Kitas im Wandel: Ein Jahr Praktikum – Chance oder Hürde für die Zukunft?
Heute ist der 23.06.2026, und in Zürich brodelt es gewaltig in den Kindertagesstätten. Das Zürcher Parlament hat sich auf die Fahnen geschrieben, der „Generation Praktikum“ den Kampf anzusagen. Hinter diesem Begriff verbergen sich viele Jugendliche, die sich um Lehrstellen in Kitas bemühen, aber oft einfach keine Erfahrung in der Kinderbetreuung vorweisen können. Und das, obwohl sie für eine Lehrstelle häufig erst mal mehrere Praktika absolvieren müssen – ganz schön frustrierend! Praktikanten können zwar dem Betreuungsschlüssel angerechnet werden, was eine Art Anreiz für Kitas schafft, sie länger zu beschäftigen. Doch das hat seine Grenzen. Die Kommission für Bildung und Kultur des Kantonsrats hat jetzt einen Antrag eingebracht, der die Anrechnung dieser Praktikanten auf maximal ein Jahr begrenzen soll.
Nach diesem Jahr müssen die Praktikanten entscheiden, ob sie eine Ausbildung zur Fachfrau Betreuung (Fabe) anstreben. Laut einer Längsschnittanalyse des Bundesamtes für Statistik war die Lage 2015 noch düster: Nur 13% der Jugendlichen konnten direkt nach der Schule eine Lehre beginnen. Über die Hälfte suchte ein Jahr nach einem Ausbildungsplatz, und 25% mussten sogar zwei Jahre warten. Das zeigt, wie drängend das Problem ist.
Ein neuer Weg für Kitas
Die Bildungsdirektorin Silvia Steiner hat darauf hingewiesen, dass der Anteil der Praktikantinnen in Zürcher Kitas von 17% im Jahr 2018 auf 11% gesunken ist. Das ist nicht nur eine Zahl, das ist ein Zeichen. Es ist Konsens, dass Kitas Verantwortung für die Ausbildung von Berufseinsteigern übernehmen müssen. Der Regierungsrat unterstützt den Antrag, Praktika auf maximal ein Jahr zu begrenzen. Eine Minderheit der Kommission war sogar der Meinung, dass Praktikanten gar nicht mehr als Betreuungspersonen angerechnet werden sollten. Doch das Parlament hat mit 118 zu 54 Stimmen für die Änderung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes gestimmt. Ein richtiger Schritt, wie viele meinen. Nach dem Jahr müssen die Kitas den Praktikanten eine Lehrstelle anbieten, um deren Arbeit weiterhin anrechnen zu können.
Und während wir in Zürich über diese Themen diskutieren, werfen wir doch mal einen Blick über die Grenze nach Deutschland. Hier ist die Situation beim Personalschlüssel in Kitas ähnlich komplex. Der Betreuungsschlüssel variiert stark zwischen den Bundesländern, was sich wie ein föderaler Flickenteppich anfühlt. Ein Kind in Baden-Württemberg wird rechnerisch von fast doppelt so viel Personal betreut wie ein Kind in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist nicht nur eine Zahlenspielerei – die Fachkraft-Kind-Relation ist entscheidend für die Qualität der Betreuung. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt eine Relation von 1:3 für den U3-Bereich und 1:7,5 für Ü3. Es ist erschreckend, dass nur wenige Bundesländer diese Werte tatsächlich erreichen. Oft ist die Realität noch viel schlechter, da Ausfallzeiten und andere Faktoren die Situation weiter verschärfen.
Der Weg zur Verbesserung
Die Personalverordnung von 2024 schafft immerhin mehr Flexibilität bei der Anstellung von Fachkräften und Ergänzungskräften. Das Kita-Qualitätsgesetz stellt den Bundesländern rund 8 Milliarden Euro zur Verfügung, um die Qualität in Kitas zu verbessern. Doch oft bleiben die gesetzlichen Vorgaben – so gut sie auch gemeint sind – in der Praxis auf der Strecke, was zu Unterbesetzungen führt. Hier brauchen wir dringend Lösungen, die nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern auch im Alltag ankommen.
Die Herausforderung für die Kitas in Zürich und Deutschland ist groß. Es geht um Verantwortung, Ausbildung und vor allem um die Qualität der Betreuung für unsere Kleinsten. In einer Zeit, in der immer mehr Kinder in Kitas betreut werden, ist es unerlässlich, dass wir uns gemeinsam um eine nachhaltige Lösung bemühen. Die Entwicklungen in Zürich sind ein Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Situation weiterentwickeln wird und welche Impulse aus diesen Diskussionen hervorgehen.
