Heute ist der 19.05.2026, und während die Sonne über Zürich aufgeht, sehen wir uns die aktuellen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt an. Eine neue Sotomo-Studie hat die Diskussion um Verdrängung und Neubauten in der Stadt neu entfacht. Die Zürcher Handelskammer hat die Studie in Auftrag gegeben, und die Ergebnisse sind tatsächlich verblüffend. Es gibt jede Menge zu bedenken, und die Zahlen sprechen eine klare Sprache.
Die Studie zeigt, dass Verdrängung in Zürich überschätzt wird. Trotz der enormen Zahl von 16’029 Leerkündigungen zwischen 2016 und 2024 – das ist schon eine Hausnummer! – ist die Zahl der Leerkündigungen im Zeitverlauf nicht gestiegen. Und das ist nicht alles: Die Umzugs- und Wegzugsquoten in den großen Schweizer Städten sind seit Jahren stabil. In Zürich ist die Wegzugsquote sogar leicht gesunken, was viele überraschen könnte. Wer also denkt, dass die Menschen scharenweise aus der Stadt fliehen, liegt offenbar falsch.
Neubauten stabilisieren die Quartiere
Ein bemerkenswerter Punkt der Studie ist, dass Neubauten tatsächlich zur Stabilisierung der Quartiere beitragen. Wenn zwei Wohnungen abgerissen und fünf neue gebaut werden, entsteht mehr Wohnraum. Das klingt logisch, oder? Vor allem für junge Erwachsene und Familien, die häufig aus einem Umkreis von weniger als 5 km umziehen. Spannend ist auch, dass die Belastung für den Mittelstand in den letzten 20 Jahren gesunken ist – die Ober- und Mittelschicht zahlt nicht mehr als 25% ihres Einkommens für Wohnen. Geringverdiener hingegen haben es schwerer: Sie geben etwa 30% ihres Einkommens für Wohnkosten aus, ein Viertel sogar 40% oder mehr. Das ist schon ein ganz schöner Brocken!
In Zürich sind die Bedingungen für Familien mit Kindern besser als in Genf. Während in Genf 42% der Familien mit Kindern unter 15 Jahren in zu kleinen Wohnungen leben, sind es in Zürich „nur“ 23%. Doch die Frage bleibt: Wie lange können wir uns das noch leisten? Die Studie zeigt, dass Totalsanierungen zu höheren Mieten führen und damit Verdrängung verstärken – ohne neuen Wohnraum zu schaffen. Ein Teufelskreis, den wir unbedingt durchbrechen müssen.
Politische Vorgaben und Initiativen
Am 14. Juni 2026 wird der Kanton Zürich über drei wohnpolitische Vorlagen abstimmen, darunter die Wohnungsinitiative von Grünen, SP und AL. Diese Initiative möchte, dass der Kanton stärker in den Wohnungsmarkt eingreift, was von den Bürgerlichen vehement abgelehnt wird. Die Handelskammer hat die Initiative „Fürschi Züri“ ins Leben gerufen, um einen sachlichen Beitrag zur Diskussion zu leisten. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich diese Auseinandersetzung entwickeln wird.
Die Studie hat auch einen interessanten Vergleich zwischen Zürich und Genf angestellt. Hier zeigt sich, dass die Quartierdynamik in Zürich größer ist als in Genf. Das bedeutet, dass mehr Menschen im Quartier bleiben können, was wiederum der Gemeinschaft zugutekommt. Aber die Definition von „Verdrängung“ bleibt in der Studie unklar, und soziale Entwurzelung wird nicht erfasst. Das ist ein Aspekt, den man nicht einfach ignorieren kann.
Der Direktor der Zürcher Handelskammer hat die Verlässlichkeit der Datenanalyse betont – und das ist wichtig, wenn wir über so sensible Themen sprechen. Die Erkenntnisse der Sotomo-Studie könnten den Schlüssel zu einer besseren Wohnsituation in Zürich liefern, doch ob die Politik bereit ist, diese Erkenntnisse zu nutzen, bleibt abzuwarten. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen den Interessen der verschiedenen Gruppen – und die Frage, wie wir alle miteinander leben wollen.