Am 14. Mai kam es auf der Furkastrasse in Niederwald VS zu einem wahren Geschwindigkeitsrausch, der nicht nur die Polizei, sondern auch die beiden britischen Touristen in arge Bedrängnis brachte. Ein 55-jähriger Mann raste mit unglaublichen 163 km/h über die Strecke, die mit 80 km/h begrenzt ist – mehr als doppelt so schnell! Das ist, als würde man mit einem Formel-1-Auto über den Landweg brettern. Der Brite bekam ein saftiges Fahrverbot für die Schweiz und musste eine Busse von mehreren Tausend Franken zahlen. Und das war noch nicht alles: Ein 62-jähriger Kollege aus der gleichen britischen Truppe ließ es sich nicht nehmen, mit 146 km/h an einer Polizeikontrolle vorbeizuflitzen. Auch er durfte seine Reisefreude auf der Schweizer Autobahn nicht weiter ausleben und erhielt ebenfalls ein Fahrverbot sowie eine hohe Busse.
Beide Männer sind jetzt nicht nur bei der Dienststelle für Strassenverkehr und Schifffahrt, sondern auch bei der Staatsanwaltschaft auf dem Radar. Ihnen drohen Strafen von bis zu vier Jahren Gefängnis und ein Führerausweisentzug von mindestens zwei Jahren. Allein in diesem Jahr wurden im Kanton Wallis bereits 13 Raserdelikte registriert, was die Frage aufwirft: Woher kommt dieser Drang, mit derart überhöhten Geschwindigkeiten durch die Schweiz zu rasen?
Raserei – Ein immer wiederkehrendes Problem
Raserdelikte sind in der Schweiz seit Jahren ein Thema. Laut Definition handelt es sich um Geschwindigkeitsüberschreitungen von +40 km/h in einer 30er-Zone, +50 km/h in einer 50er-Zone, +60 km/h in einer 80er-Zone und +80 km/h auf Autobahnen. Trotz strenger Strafen, die seit 2013 gesetzlich verankert sind, verschärft sich die Situation: Bei Verurteilungen wegen Rasens gibt es nicht nur eine Freiheitsstrafe, sondern auch den Verlust des Führerausweises für mindestens zwei Jahre. Wer wiederholt auffällig wird, kann sogar bis zu zehn Jahre ohne Führerschein dastehen.
Die Zahlen sprechen für sich: 2013 gab es in der Schweiz 51 Verurteilungen wegen Rasens, während es 2021 bereits 501 waren. Mögliche Gründe für diesen Anstieg? Die Corona-Pandemie und das vermehrte Geld, das junge Menschen für leistungsstarke Fahrzeuge ausgeben können. Besonders betroffen sind junge Fahrer in der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren. Und der Großteil der Verurteilten sind Männer – was Verkehrspsychologe Urs Gerhard auf den Einfluss von Testosteron zurückführt.
Ein Blick in die Zukunft
Die Polizei hat die Kontrollen verstärkt, doch das scheint nicht auszureichen. Raser, oft aus bildungsfernen Schichten, suchen nach Möglichkeiten, sich hervorzuheben. Vorschläge wie die Einführung eines Stufenmodells für Neulenker, um den Zugang zu leistungsstarken Fahrzeugen zu regulieren, stehen im Raum. 2022 wurde ein Kompromiss zur Beibehaltung der Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr beschlossen – Richter sollen mehr Ermessensspielraum erhalten. Verkehrspsychologe Gerhard schlägt sogar vor, dichte Kontrollen und eingebaute Fahrtenschreiber für Junglenker einzuführen.
Es bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahmen fruchten und die Zahl der Raserdelikte in der Schweiz tatsächlich zurückgeht. Die Geschichte der beiden britischen Touristen könnte ein weiteres Kapitel in der immerwährenden Debatte um Verkehrssicherheit und Raserei in unserem Land sein – und die Frage bleibt: Wie viele weitere solcher Geschichten müssen wir noch hören, bevor sich das Fahrverhalten ändert?