Solidarität ohne Grenzen: Anarchistische Perspektiven auf die palästinensische Frage
In den letzten Jahren haben sich in Basel und darüber hinaus viele Menschen mit dem Schicksal der palästinensischen Gemeinschaften solidarisiert. Diese Solidaritätsaktionen, die von Anarchist:innen und anderen Aktivist:innen ins Leben gerufen wurden, zielen darauf ab, die Lebensgrundlagen und die Würde der Menschen zu verteidigen. Dabei gibt es verschiedene Ansätze, wie Anarchist:innen die Idee eines palästinensischen Staates betrachten. Einige sehen diese Unterstützung als eine pragmatische Lösung innerhalb einer unvollkommenen Realität. Andere argumentieren, dass die Unterstützung eines Staates an sich nicht im Widerspruch zur anarchistischen Ideologie stehen muss, da die Palästinenser:innen ohnehin unter dem israelischen Staat leben.
Die Diskussion darüber, ob und wie ein palästinensischer Staat unterstützt werden sollte, ist komplex. Viele Anarchist:innen sind sich einig, dass die Gründung eines solchen Staates eine positive Etappe im Kampf gegen die alltägliche Gewalt darstellen könnte. Hierbei wird oft der Fokus auf konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Palästinenser:innen gelegt, anstatt sich in die theoretischen Debatten über die Staatsfrage zu verlieren. Diese Art von Engagement ist nicht nur lokal, sondern Teil eines globalen Phänomens, in dem antikapitalistische und antiimperialistische Kämpfe in vielen Regionen wie der Ukraine, dem Iran, dem Sudan und Syrien zunehmen.
Der Weg zum internationalen Verständnis
Blanca Missé, eine engagierte Professorin und Aktivistin, hebt die Herausforderung hervor, diese verschiedenen Bewegungen internationalistisch zu vereinen. Sie fordert eine Solidarität, die alle Befreiungskämpfe unterstützt, ohne den imperialistischen Staaten Vorschub zu leisten. Dabei wird deutlich, dass ein kohärenter Internationalismus die Überwindung kapitalistischer Interessen erfordert und den Widerstand gegen imperialistische Manipulationen stärken muss. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, denn die Linke steht vor der Frage, wie unterschiedliche Bewegungen trotz ihrer Differenzen unterstützt werden können.
Die Gefahr selektiver Solidarität ist allgegenwärtig. Es gibt Aktivist:innen, die bestimmte Kämpfe als wichtiger erachten als andere, was die Frage aufwirft, wie wir die Verbindungen zwischen diesen Befreiungsbewegungen herstellen können. Missé betont, dass die Ursache für Unterdrückung nicht nur in „schlechten Regierungen“ zu finden ist, sondern tief im kapitalistischen System verwurzelt ist. Diese Einsicht ist entscheidend, um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Der Ukraine-Konflikt, als Beispiel für einen Befreiungskampf gegen imperialistische Aggressionen, verdeutlicht, dass die Kämpfe weltweit miteinander verwoben sind.
Ein Blick zurück auf die Solidarität
In der Vergangenheit hatte der Antiimperialismus und der Internationalismus eine bedeutende Rolle gespielt. Vor einigen Jahrzehnten waren diese Konzepte weit verbreitet und stellten die neoliberale Weltordnung radikal infrage. Die DDR, zum Beispiel, führte ein umfassendes Solidaritätsprogramm zur Unterstützung von Befreiungsbewegungen und sozialistischen Staaten in verschiedenen Teilen der Welt durch. Ostdeutsche Ärzt:innen halfen im Unabhängigkeitskampf in Mozambique, während revolutionäre Aktivist:innen aus aller Welt an DDR-Schulen und -Universitäten lernten. Diese Form der Solidarität war Teil einer staatlichen Agenda und wurde von der Bevölkerung bis in die 1970er Jahre unterstützt.
Die Erinnerungen an Solidaritätsbewegungen sind bis heute lebendig. Lieder, Plakate und Zeitschriften aus dieser Zeit vermitteln Eindrücke von internationaler Solidarität und feiern die Kämpfe um Freiheit und Gerechtigkeit. Doch die Reflexion über das Erbe des Internationalismus ist notwendig. Wie stehen wir heute zu diesen Idealen? Können wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen, um ein neues solidarisches Netzwerk unter den Ausgebeuteten und Unterdrückten zu schaffen? Die Herausforderungen sind groß, aber die Notwendigkeit, die Stimmen der Unterdrückten zu vereinen, bleibt ungebrochen.
