In Zug gibt es immer wieder Überraschungen – und diesmal kam die Offenbarung mit einem alten, vergessenen Kunstwerk, das sich hinter den Wänden eines abgerissenen Hauses versteckte. Bei den Abrissarbeiten des Hauses Urania wurde eine 85-jährige Werbung für den Nähmaschinenhersteller Bernina sichtbar! Diese Reklame, ein Überbleibsel aus dem Jahr 1941, war einst stolz an der Nordfassade des Hauses Terminus zu finden.

Nach dem Anbau des Hauses Urania im Jahr 1948 blieb das Gemälde lange Zeit im Verborgenen. Doch nun, nach dem Abbruch, kann die große Fassadenmalerei wieder bewundert werden. Sie zählt zu den größten noch erhaltenen historischen Werbefassaden der Schweiz und ist ein eindrucksvolles Relikt aus der Blütezeit der Schweizer Werbegrafik in der Zwischenkriegszeit. Die Werbung war speziell für die Bahnreisenden am Bahnhof Zug gedacht und sollte deren Aufmerksamkeit auf die Nähmaschinen lenken. Komischerweise stieß die Werbung in der Zuger Stadtregierung auf Ablehnung und musste nachträglich angepasst werden – was für ein spannender Einblick in die damaligen gesellschaftlichen Normen!

Die Kunst der Werbung

Die Bernina-Reklame ist nicht nur ein schönes Stück Geschichte, sondern erinnert auch an die Entwicklung des Grafikerberufs in der Schweiz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierte dieser Beruf noch nicht wirklich. Künstler entwarfen Plakate und Zeitschriftentitel, während die Druckereien für die Layouts zuständig waren. Erst ab 1915 wurden in (Kunst-)Gewerbeschulen in Basel und Zürich erste Lehrgänge für «Angewandte Grafik» eingerichtet. Diese Initiativen führten zu Fachklassen für Grafik im dualen System – ein echter Schritt in die richtige Richtung!

Die Entwicklung eines modernen Grafikdesigns wurde auch von Organisationen wie dem Schweizerischen Werkbund (SWB) vorangetrieben, der 1913 gegründet wurde, um die Qualität einheimischer Produkte zu verbessern. In den 1920er-Jahren kam es zu einem Aufschwung funktionaler Industrieformen, und Grafiker wie Ernst Keller, der die Zürcher Grafikklasse leitete, prägten entscheidend das Gesicht der visuellen Kommunikation in der Schweiz.

Ein Blick in die Zukunft

Doch zurück zur Bernina-Werbung! Ihre Sichtbarkeit wird durch einen geplanten Neubau bald wieder eingeschränkt – ein weiteres Beispiel für den ständigen Wandel in urbanen Räumen. Solche Entwicklungen finden nicht nur in Zug statt. Ueli Kleeb, ein kreativer Kopf, hat auch in der Region zahlreiche Projekte initiiert. Von der mobilen Container-Ausstellung «Haettenschweiler: Schriften für die Welt, Logos für Zug» bis hin zur «Zuger Kirschtorten Meile», die 2015 zum 100-jährigen Jubiläum der Zuger Kirschtorte realisiert wurde – Kleeb hat die Landschaft der visuellen Kommunikation in Zug entscheidend geprägt.

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Das Zusammenspiel aus Tradition und Innovation in der Grafik ist spannend. Die Sichtbarkeit historischer Werbekunst wie der Bernina-Reklame zeigt, wie sehr die Vergangenheit in unsere Gegenwart hineinwirkt. Und während sich der Blick auf neue Gebäude und Projekte richtet, bleibt die Erinnerung an diese künstlerischen Schätze bestehen – ein Stück Geschichte, das uns alle verbindet und die Entwicklung einer grafischen Tradition nachzeichnet, die wir heute vielleicht als selbstverständlich ansehen.