Heute ist der 13.05.2026 und im Thurgau scheint die Sonne, während die Mitglieder der Grünen Liberalen Partei (GLP) zusammenkommen. An einem besonderen Ort, der Polizeischule Ostschweiz (PSO) in Amriswil, wird gleich die Mitgliederversammlung abgehalten. Ein Empfang durch den Schuldirektor Marcus Kradolfer sorgt für ein freundliches Willkommen. Hier wird nicht nur die parlamentarische Arbeit besprochen, sondern auch das 20-jährige Bestehen der PSO gefeiert, die als Kompetenzzentrum für die polizeiliche Grundausbildung in sechs Kantonen sowie im Fürstentum Liechtenstein fungiert. Ein echter Grund zu feiern!
Doch bevor es zu den Feierlichkeiten kommt, gibt es auch ernsthafte Themen zu diskutieren. Zunächst steht die Besichtigung einer neuen unterirdischen Raumschiessanlage auf dem Programm. Ein beeindruckendes Bauwerk, das die Möglichkeiten der Ausbildung erweitern soll. Die Versammlung selbst befasst sich dann mit der Fassung von Parolen für die bevorstehenden kantonalen und nationalen Vorlagen. Die Stimmung ist gespannt, denn die GLP hat klare Meinungen – und die werden laut und deutlich geäußert.
Nachhaltigkeitsinitiative im Visier
Die Mitglieder der GLP Thurgau sprechen sich einstimmig gegen die Nachhaltigkeitsinitiative der SVP aus. Sie kritisieren die Initiative als isolationistisch und vor allem als ineffektiv für die ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen die Schweiz konfrontiert ist. Dabei könnte man fast den Eindruck gewinnen, dass die Diskussion um die Nachhaltigkeitsinitiative in der breiten Öffentlichkeit ebenfalls hitzig geführt wird. Eine aktuelle Umfrage von YouGov zeigt, dass das Rennen um die Initiative und das Zivildienstgesetz offen ist. Die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung der Nachhaltigkeitsinitiative scheint leicht höher zu sein als die Annahme. Die SVP könnte es schwer haben, die Wählerschaft außerhalb ihres Kernklientels zu überzeugen.
Die GLP hat aber nicht nur die Umwelt im Blick. Auch die Änderung des Zivildienstgesetzes wird von den Mitgliedern einstimmig abgelehnt – nur zwei Enthaltungen sind zu verzeichnen. Sie empfinden die Vorlage als politisch mutlos und kontraproduktiv. Der Vorschlag, die Mindestdiensttage zu erhöhen und Medizinstudierende vom Zivildienst auszuschließen, wird scharf kritisiert. Die Befürchtung: Solche Maßnahmen könnten den Zivildienst schwächen. Stattdessen fordert die GLP eine Modernisierung der Armee und die Entwicklung eines allgemeinen Bürgerdienstes, der allen zugutekommt.
Finanzkompetenzen unter der Lupe
Ein weiteres Thema, das die Versammlung beschäftigt, sind die Anpassungen der Finanzkompetenzen des Regierungsrats. Hier gibt es eine klare Zustimmung mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Die Anhebung der seit 1991 unveränderten Schwellenwerte ist für die Mitglieder eine notwendige Anpassung an die Teuerung und die Finanzkraft des Kantons. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit der Regierung zu stärken und die Stimmbevölkerung von Abstimmungen über geringfügige Vorhaben zu entlasten. Ein sinnvoller Schritt, der auf breite Unterstützung stößt.
Die Umfrageergebnisse, die zwischen dem 21. April und dem 4. Mai 2026 erhoben wurden, zeigen eine hohe Unentschlossenheit in der Stimmbevölkerung. Viele Wähler könnten sich erst kurz vor dem Abstimmungstermin entscheiden – ein Umstand, der die Diskussionen in der GLP noch einmal anheizt. Die Mitglieder sind sich einig: Die Argumente gegen die Zustimmung zur Nachhaltigkeitsinitiative müssen effektiv platziert werden, um die Wähler zu überzeugen. Der Druck ist also groß, die Zeit drängt.
Und so endet die Mitgliederversammlung nicht mit einem lauten Knall, sondern mit einer leisen, aber bestimmten Feststellung: Es bleibt spannend bis zur Abstimmung. Inmitten von Diskussionen und Überlegungen ist es klar: Die Zukunft der Schweiz wird nicht nur in den Parlamenten, sondern auch in den Köpfen der Wähler entschieden.