Sturm über den Alpen: Die schismatische Weihe der Piusbruderschaft im Wallis
Im Wallis, wo die Alpen majestätisch aufragen und das Leben in einem ruhigen Rhythmus pulsiert, hat sich ein Sturm zusammengebraut. Am Mittwoch, dem 1. Juli 2026, wurden dort, trotz eines klaren Verbots aus Rom, vier Bischöfe geweiht. Diese Zeremonie, die von Bischof Alfonso de Galarreta aus Spanien geleitet wurde, hat nicht nur für Aufregung gesorgt, sondern auch für heftige Konsequenzen. Der Vatikan hat umgehend die Exkommunikation von sechs Beteiligten an diesen unerlaubten Weihen bestätigt. Darunter sind nicht nur die vier frisch geweihten Bischöfe – Pascal Schreiber aus der Schweiz, Michael Goldade aus den USA sowie Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier aus Frankreich – sondern auch der in der Schweiz ansässige Bischof Bernard Fellay. Ein klarer Schnitt.
Die Exkommunikation, die diese Geistlichen nun betrifft, bedeutet den Verlust aller kirchlichen Ämter und Würden. Eine ganz schön harte Strafe, könnte man sagen. Der Vatikan hatte bereits mehrfach deutlich gemacht, dass eine Weihe ohne die Zustimmung des Papstes zu einem automatischen Kirchenausschluss führt. Das ist nicht einfach nur ein formeller Akt, das hat tiefgreifende Auswirkungen auf das spirituelle Leben der Betroffenen und ihrer Anhänger. Die Piusbruderschaft, die 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet wurde und als erzkonservativ gilt, lehnt viele der zentralen Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Darunter fällt etwa die Messe in Landessprachen und der Dialog mit anderen Religionen.
Ein schismatischer Akt
Der vatikanische Brief, der die Exkommunikation bestätigte, bezeichnete die Weihe als „Akt schismatischer Natur“. Dies ist kein leichtfertiger Vorwurf. Kardinal Víctor Manuel Fernández stellte klar, dass auch Laien, die der Bruderschaft angehören, als schismatisch und damit ebenfalls exkommuniziert gelten. Was bedeutet das für die Gläubigen, die sich mit den Piusbrüdern identifizieren? Sie stehen nun vor der Frage, ob sie weiter in einer Gemeinschaft bleiben, die den Bruch mit der offiziellen Kirche sucht.
Die Spannungen zwischen dem Vatikan und der Piusbruderschaft sind nicht neu. Bereits 1988 hatte Lefebvre, gegen den Willen von Papst Johannes Paul II., vier Bischöfe geweiht und wurde daraufhin exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob 2009 diese Exkommunikation zwar auf, jedoch kam es nie zu einer theologischen Einigung. Es ist ein schillerndes Kapitel in der Kirchengeschichte, das sich weiterhin entfaltet. Es wird immer deutlicher, dass die Piusbruderschaft und ihre Anhänger sich in einem tiefen Glaubenskonflikt befinden, der durch die jüngsten Ereignisse noch weiter angeheizt wurde.
Ein Dialog, der nicht fruchtet
Papst Leo XIV. hatte die Piusbrüder in einem Brief davor gewarnt, ihre geplanten Bischofsweihen durchzuführen. Er appellierte an den Leiter der Priesterbruderschaft, Davide Pagliarani, und forderte ihn auf, die Weihen abzusagen und einen Dialog zu suchen. Der Papst würdigte das Engagement der Piusbrüder in der Priesterausbildung und ihre Treue zu den Traditionen, doch er betonte auch die geistlichen Risiken, die mit schismatischen Handlungen einhergehen. Ein schmaler Grat, auf dem sie sich bewegen.
Für die Piusbrüder, die mittlerweile über 700 Priester weltweit haben, ist das eine schwierige Lage. Sie sind in Nordamerika und Frankreich stark vertreten, lehnen aber die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab, insbesondere in den Bereichen Liturgie und Religionsfreiheit. Es ist ein Kampf um Identität, Tradition und die eigene spirituelle Heimat, der sich hier abspielt. Und während die einen die Entwicklung als notwendigen Schritt zur Bewahrung des Glaubens sehen, empfinden andere sie als gefährlichen Schritt in die Isolation.
Die Situation bleibt angespannt, und die Frage, wie sich die katholische Kirche weiter entwickeln wird, steht im Raum. Die Piusbruderschaft könnte in ihrem eigenen Schatten gefangen bleiben, während die Welt draußen weiterzieht. Ein eindrückliches Beispiel dafür, wie tief Glaubensüberzeugungen und Traditionen verwurzelt sind und welche Folgen sie für die Gemeinschaften haben können. Die Berge des Wallis werden weiterhin Zeugen dieser spannungsgeladenen Auseinandersetzung sein.
