Schweizer Tragödie: Chermignon-d’en-Bas gedenkt der Opfer der Brandkatastrophe in «Le Constellation»
Am 16. Juni 2026 versammelten sich 378 Bürger im Mehrzwecksaal in Chermignon-d’en-Bas, um Zeugen eines bewegenden Moments zu werden. Gemeindepräsident Nicolas Féraud trat vor die versammelten Menschen und entschuldigte sich – ein Schritt, der für viele bitter nötig war. Die Entschuldigung galt den Familien, Opfern und Angehörigen der verheerenden Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation», die an Silvester 41 Todesopfer und 115 teils schwer Verletzte forderte. Es war ein Tag des Gedenkens, an dem zu Beginn der Sitzung eine Schweigeminute für die Opfer eingelegt wurde, die die Herzen der Anwesenden schwer machte.
Die Situation ist angespannt. Während der darauf folgenden Fragestunde äußerten Bürger Bedenken über den Verbleib bestimmter Ratsmitglieder und forderten den Rücktritt von Féraud – eine Forderung, die dieser jedoch ablehnte. Patrick Clivaz, der Gemeinderat für Sicherheit, kündigte an, dass alle öffentlichen Einrichtungen bis Ende des Jahres überprüft werden, nachdem bereits 56 Kontrollen durchgeführt wurden. Was viele überrascht hat, war die Erkenntnis, dass die Gemeinde gesetzlich vorgeschriebene Kontrollen nicht durchgeführt hatte. Interne Dokumente zeigen, dass bereits seit 2018 auf fehlende Ressourcen hingewiesen wurde.
Ermittlungen und Verantwortung
Die Ermittlungen zur Brandkatastrophe weiten sich weiter aus. Féraud selbst steht im Verdacht der fahrlässigen Tötung, was die Gemüter zusätzlich erhitzt. Insgesamt sind 13 Personen beschuldigt worden, darunter die Betreiber der Bar, Jacques und Jessica Moretti, die ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung und Verstößen gegen Brandschutzvorschriften untersucht werden. Unklarheiten über die Existenz und den Status von Notausgängen im Untergeschoss der Bar werfen Fragen auf, die nicht nur die Bürger, sondern auch die Staatsanwaltschaft beschäftigen.
Der Walliser Polizeikommandant Frédéric Gisler hat sich nach drei Monaten zu den Herausforderungen geäußert, die die Brandkatastrophe mit sich brachte. Währenddessen kooperieren die Morettis mit den Behörden und betonen, dass die Bar in den letzten zehn Jahren dreimal kontrolliert wurde. Die politische Debatte über Entschädigungen für die Opfer ist im vollen Gange, und die Soforthilfe wurde bis zum 31. März verlängert. Allerdings wird Opferhilfe nur subsidiär gewährt, wenn andere Versicherungen nicht greifen. Ein weiteres Zeichen der Solidarität kommt von Künstler Jonas Deubelbeiss, der das Unglück in einer Live-Performance verarbeitet, deren Erlös den Opfern zugutekommt.
Ein Ort des Gedenkens
Die Gespräche über die Errichtung einer dauerhaften Gedenkstätte mit dem Kanton Wallis wurden bereits aufgenommen. Eine Gedenkfeier ist für den 1. Januar 2027 geplant – ein Datum, das sowohl Hoffnung als auch Trauer in sich trägt. Angehörige der Opfer haben bereits A4-Plakate mit den Gesichtern ihrer Liebsten aufgehängt, um auf das Drama aufmerksam zu machen und die Erinnerung lebendig zu halten. Die Diskrepanz zwischen der offiziellen Darstellung und internen Berichten könnte für die Staatsanwaltschaft entscheidend sein, und die Diskussionen über die Ursachen des Feuers sowie die Einhaltung der Brandschutzvorschriften dauern an.
Die Akustikpaneele, die vor zehn Jahren in der Bar installiert wurden, stehen besonders im Fokus der Ermittlungen. Sie könnten eine Rolle bei der Ursachenforschung spielen, während die Renovierung der Treppe ins Untergeschoss, die möglicherweise verengt wurde, ebenfalls Fragen aufwirft. Die Bar wurde am 10. Dezember 2015 eröffnet, und nun, zehn Jahre später, sind die Erinnerungen an eine fröhliche Silvesternacht in ein tragisches Unglück umgeschlagen.
