Heute ist der 13.06.2026 und in Zürich brodelt es. Am 14. Juni wird die Schweizer Bevölkerung über die sogenannte «10-Millionen-Initiative» der SVP abstimmen. Ein Thema, das die Gemüter erhitzt und für Gesprächsstoff sorgt, denn die versprochenen Lösungen scheinen nicht ganz so einfach zu sein, wie es die SVP propagiert. Weniger Dichtestress, mehr Platz auf den Straßen – klingt erst einmal gut, oder? Aber Mobilitätsexperte Thomas Hug-Di Lena sieht das Ganze mit einer gehörigen Portion Skepsis. Er glaubt nicht, dass diese Initiative wirklich den Verkehr auf Zürcher Straßen verringern wird. Stattdessen sollte der Fokus nicht auf einem Einwanderungsstopp liegen, denn das wird das Problem nicht lösen.

Er zieht eine Statistik zurate: In den letzten 20 Jahren ist die Schweizer Bevölkerung um 22% gewachsen, während der Autobestand um satte 33% zugenommen hat. Komisch, oder? Das zeigt, dass die Stadt Zürich trotz des Wachstums sogar weniger Autos hat. Und es sind oft nicht die Neuankömmlinge, die die Autobahnen verstopfen, sondern alteingesessene Pendler. Die Neuwagen sind breiter geworden, mit SUVs, die über die Hälfte der Neuzulassungen ausmachen, und das vor allem bei Schweizer:innen. Die Pendelstrecken haben sich auch verlängert – Einfamilienhäuser im Grünen sind einfach verlockend. Und während die Schweiz eines der dichtesten Autobahnnetze weltweit hat, stehen die Autofahrer täglich an denselben Stellen im Stau.

Die Verkehrswende in Zürich

Doch damit nicht genug. Neben der SVP-Initiative gibt es auch die «Verkehrswende»-Initiative, die eine drastische Reduzierung des Autoverkehrs in der Stadt fordert. Diese Initiative wurde am 28. April 2023 lanciert und die Unterschriftensammlung begann am 1. Mai 2023 – ein spannender Schritt in die richtige Richtung, finden viele. Ausnahmen für Gewerbe, öffentlichen Verkehr und Blaulichtorganisationen sind vorgesehen. Die politischen Lager sind sich hier allerdings nicht einig: Während SP und Grüne Sympathien für die Initiative zeigen, äußern EVP, FDP und SVP Bedenken. Man fragt sich, ob die Stadt Zürich wirklich ein großflächig autofreies Gebiet schaffen kann.

Oliver Heimgartner von der SP findet die Initiative sympathisch, sieht aber noch Klärungsbedarf. Roland Hohmann von den Grünen hält die Initiative für wichtig, um die Stadt qualitativ weiterzuentwickeln, hat allerdings wenig Hoffnung auf Erfolg. Sandra Gallizzi von der EVP kritisiert die Initiative als schwammig und unklar, während Përparim Avdili von der FDP sie als Mobilitäts-Stillstands-Initiative bezeichnet. Samuel Balsiger von der SVP ist sogar der Meinung, dass die Initiative rechtsstaatlich nicht haltbar ist. Da fragt man sich, wie es weitergeht.

Ein Aufruf zur Veränderung

Hug-Di Lena hat einen klaren Appell: Wenn wir wirklich etwas ändern wollen, müssen wir unser eigenes Verhalten überdenken. Der Ausbau der Velo-Infrastruktur, kürzere Pendelstrecken – das sind die Themen, die jetzt auf den Tisch gehören. Die Debatte um die Millionengrenze wird als Jammern in die falsche Richtung angesehen, solange keine eigenen Veränderungen stattfinden. Es ist ein Aufruf zur aktiven Teilnahme und zur Veränderung im eigenen Lebensstil. Die Frage bleibt: Sind wir bereit, diesen Schritt zu wagen, oder werden wir weiterhin in alten Mustern verharren?

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Die Diskussion um die Zukunft des Verkehrs in Zürich wird weiterhin spannend bleiben. Ob die Initiativen letztendlich den gewünschten Effekt haben werden, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Der Verkehr wird uns noch lange beschäftigen – und es liegt an uns, wie wir damit umgehen.