Winterthur erhebt sich: Ein kraftvoller feministischer Streik für Gleichheit und Solidarität
Am 13. Juni erlebte Winterthur einen feministisch geprägten Tag, der nicht nur mit lautem Getrommel und energiegeladenen Reden gespickt war, sondern auch voller Emotionen und Solidarität steckte. Hunderte Menschen füllten die Straßen, nachdem ein Flohmarkt auf dem Neumarktplatz abgebaut wurde. Was für ein Bild! Die Stadt ist eine der wenigen, die den feministischen Streik auf diesen Tag gelegt hat, abweichend vom historischen 14. Juni. Die Stadtpolizei hatte zwar bestätigt, dass es keine Probleme mit der Bewilligung gab, doch die Demo musste dennoch wegen des Flohmarkts verschoben werden. Becca vom feministischen Kollektiv war sich sicher: „Ein Samstag ist vorteilhaft, um den öffentlichen Raum einzunehmen und auf feministische Anliegen aufmerksam zu machen.“
Und genau das geschah! Der Demozug schlängelte sich durch die Stadt, und viele Passanten schlossen sich spontan an. Carmen und Jacqueline, die schon beim ersten Streik 1991 dabei waren, erzählten von ihren Gründen für die Teilnahme. Die Altersstruktur war bunt gemischt – von kleinen Kindern, die mit ihren Müttern liefen, bis zu älteren Damen, die mit einem Lächeln auf den Lippen die Parolen skandierten. Enea, Tabea, Una und Mara – alle streikten für Gleichberechtigung, gegen Faschismus und Patriarchat. Diese Vielfalt und der Zusammenhalt waren einfach beeindruckend.
Die Themen im Fokus
Am Neumarkt, wo die Demo ihren Ausgangspunkt hatte, gab es Infostände, eine Bar und ein Open-Mic, das als Plattform für Themen wie sexuelle Belästigung und Queerfeindlichkeit diente. Es war ein Ort des Austauschs, der Gemeinschaft und des gegenseitigen Verständnisses. Andrea Pfister, die für das feministischen Kollektiv Thurgau sprach, äußerte eindringlich die Notwendigkeit eines Frauenhauses im Thurgau. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Frauen, die Gewalt erfahren, in andere Städte weitergeschoben werden müssen“, sagte sie. Unterstützung kam auch aus der Winterthurer Politik, unter anderem von Manon von der SP-AG Feminismus und Jeanne, die mit symbolischen Kostümen auftraten. Das ist doch ein starkes Zeichen!
Am 14. Juni, dem traditionellen Termin, wird in Kreuzlingen ein weiterer feministischer Anlass stattfinden. Der Fokus liegt dort auf der Erschöpfung von Frauen und der Gewalt, die sie erfahren – Themen, die schlichtweg nicht ignoriert werden können. Alice Froidevaux vom Kollektiv „Feministischer Streik St. Gallen“ stellte klar, dass diese Erschöpfung ein strukturelles Problem ist und keineswegs auf individuelles Versagen zurückzuführen ist. Es ist ein System, das Frauen immer noch in ihrer Rolle als Care-Arbeiterinnen festhält, während sie gleichzeitig mit Diskriminierung und Gewalt kämpfen müssen.
Ein Blick über die Grenzen
Die Situation ist nicht nur in der Schweiz prekär, sondern auch in Deutschland. Laut dem BKA-Lagebild 2023 stieg die Zahl geschlechtsspezifischer Gewalt um besorgniserregende 56,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt und digitale Gewalt sind nur einige der dunklen Schatten, die über der Gesellschaft liegen. 360 Frauen wurden im Jahr 2023 Opfer eines Femizids. Das ist ein erschreckender Trend, der uns alle betrifft und zum Handeln zwingt. Die Gesetze zum Schutz von Frauen sind da, aber die Realität sieht oft anders aus. Die Kapazitäten in den Frauenhäusern sind überlastet, und viele Frauen bleiben in gewalttätigen Beziehungen gefangen, weil es einfach keine Alternativen gibt.
Ein Frauenhaus im Thurgau wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die SP Frauen Thurgau fordern, diesen feministischen Streik sichtbar zu machen, um auf das fehlende Angebot aufmerksam zu machen. Es braucht mehr als nur Worte! Frauen, die mit Mehrfachdiskriminierungen konfrontiert sind, wie etwa geflüchtete Frauen oder Frauen mit Behinderungen, stehen oft vor zusätzlichen Hürden. Die Sensibilisierung der Fachkräfte im Hilfesystem ist entscheidend, um diese Barrieren abzubauen.
Mit all diesen Gedanken im Hinterkopf, bleibt der feministische Streik in Winterthur ein wichtiger Meilenstein in der Bewegung für Gleichheit. Becca äußerte ihre Zufriedenheit über den Zusammenhalt in Winterthur, und das ist genau das, was wir brauchen: eine starke Gemeinschaft, die sich für die Rechte aller Frauen einsetzt.
