In den letzten Wochen hat die Natur im Neuenburger Jura für Aufregung gesorgt. Berichte über eine Rinderherde, die angeblich von einem Wolf angegriffen wurde, haben die Gemüter erhitzt. Doch ein einzelner Wolf kann für diese Vorfälle nicht verantwortlich sein. Tatsächlich wird vermutet, dass ein Rudel von mindestens fünf Wölfen in der Region aktiv ist. Man könnte sagen, das ist ein ganz anderes Kaliber – wie ein Fuchs im Hühnerstall, aber in einem viel größeren Maßstab. Und das bringt uns zu einem interessanten Aspekt: Surplus Killing. Dies ist ein Phänomen, bei dem Wölfe mehr Beute töten, als sie fressen können. Es ist zwar selten, aber in besonderen Situationen kann es vorkommen.

In einem Artikel der Schweizer Zeitung wurde auch auf die Rolle von Herdenschutzhunden hingewiesen. Besonders Züchter von Pyrenäenberghunden in Wolfsgebieten haben sich als wertvolle Verbündete herausgestellt. Diese Hunde helfen, Nutztiere zu schützen und haben sich in ihrer Aufgabe bewährt. Während der Aufzucht der Jungen sind Wölfe besonders auf große Mengen Futter angewiesen, was sie dazu bringt, in der Nähe von Weiden nach Fressbarem zu suchen. Die durchschnittliche Laufdistanz eines Wolfes beträgt etwa 50 Kilometer pro Tag. Was bleibt, sind die Reste der gerissenen Tiere, die anderen Lebewesen wie Schakalen und Füchsen zugutekommen. Aber Vorsicht ist geboten – die Schakale und Füchse sollten sich in Acht nehmen.

Wölfe und Surplus Killing

Über Surplus Killing gibt es spannende wissenschaftliche Erkenntnisse. Laut Dr. L. David Mech und Dr. Luigi Boitani in ihrem Buch „Wolves“ aus dem Jahr 2003 tritt dieses Phänomen in der Natur nur in besonderen Fällen auf. Beispielsweise wurde in 30 Jahren Wolf-Deer-Studien Surplus Killing lediglich zweimal beobachtet. Das ist schon ein ganz schöner Beweis dafür, dass Wölfe nicht aus Spaß töten, sondern in Reaktion auf ungewisse Umstände – etwa wenn ihre Beute verwundbar ist. Das Bild, das oft von Wölfen gezeichnet wird, als wären sie blutdürstige Jäger, ist also weit von der Realität entfernt. Und auch wenn es im Jahr 2016 einen Vorfall gab, bei dem ein Wolfspack in Wyoming 19 Elche tötete, war dies eine Ausnahme und nicht die Regel.

Wenn es um das Töten von Nutztieren geht, sind die Zahlen allerdings etwas anders. Hier kommt es häufiger zu Surplus Killing, was die Debatte um die Wolfpopulation in der Schweiz noch komplizierter macht. Ein Beispiel aus Idaho zeigt, dass ein Wolfspack in einer Nacht 70 Schafe tötete – und dafür musste das gesamte Rudel später dran glauben. Diese Ereignisse führen zu einer hitzigen Diskussion darüber, wie mit der Wolfpopulation umgegangen werden sollte. In den Niederlanden wird eine kompromisslose Jagd auf Wölfe gefordert. Die Frage ist: Wie gehen wir in der Schweiz mit dieser Herausforderung um?

Herdenschutz und Regulierung

Die Herausforderungen, die Wölfe für die Nutztierhaltung mit sich bringen, sind nicht zu unterschätzen. In Deutschland sind Wölfe wieder heimisch geworden und stellen die Tierhalter vor große Probleme. Die meisten Wölfe ernähren sich – und das ist interessant zu wissen – zu über 95 % von Wildtieren wie Rehen und Wildschweinen. Ungeschützte Weidetiere sind für sie jedoch einfacher zu erlegen. Hier kommen Herdenschutzmaßnahmen ins Spiel, die präventiv eingesetzt werden müssen, um zu verhindern, dass Wölfe Nutztiere angreifen. Die Landesregierung unterstützt Tierhalter bei der Anschaffung solcher Schutzmaßnahmen, wobei die Förderung je nach Region variiert.

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Elektrozäune sind eine der wichtigsten Maßnahmen, um Weidetiere zu schützen. Sie müssen gut installiert sein – bis zum Boden reichen und entsprechend dimensioniert werden. Die erste stromführende Litze sollte in 20 cm Höhe gespannt sein, und ein solider Zaun hat eine Höhe von 90 bis 106 cm. Das Ganze ist eine komplexe Angelegenheit, die individuell mit erfahrenen Beratern besprochen werden sollte. Auch Herdenschutzhunde spielen eine tragende Rolle, sie sind eigenständig und schützen die Herden vor Eindringlingen.

Ich denke, es ist klar, dass die Thematik vielschichtig ist. Die Herausforderung, Wölfe und Nutztiere in Einklang zu bringen, erfordert kluge Lösungen. Die Diskussion um die selektive Regulierung von Wölfen ist in vollem Gange, und es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Situation weiterentwickelt. In jedem Fall sollten wir auf die Bedürfnisse der Tierhalter eingehen und gleichzeitig den Schutz der Wölfe im Auge behalten. Es ist ein Drahtseilakt, der viel Fingerspitzengefühl erfordert, um die Balance zu finden.