In Zürich, wo die Straßen Geschichten erzählen, wurden kürzlich sechs neue Stolpersteine gesetzt. Diese kleinen Messingtafeln, die in den Gehweg eingelassen sind, erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und des Holocaust. Jedes Steinchen trägt den Namen und ein paar Daten der Verstorbenen, die wie ein Schatten über der Geschichte schweben. Am Donnerstag war es wieder soweit, der Verein Stolpersteine Schweiz hat mit viel Hingabe und Respekt diese Gedenkstätte für die Erinnerung an die Vergangenheit installiert.
Unter den neuen Stolpersteinen ist der Name von Rosa Sticki-Makow, die während des Zweiten Weltkriegs zusammen mit ihren Töchtern nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Solche Geschichten, die so erschütternd sind, geben einem zu denken. Man kann nicht anders, als beim Hinschauen in Erinnerungen zu schwelgen und sich vorzustellen, was für ein Leben sie hatten. Die Idee der Stolpersteine, die der deutsche Künstler Gunter Demnig in den 1990er Jahren ins Leben rief, ist ein eindringlicher Versuch, die Namen derer zurückzugeben, die in der Dunkelheit des Vergessens verloren gegangen sind.
Erinnerung in der Schweiz
In der Schweiz gibt es mittlerweile etwas mehr als 50 Stolpersteine, die ersten wurden 2013 in Kreuzlingen verlegt. Es ist ein bemerkenswerter Schritt, um die Opfer zu ehren, die einen Teil ihres Lebens hier verbracht haben. Stolpersteine findet man vor allem an den ehemaligen Wohn- oder Arbeitsorten der Opfer in Städten wie Zürich, Basel und Winterthur. Der Verein Stolpersteine Schweiz entscheidet, wessen gedacht wird, basierend auf Vorschlägen von Regionalgruppen und Privatpersonen.
Die Zahl der Stolpersteine ist beeindruckend – über 110.000 sind europaweit bereits verlegt worden. In Deutschland gibt es sogar über 100.000, verteilt auf 29 Länder. Doch nicht alle sind mit dem Konzept einverstanden. Kritiker in einigen Städten und Ländern sehen die Stolpersteine als unangemessen oder als ein symbolisches Tretens der Opfer. Charlotte Knobloch, die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, gehört zu denjenigen, die diese Sichtweise vertreten. Sie spricht von einer Missachtung der Gedenkkultur.
Ein kreatives Gedenken
Gunter Demnig selbst möchte mit seinen Stolpersteinen den Opfern ihre Namen und Erinnerungen zurückgeben. Ein Beispiel ist der Stolperstein für Esther Glanz, die 1942 deportiert und in Majdanek ermordet wurde. Stolpersteine gedenken nicht nur Juden, sondern auch politisch Verfolgten, Roma, Sinti, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Opfern der Euthanasie. Es sind kleine, quadratische Gedenksteine, die mit einem Messingschild versehen, in die Gehwege eingelassen werden – immer mit der Hoffnung, dass Passanten innehalten und sich erinnern.
Jeder Stolperstein kostet etwa 120 Euro, und die Finanzierung erfolgt durch Spenden und Patenschaften. Ein bisschen wie ein gemeinschaftliches Projekt, das uns alle einlädt, Verantwortung zu übernehmen. An Gedenktagen, wie dem 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, finden Putz-Aktionen statt, um die Steine zu reinigen und die Erinnerung wachzuhalten. Es ist eine Art der aktiven Teilnahme, die ebenfalls ein starkes Zeichen setzt.
Die App „Stolpersteine Deutschland“ bietet Informationen zu über 40.000 Gedenksteinen in Deutschland, und es gibt einen jährlichen Gedenktag für die Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden am 27. Januar. All diese Initiativen zusammen ergeben ein großartiges Netzwerk, um die Geschichten, die hinter den Namen stehen, lebendig zu halten. Erinnern – das ist nicht nur eine Pflicht, sondern auch eine Möglichkeit, um die Würde der Verstorbenen zu ehren.