Die Natur kann manchmal unbarmherzig sein. Im Tessin, genauer gesagt im Maggiatal, hat ein Unwetter in der Nacht vom 29. auf 30. Juni 2024 eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Es war tragisch und fühlte sich an wie ein Albtraum, aus dem man nicht aufwachen kann. Sieben Menschen verloren ihr Leben, eine Person wird noch immer vermisst. Über 100 Gebäude, darunter Wohnhäuser, Landwirtschaftsbetriebe und Rustici, wurden beschädigt. 15 dieser Bauwerke sind entweder vollständig zerstört oder schwer beschädigt. Das Bild, das sich nach dem Unwetter bot, war verheerend und wird vielen noch lange in Erinnerung bleiben.

Die Wassermassen rissen nicht nur die Brücke bei Visletto weg, sondern auch die Hoffnung vieler Menschen, die in dieser Region leben. Tessiner Regierungspräsident Claudio Zali sprach von einem emotionalen Moment, als er die Schäden begutachtete. Die dringlichsten Maßnahmen fokussierten sich auf die Wiederherstellung der Befahrbarkeit der Straßen und die Errichtung einer provisorischen Brücke in Visletto. Um die Bevölkerung mit dem Nötigsten zu versorgen, standen auch die Wiederherstellung der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung auf der Agenda.

Wiederaufbau und Unterstützung

Die Verantwortung für den Wiederaufbau liegt nicht allein bei den Gemeinden. Armee, Zivilschutz und lokale Unternehmen packen tatkräftig mit an. Eine beispiellose Solidarität zeigt sich in der Pflege der Schutzwälder und der Entfernung von Holz aus Gewässern. Es ist beeindruckend, wie alle zusammenarbeiten, um die Wunden der Naturkatastrophe zu heilen. Außerdem wurden die Gefahrenzonenpläne in den Gemeinden Cevio und Lavizzara aktualisiert, ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Insgesamt erlitten 24 Landwirtschaftsbetriebe Schäden, drei davon mussten ihre Tore schließen. Für die betroffenen Betriebe wurden umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet, denn der Verlust von Lebensgrundlagen ist ein harter Schlag. Es wird geschätzt, dass die Gesamtschäden und die Kosten für den Wiederaufbau rund 100 Millionen Franken betragen werden. Der Kanton übernimmt 44,5 Millionen Franken, während der Bund sich mit 14,3 Millionen Franken beteiligt. Ein außerordentlicher Beitrag des Bundesrates, um die verbleibenden Kosten von 41,2 Millionen Franken zu decken, ist derzeit in Diskussion.

Ein Blick in die Zukunft

Doch das ist nicht die einzige Herausforderung. Auch andere Regionen der Schweiz waren betroffen. Insgesamt forderten die Unwetter Ende Juni 2024 zehn Todesopfer, drei Menschen werden vermisst. Die Schäden durch Überflutungen und den Einsturz von Brücken, wie der Autobahn A13 im Misox, sind gravierend. Der Bundesrat hat daher im September 2024 Zusatzkredite in Höhe von 56,5 Millionen Franken für Sofortmaßnahmen und Wiederinstandstellungen von Schutzbauten verabschiedet. Eine Bedarfsabklärung wurde in den Kantonen Tessin, Graubünden, Wallis, Waadt und Bern durchgeführt.

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Für die besonders betroffenen Gemeinden im Maggiatal hat der Kanton Tessin bereits im März 2025 zusätzliche Unterstützung beim Bund beantragt. Am 21. Mai 2025 erteilte der Bundesrat dem UVEK den Auftrag, eine Sonderbotschaft für außerordentliche Bundeshilfe zu erarbeiten. Geplant ist eine Vernehmlassung im Herbst 2025, die Restkosten sollen zwischen Bund und Kantonen aufgeteilt werden. Die Schätzung beläuft sich auf rund 36 Millionen Franken, die der Bund übernehmen könnte.

Eine lange Geschichte der Unwetter

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt, dass solche Naturkatastrophen in der Schweiz keine Seltenheit sind. Seit 1972 beläuft sich die teurerungsbereinigte Schadenssumme auf über 17 Milliarden Franken. Dabei verursachen nur wenige große Ereignisse den Großteil der Schäden. Das Unwetter vom 21./22. August 2005 gilt als das schadenreichste Hochwasser in der Schweiz, mit Schäden von etwa 3 Milliarden Franken. Die interaktive Karte der WSL zeigt, wie sich die Schäden von 1972 bis 2024 räumlich verteilen. Es ist erschreckend und zugleich aufschlussreich, wie oft die Natur ihre Macht demonstriert.

Die Datenbank wird jährlich analysiert, um die Ursachen und Verteilungen dieser Unwetterereignisse zu verstehen. Öffentliche Institutionen können auf die Schadensdaten zugreifen, um die Gefahren besser zu beurteilen. Ein ständiger Lernprozess, der nicht nur für die betroffenen Regionen gilt, sondern für die gesamte Schweiz. Die Natur ist unberechenbar – und wir müssen uns darauf vorbereiten.