Inklusion im Fokus: Der Weg zu einem barrierefreien Arbeitsmarkt
Die zweite Zuger Inklusive Landsgemeinde, die unter dem Motto „Arbeit im Fokus, Inklusion im Zentrum“ stattfand, war ein echtes Zeichen für den Wandel, der notwendig ist, um Menschen mit Behinderungen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Bei dieser Zusammenkunft präsentierten die Betroffenen gleich drei Anliegen, die einen echten Unterschied machen könnten. Man merkt, dass es hier um mehr geht als nur um Zahlen oder politische Diskussionen – es geht um Menschen und ihre Rechte.
Das erste Anliegen, das zur Sprache kam, waren finanzielle Anreize für Arbeitgeber. Die Idee ist, dass Unternehmen für die nachweisbaren Mehrkosten, die durch die Anstellung von Menschen mit Behinderungen entstehen, entschädigt werden. Das zweite Anliegen betont die Notwendigkeit einer besseren Unterstützung bei der Stellensuche. Der Kanton soll sich auf Bundesebene für angepasste Rahmenbedingungen einsetzen und zusätzliche kantonale Angebote prüfen. Schließlich wurde auch die Vorbildrolle der öffentlichen Hand angesprochen: Mehr Menschen mit Behinderungen sollen in den öffentlichen Dienst eingestellt werden, mit klaren Zielvorgaben und regelmäßigen Berichten über die Beschäftigungssituation.
Ein starkes Zeichen für Inklusion
Der Kantonsratspräsident Stefan Moos sprach mit Nachdruck über den Handlungsbedarf und die Notwendigkeit, Arbeit für alle Menschen zugänglich zu machen. Und Landammann Andreas Hostettler wies auf die Bedeutung konkreter Maßnahmen hin – es reicht nicht, nur darüber zu reden. Die inklusive Landsgemeinde soll künftig alle zwei Jahre stattfinden, um den Austausch zwischen Menschen mit Behinderungen, Politik und Behörden zu gewährleisten. Das ist ein wichtiger Schritt, denn der Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren ist unerlässlich.
Leider zeigen aktuelle Studien, dass die Bereitschaft der Unternehmen, Menschen mit Behinderung einzustellen, nachlässt. Christina Marx hebt hervor, dass Inklusion in disruptiven Zeiten eine immense Chance für Unternehmen darstellt. Vielfältige Teams sind kreativer und resilienter. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und Fachkräftemangel sollten Firmen die Potenziale von Menschen mit Behinderungen nutzen. Es gibt diverse Unterstützungsangebote für Unternehmen, die bei der Einstellung helfen, sei es durch finanzielle Förderungen oder Beratungsprogramme zur barrierefreien Arbeitsplatzgestaltung.
Die Herausforderungen der Realität
Wenn man sich die Zahlen anschaut, wird klar, dass die Herausforderungen im Bereich der Inklusion noch groß sind. In Deutschland gibt es 2023 etwa 7,9 Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung, davon 3,1 Millionen im erwerbsfähigen Alter. Die Erwerbsquote von Menschen mit Schwerbehinderung lag 2022 bei 51,4 % – ein alarmierendes Zeichen, wenn man bedenkt, dass die Quote bei der Gesamtbevölkerung bei 79,4 % liegt. Es ist offensichtlich, dass hier noch viel Luft nach oben ist.
Die Arbeitsmarktsituation für Menschen mit Behinderungen ist oft ungleich. Junge Menschen haben es besonders schwer, während ein größerer Teil der Betroffenen im Verlauf ihres Lebens durch Krankheiten eine Behinderung erwirbt. Gerade hier sind barrierefreie Arbeitsumgebungen und staatliche Förderungen entscheidend, um die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. Und dennoch: Viele Unternehmen sehen keine geeigneten Bewerber:innen mit Schwerbehinderung. Ein Teufelskreis, der durchbrochen werden muss!
Ein inklusiver Arbeitsmarkt erfordert nicht nur gesellschaftliche Rahmenbedingungen, sondern auch das aktive Mitwirken der Unternehmen. Es ist an der Zeit, dass Arbeitgeber verstehen, wie wichtig es ist, den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Ob durch Digitalisierung oder durch innovative Ansätze – die Chancen sind da. Doch dafür braucht es echte Willenskraft und das Verständnis, dass Inklusion ein Gewinn für alle ist.
