Heute ist der 3. Mai 2026 und wir blicken zurück auf ein Kapitel in der Geschichte, das viele von uns noch immer bewegt. Vor mehr als 30 Jahren, am 14. April 1996, kam es in Deutschland zu einer spektakulären Aktion, die die Anti-Atomkraft-Bewegung in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Zehn Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl rief eine deutsche Anti-Atom-Initiative zur Aktion «Ausrangiert» auf. Ihr Ziel? Die Gleise zum Verladekran in Dannenberg zu demontieren, um einen Zug mit hochradioaktiven Atomabfällen an der Weiterfahrt zu hindern. Wer hätte gedacht, dass so viel Mut und Entschlossenheit in der Luft liegen würden?
Doch politisch blieb der Widerstand gegen den Transport der sogenannten «Castor»-Behälter, die für die Verfrachtung von verbrauchten Brennstäben aus Atomkraftwerken konzipiert sind, letztlich erfolglos. Niedersachsen war vertraglich verpflichtet, den Atommüll zurückzunehmen – ein Punkt, den die damalige Umweltministerin Angela Merkel immer wieder betonte. Und so kam es, dass der erste Castor-Transport bereits 1995 unter dem Vorzeichen heftiger Proteste und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei durchgeführt wurde.
Proteste und Widerstand
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg war nicht allein in ihrem Kampf. Sie plante Aktionen des zivilen Ungehorsams, um die Sicherheitskosten für den Transport zu erhöhen. Am Tag vor der großen Aktion wurde jedoch ein Demonstrationsverbot rund um den Kran erlassen. Die Polizei und der Bundesgrenzschutz mobilisierten ein Großaufgebot und vertrieben rund 2000 Aktivisten – ein brutaler Einsatz, der viele Menschen veranlasste, sich noch entschlossener gegen die Atomkraft zu positionieren.
Und zwei Tage nach der Aktion versammelten sich erneut Hunderte an den «Castor-Gleisen» zum sogenannten «Feierabendsägen». Die Intensität der Proteste war spürbar, und der umstrittene Transport passierte Anfang Mai 1996 die deutsch-französische Grenze unter dem Schutz von 15.000 Beamten. Die genauen Details zur Reiseroute blieben geheim, während die geschätzten Kosten für diesen Transport bei 50 Millionen Mark lagen. Auf den letzten Kilometern kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der Polizei, die in einer regelrechten Chaossituation endeten.
Eine Bewegung, die nicht verstummte
Im Jahr 2011 fand schließlich der 13. und letzte Castor-Transport mit Atommüll aus La Hague nach Gorleben statt. Auch hier begleiteten 19.000 Polizisten und zehntausende Atomkraftgegner den Transport, der fünf Tage dauerte. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima im selben Jahr führte zu einem tiefgreifenden Umdenken in Deutschland. Die Regierung unter Kanzlerin Merkel beschloss den Atomausstieg, und bis 2023 gingen die letzten drei Kernkraftwerke vom Netz. Ein echter Wendepunkt!
Die Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland hat ihre Wurzeln in den 1970er Jahren. Damals begann der Widerstand gegen die zivile Nutzung der Kernenergie. Was als lokale Proteste begann, entwickelte sich schnell zu einer starken und kontinuierlichen Bewegung, die bis heute anhält. Sie vereint Einzelpersonen, Organisationen und Gruppen, die sich vehement gegen die Nutzung der Atomkraft aussprechen – nicht nur in Deutschland, sondern auch international.
https://www.nau.ch/politik/international/atomgegner-hindern-zug-mit-radioaktiven-abfallen-an-der-durchfahrt-67124750
https://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Atomkraft-Bewegung_in_Deutschland