Kunst, Feminismus und Träume: Die 1970er Jahre im Kunsthaus Zug
In Zug ist aktuell die Ausstellung «Die 1970er und Aarau» zu sehen, und sie bringt das besondere Flair dieser Dekade auf faszinierende Weise ins Kunsthaus. Klar, sie kann nicht alle Facetten der 1970er Jahre in der Kunst abdecken, aber sie tut ihr Bestes, um thematische Verbindungen zu schaffen. Da gibt es das frühe Aufblühen des Feminismus, vertreten durch Künstlerinnen wie Monika Dillier und Hannah Villiger, die mit ihren Arbeiten ein Stück Geschichte lebendig machen. Auch das Hard Edge, eine aufregende Strömung, wird durch Olivier Mosset und Willy Müller-Brittnau thematisiert. Und wer hätte gedacht, dass auch Konzeptkunst und performative Elemente ihren Platz finden? Von Heidi Bucher über Rosina Kuhn bis hin zu Urs Lüthi und Willy Spiller – die Vielfalt ist beeindruckend!
Das Kunsthaus Zug befindet sich allerdings in einer etwas heiklen Lage. Der im Vorjahr entlassene Direktor Matthias Haldemann wurde bis dato nicht ersetzt. Jana Bruggmann, die das Kunsthaus derzeit ad interim leitet, hat dennoch das Ziel, den Fokus auf die Kunst zu lenken – und nicht auf interne Querelen. Nach einer monographischen Ausstellung über Max von Moos dürfen wir uns nun auf die kommende Ausstellung «Träumende Dinge» freuen, die nahezu ausschließlich auf der hauseigenen Sammlung basiert. Diese Sammlung hat einen klaren Schwerpunkt im Schweizer Surrealismus, und man merkt, dass hier mit Bedacht und Leidenschaft kuratiert wurde.
Feministische Perspektiven und Träume
Besonders spannend ist, dass die Ausstellung einen klaren Fokus auf die Arbeiten von Künstlerinnen legt, und zwar ohne die Notwendigkeit, ständig rechtfertigende feministische Statements zu liefern. Das schafft eine Atmosphäre, die als spezifisch weiblich empfindbar ist. Das Thema «Traum» ist weit gefasst und bietet Raum für viele persönliche Interpretationen. Mit rund 20 Künstlerinnen, deren Werke offen für unterschiedliche Lesarten sind, wird die Vielfalt der künstlerischen Ansätze deutlich. Hannah Villigers Polaroid-Fotografien reflektieren beispielsweise das Körpererleben und die Rolle der Künstlerin in einer männerdominierten Welt. Meret Oppenheims berühmte Aussage über Kunstwerke als männlich und weiblich thematisiert nicht nur Gender-Debatten, sondern lädt auch zum Nachdenken ein.
Ein weiteres spannendes Projekt, das sich mit den 1970er Jahren auseinandersetzt, ist das digitale Archiv «Neue Frauenbewegung 2.0». Es bietet einen tiefen Einblick in die Geschichte der Neuen Frauenbewegung in der Schweiz, die in dieser Zeit für Gleichheit und Gerechtigkeit kämpfte. Hier finden sich nicht nur Interviews mit Aktivistinnen, sondern auch Berichte von Politikerinnen, Ärztinnen, Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen. Die Themen sind so vielfältig wie die Erfahrungen der Frauen selbst und reichen von interessanten und lustigen Anekdoten bis hin zu erschütternden Berichten. Besucher_innen können durch die Themen schmökern und ihr Wissen im Quiz zur Neuen Frauenbewegung testen – eine spritzige Möglichkeit, um mehr über diese wichtige Epoche zu erfahren!
Feministische Kunst im Kontext
Die 1970er Jahre gelten als Hochphase der feministischen Kunst – vor allem in den USA. Künstlerinnen wie Judy Chicago und Miriam Schapiro führten Programme ein, die weibliche Identitäten und Erfahrungen thematisierten. Ulrike Rosenbach prägte den Begriff „feministische Kunst“ im deutschsprachigen Raum, und Valie Export bezeichnete sich in dieser Zeit als „feministische Künstlerin“. Diese Bewegung war mehr als nur ein Trend; sie stellte gesellschaftliche Diskriminierung von Frauen in den Mittelpunkt und ermutigte Künstlerinnen, neue Ausdrucksformen zu finden. Ob Performance oder Body-Art – die Möglichkeiten schienen grenzenlos.
Zu den bekanntesten Ausstellungshighlights gehören «Womanhouse» (1972) oder «WACK! Art and the Feminist Revolution» (2007-2009). Diese Veranstaltungen zeigten nicht nur die Werke der Künstlerinnen, sondern auch ihren unermüdlichen Kampf gegen die männliche Vorherrschaft in der Kunstwelt. Feministische Kunst ist also nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern auch ein leidenschaftliches Plädoyer für Gleichheit und Gerechtigkeit. In einer Zeit, in der die Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit nach wie vor aktuell ist, bleibt die Bedeutung dieser Kunstbewegung ungebrochen.
