In der aktuellen politischen Diskussion in der Schweiz wird die Rolle der Zuwanderung immer drängender. Die SVP hat sich mit ihrer neuesten Initiative ins Rampenlicht gedrängt. Sie beschreibt die Zuwanderung als „masslos“ und macht sie verantwortlich für eine Reihe von Problemen, die viele Menschen betreffen – von steigenden Mietpreisen über volle Züge bis hin zu einem angeblichen Anstieg der Kriminalität. Ein Satz, der wie ein rotes Tuch wirkt, ist „Uns ist die Kontrolle entglitten“. Was für eine Rhetorik! Der Eindruck, den die SVP damit hinterlässt, ist klar: Hier wird eine Politik der Kontrolle über Migration angestrebt.
Doch das ist nicht alles. Die Initiative könnte auch weitreichende Konsequenzen für die Grund- und Menschenrechte haben. Insbesondere das Recht auf Familie für Migrantinnen und Migranten steht auf der Kippe. Interessanterweise gibt es historische Bezüge zu diesem Thema. Bereits 1970 wurde mit der Schwarzenbach-Initiative von „Überfremdung“ gesprochen, und in den Jahren 2014 von „Masseneinwanderung“. Nun, 2026, scheint sich die Diskussion um eine „10-Millionen-Schweiz“ zu drehen. Diese Kontinuität in der Nutzung populistisch-rassistischer Begriffe zeigt, wie tief verankert solche Ängste in der politischen Landschaft sind. Die Verknüpfung von Migration mit Umweltschutz und die Zuschreibung von Problemen wie Verstädterung und Ressourcenknappheit an Migrantinnen und Migranten sind ebenso Teil dieser Strategie.
Ein Blick nach Deutschland
Ein Blick über die Grenze nach Deutschland könnte aufschlussreich sein. Deutschland hat sich seit 1991 als Einwanderungsland etabliert, mit mehr Zuzügen als Fortzügen, abgesehen von den Krisenjahren 2008 und 2009. Die Nettozuwanderung ist in den meisten Jahren positiv, vor allem in Zeiten mit vielen Schutzsuchenden, wie etwa aus Afghanistan oder Albanien. Die Gründe für Migration sind vielseitig: Schutz vor Krieg, familiäre Aufenthaltszwecke, Erwerb und Bildung – all das spielt eine Rolle.
Aktuell leben in Deutschland rund 21,2 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte, was etwa 30,4% der Bevölkerung ausmacht. Und hier wird’s spannend: Die Bedeutung der EU-Binnenmigration nimmt seit 2015 ab. Die EU-Bürger:innen sind nicht mehr die größte Gruppe unter den neu zuziehenden Migrant:innen. Über 5,3 Millionen ausländische Staatsangehörige benötigen keinen Aufenthaltstitel – hauptsächlich EU-Bürger:innen. Ein Blick in die Statistiken zeigt, dass 2024 fast 300.000 Einbürgerungen stattfanden, ein Anstieg, der vor allem durch syrische Staatsangehörige bedingt war. Die Hürden für Einbürgerungen wurden gesenkt – es sind nun fünf Jahre Aufenthalt notwendig, und die bisherige Staatsangehörigkeit muss nicht aufgegeben werden.
Die Wanderungsstatistik und ihre Tücken
Was die Datenlage betrifft, wird ab 2025 die Cell-Key-Methode zur Geheimhaltung in der Wanderungsstatistik angewandt. Bei dieser Methode werden Fallzahlen leicht verändert und mit einem „Überlagerungswert“ versehen. Das klingt kompliziert, ist es auch! Die veröffentlichten Ergebnisse können von der tatsächlichen Zahl abweichen. Alle innerdeutschen Umzüge sowie Zu- und Fortzüge ins Ausland fließen in diese Statistik ein. Jeder Umzug wird gezählt, auch wenn jemand innerhalb eines Berichtsjahres mehrmals umzieht. Vorläufige Ergebnisse sind in der Regel dreieinhalb Monate nach dem Berichtsmonat verfügbar – aber die endgültigen Zahlen können sich bis Juli des Folgejahres noch ändern.
Es ist erstaunlich, wie sehr die Zahlen und Statistiken die Wahrnehmung von Migration beeinflussen können. Die komplexe Realität hinter den Daten wird oft übersehen, und das führt zu Missverständnissen und Ängsten in der Gesellschaft. Lassen wir uns nicht von populistischen Rhetoriken leiten, sondern versuchen wir, das Thema Migration differenziert zu betrachten. Schließlich sind es Menschen, die hinter diesen Zahlen stehen – mit Geschichten, Hoffnungen und Träumen. Und darauf kommt es an.