Das ehemalige Kinderspital in Zürich-Hottingen steht seit anderthalb Jahren leer und sorgt damit nicht nur für leere Gebäude, sondern auch für leere Worte in der politischen Debatte. Die Parteien AL, Grüne und SP fordern energisch den Kauf des Areals vom Kanton, um dort günstigen Wohnraum und Gewerbeflächen zu schaffen. Ein Vorhaben, das nicht nur Sinn macht, sondern auch dringend notwendig ist.

Das Bettenhaus von 1968 soll abgerissen werden, und der Kanton hatte einst große Pläne für das Gelände: ein neues Zentrum für Zahnmedizin (ZZM). Doch die Umsetzung dieser Pläne ist unklar, und die Verhandlungen über den Landerwerb sind derzeit ins Stocken geraten. Mischa Schiwow von der AL hebt den dringenden Bedarf an Alterswohnungen in der Stadt hervor. In einer Zeit, in der bezahlbarer Wohnraum eine Rarität ist, wirkt das ZZM-Projekt fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

Ein Ort für alle

Die Situation wird noch komplizierter, denn der Kantonsrat hat bereits temporäre Wohnungen für Studierende oder Geflüchtete gefordert. Der Regierungsrat hat jedoch klargestellt, dass Zwischennutzungen zwar möglich, aber aufwendig sind. Eine Petition der „IG Kispi Hottingen“ wurde über 1800 Mal unterschrieben und fordert, das ZZM-Projekt aufzugeben und das Areal neu zu betrachten. Hier wird deutlich, dass die Menschen vor Ort eine klare Vision haben: Sie wollen, dass dieses Areal nicht nur eine leere Hülle bleibt, sondern ein lebendiger Ort für alle wird.

Die Motionäre argumentieren, dass das Areal weitgehend schadstoffsanierte Fläche bietet und der Flächenbedarf für das ZZM nicht mehr besteht. Der Stadtrat steht nun in der Verantwortung, dem Gemeinderat einen Kaufvorschlag zu unterbreiten. Die links-grünen Fraktionen schlagen vor, die älteren, denkmalgeschützten Gebäude zu erwerben und sie in preisgünstige Wohnungen sowie Räume für Kleingewerbe umzuwandeln. Es ist ein mutiger Vorschlag, der bis Ende des Jahres im Parlament behandelt werden muss. Sollte es eine Mehrheit geben, hat der Stadtrat zwei Jahre Zeit, um einen Beschluss auszuarbeiten.

Der Kampf um Wohnraum

Doch warum ist das alles so wichtig? In Zürich wird bezahlbarer Wohnraum zunehmend rar, und das, obwohl die Stadt zu den wohlhabendsten der Welt zählt. Laut Raiffeisen Bank sind die Mieten im zweiten Quartal 2024 um 6,4% gestiegen – die höchste Zunahme seit 30 Jahren! Wenn man bedenkt, dass eine 3½-Zimmer-Wohnung in Zürich-West bis zu 8100 Franken kosten kann, wird der Druck auf die Stadt immer größer. Es ist, als würde man sich in einem Wettlauf gegen die Zeit befinden – und die Zeit scheint nicht auf Seiten der einkommensschwächeren Bevölkerung zu sein.

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Die Gentrifizierung, ein Wort, das in aller Munde ist, führt zur Verdrängung von weniger wohlhabenden Menschen durch Besserverdienende. Die Stadt hat in den letzten 20 Jahren massive städtebauliche Veränderungen durchlaufen, die private Investoren anziehen – und mit ihnen die Mieten. Gentrifizierung lässt sich in fünf Phasen unterteilen: Pionierphase, Mittelschichtansiedlung, Investitionen, Aufwertung und schließlich Verdrängung. Zürich-West hat bereits die ersten drei Phasen durchlaufen und befindet sich nun mitten in der vierten Phase. Die Frage bleibt, wie die Stadt mit diesen Entwicklungen umgehen will und ob es wirklich möglich ist, die Lebensqualität für alle Bewohner:innen zu verbessern.

Eines ist sicher: Die Diskussion um das ehemalige Kinderspital in Zürich-Hottingen ist nur der Anfang eines viel größeren Themas, das die Stadt in den kommenden Jahren beschäftigen wird. Der Druck auf den Wohnungsmarkt wächst, und es liegt an der Politik, Lösungen zu finden, die sowohl sozial gerecht als auch nachhaltig sind. Die Zeit drängt – und die Menschen in Zürich warten auf eine Antwort.