug, wobei 3.429 von ihnen in andere Kantone abwanderten. Besonders nach Aargau und Zürich, in Orte wie Sins oder Knonau. Das zeigt, wie drängend das Problem ist. Hofer hat vom kantonalen Amt für Kultur eine „Carte Blanche“ erhalten, um seine Initiative umzusetzen. Am 30. Mai wurde diese dann auch in die Haushalte verschickt, doch der Rücklauf der Unterschriften bleibt bisher überschaubar. Hofer bleibt gelassen und plant, sich Zeit zu lassen – es gibt schließlich keine Sammelfrist.

Ein Blick auf die Hintergründe

Die Wohnungsnot hat tiefere Wurzeln. Der Kanton Zug, als Steueroase bekannt, sieht sich einem steigenden Druck ausgesetzt. Die wohnpolitische Strategie 2030 des Kantons versucht, dem entgegenzuwirken. Sie umfasst vereinfachte Bauvorschriften und eine Stärkung der Kreditvergabe der Zuger Kantonalbank. Doch während diese Maßnahmen in der Theorie gut klingen, bleibt die Frage, ob sie auch praktisch greifen werden.

Der Mieterinnen- und Mieterverband hat die Initiative als „völlig absurd“ bezeichnet. Präsident Carlo Sommaruga schlägt stattdessen vor, pro neu geschaffener gemeinnütziger Wohnung 20.000 Franken als nicht rückzahlbaren Zuschuss zu zahlen. Eine Idee, die vielleicht mehr Zustimmung finden könnte, da sie direkt auf die Schaffung von Wohnraum abzielt, anstatt Menschen für deren Abwanderung zu belohnen.

Die große Herausforderung der Wohnungsknappheit

Die Wohnungsknappheit ist ein weit verbreitetes Problem in der Schweiz. Von 2015 bis 2021 wuchs die Gesamtbevölkerung jährlich um etwa 64.000 Personen, und die Nachfrage nach Wohnungen stieg rasant – allein 29.000 neue Wohneinheiten werden jährlich benötigt. Doch der Wohnungsbestand wächst, wenn überhaupt, nur langsam. Im Jahr 2022, nach dem Ukraine-Krieg, stieg die Bevölkerung um 158.000 Personen, was den Druck weiter erhöhte.

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Besonders einkommensschwache Haushalte leiden unter dieser Situation. Der Wohnkostenanteil am Einkommen ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Rund 900.000 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, die oft preisgünstig sind, sind vom Verlust durch Renovierungen oder Neubauten bedroht. Dies führt zu einer Verdrängung von Menschen aus städtischen Zentren und einer zunehmenden Armut bei steigenden Wohnkosten.

Ein Ausblick auf die Zukunft

Die Herausforderungen sind enorm, und die Lösungen scheinen oft unzureichend. Die Frage bleibt, wie Kanton und Gemeinden mit dieser Wohnungsnot umgehen werden. Steht Zug vor einer schleichenden Entvölkerung seiner charmanten Altstadt? Oder finden sich kreative Ansätze, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zugleich die Lebensqualität der Bewohner zu sichern? Die Diskussion hat gerade erst begonnen und wird sicherlich noch viele interessante Wendungen nehmen.