In Zug, mitten in der malerischen Kulisse der Schweiz, tut sich etwas, das für viele nicht nur überraschend, sondern auch beunruhigend ist. Die Zuger Gesellschaft Novatek Gas & Power exportiert seit Jahren russisches Gas nach Europa – und das, obwohl die Sanktionen gegen Russland immer strenger werden. Es ist ein bisschen wie ein Schatten im Sonnenlicht: Man weiß, dass es da ist, aber viele tun so, als würde es nicht existieren. Mit einem Umsatz von rund 15 Milliarden Franken und einem Gewinn von knapp 2 Milliarden Franken im Jahr 2025 ist Novatek, der zweitgrößte Gasexporteur Russlands, kein kleines Licht. Und trotzdem bleibt die Frage: Warum ist das möglich?
Der Bundesrat hat am 25. April 2026 ein Verbot für den Einkauf von Flüssigerdgas aus Russland beschlossen, aber es gibt eine Übergangsfrist für bestehende Langzeitverträge bis Ende des Jahres. Die Taktik ist klar: Man möchte den Ausstieg aus der Abhängigkeit von russischem Gas ermöglichen, ohne sofortige wirtschaftliche Schäden zu verursachen. Sergey Gzhelyak, der Geschäftsführer der Zuger Niederlassung, hat enge Verbindungen zu Oligarch Gennadi Timtschenko, einem Teilhaber von Novatek. Timtschenko, ein ehemaliger Mitbesitzer des Rohstoffkonzerns Gunvor, ist in den Kreisen der Reichen und Mächtigen zu Hause und hat ein Vermögen von rund 24 Milliarden US-Dollar. Hier fragt man sich, wie viel Einfluss solche Verbindungen auf die Geschäfte in der Schweiz haben.
Die Hintergründe und die EU-Reaktionen
Die EU hat die Situation erkannt und plant ein vollständiges Importverbot für Flüssigerdgas (LNG) aus Russland, das auf Anfang 2027 vorgezogen werden könnte. Ein Schritt, der längst überfällig scheint, wenn man bedenkt, dass Russland den Krieg in der Ukraine durch Einnahmen aus dem Verkauf fossiler Brennstoffe finanziert. Dennoch gibt es bisher keine spezifischen Gas-Sanktionen, was die Situation für Unternehmen wie Novatek in der Schweiz nicht so kritisch erscheinen lässt, wie sie vielleicht sein sollte.
Es ist bemerkenswert, dass mehr als die Hälfte der Gaslieferungen aus Russland mittlerweile als LNG erfolgt. Im ersten Halbjahr 2025 importierte die EU LNG aus Russland im Wert von fast 4,5 Milliarden Euro. Die neuen Sanktionsvorschläge der EU, die unter anderem den Zugang zu EU-Kapitalmärkten für russische Banken und die Bekämpfung von Kryptowährungen vorsehen, könnten die Geschäfte von Novatek tatsächlich erschweren. Die EU-Außenminister haben sich bereits Ende August 2025 in Kopenhagen getroffen, um über Unterstützung für die Ukraine und neue Sanktionen zu diskutieren. In diesem Kontext ist der Druck auf Unternehmen wie Novatek größer denn je.
Kritiker bemängeln, dass Firmen wie Novatek den Schweizer Standort nutzen, um finanzielle Mittel für den Krieg in der Ukraine zu generieren. Über 10 Milliarden Franken hat Novatek in den letzten vier Kriegsjahren an den russischen Haushalt durch Gewinnsteuern abgeführt. Ein Skandal, der nicht nur die ethischen Grenzen des Wirtschaftens in der Schweiz infrage stellt, sondern auch die Frage aufwirft, inwieweit die Schweiz als Standort für solche Geschäfte noch tragbar ist.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Die Zeichen stehen auf Veränderung, und die Menschen hier in Zug – und nicht nur sie – schauen gespannt, aber auch besorgt auf die kommenden Monate. Denn die geopolitischen Spannungen sind nicht nur weit weg; sie sind ganz nah, direkt vor unserer Haustür.