Heute ist der 26.05.2026, und während sich die Sonne über den malerischen Hügeln des Tessins erhebt, wird in der ganzen Region über die Qualität der medizinischen Versorgung diskutiert. Man sagt im Tessin: „Der beste Arzt für einen Tessiner ist der TEE, der einen nach Zürich bringt.“ Ah, wie oft wurde dieser Spruch in der Vergangenheit belächelt, als die Deutschschweiz mit ihrer vermeintlich überlegenen medizinischen Versorgung für schwere Erkrankungen glorifiziert wurde. Doch die Zeiten ändern sich, und die Realität sieht heute ganz anders aus.
Früher galt es als selbstverständlich, dass man für ernsthafte Behandlungen in die Deutschschweiz reisen musste. Doch mittlerweile hat sich die Versorgungsqualität im Tessin stark verbessert. Krankenhauseinrichtungen, die Pflege und vor allem das Cardiocentro haben ein anerkanntes Exzellenzniveau erreicht. Wenn man sich die letzten Berichte ansieht, wird jedoch klar, dass die Qualität der Spitäler in der Deutschschweiz nachzulassen scheint. Ein Skandal um die Kardiologieabteilung des Universitätsspitals Zürich hat die Gemüter erhitzt und viele Fragen aufgeworfen.
Ein Blick auf die Skandale
Eine Untersuchungskommission unter der Leitung von Niklaus Oberholzer hat 307 Todesfälle analysiert und eine Übersterblichkeit von 68 bis 74 Fällen bei 4.500 Eingriffen festgestellt. Unerwartete Todesfälle und unsachgemäßer Gebrauch medizinischer Geräte wurden als alarmierende Ergebnisse identifiziert. Die Ursachen? Ein Versagen der Führung, insbesondere von Dr. Francesco Maisano, der bis 2020 als Direktor und Chefarzt tätig war. Zwischen 2014 und 2020 starben etwa siebzig Patienten aufgrund unzureichender Behandlungsqualität – das sind erschreckende Zahlen.
René Prêtre, Herzchirurg und Mitautor des Berichts, stellte fest, dass viele dieser Todesfälle vermeidbar gewesen wären. Und dann gibt es da noch die dunklen Schatten, die über Dr. Maisano hängen. Er soll eigene Herzimplantate an Patienten getestet haben, ohne dass dies ordnungsgemäß gemeldet wurde. Die Zürcher Gesundheitsbehörden haben die Aufsichtspflicht des Spitalrats und die Patientensicherheit scharf kritisiert. Kurzum – das Vertrauen in die medizinische Elite Zürichs ist erschüttert.
Vertrauen in lokale Einrichtungen
Die Situation hat dazu geführt, dass viele Tessiner zunehmend auf lokale medizinische Einrichtungen vertrauen. Es ist fast schon ironisch, denn während man früher nach Zürich reiste, um die besten Behandlungen zu erhalten, findet man heute im Tessin eine qualitativ hochwertige Versorgung. Die Menschen hier haben ihre eigenen Ärzte und Krankenhäuser, die sich nun als ernstzunehmende Alternativen erweisen. Das Cardiocentro ist dafür ein leuchtendes Beispiel. Mit einem Team von Fachleuten, die sich der Gesundheit ihrer Patienten widmen, wird hier nicht nur die medizinische Versorgung auf ein neues Level gehoben, sondern auch das Vertrauen in die lokale Gemeinschaft gestärkt.
Dr. Maisano, der mittlerweile in Mailand arbeitet, sieht sich selbst als Opfer einer Verschwörung. Die Staatsanwaltschaft Zürich leitete ein Verfahren gegen ihn ein, das später eingestellt wurde. Dennoch bleibt der Schatten des Skandals nicht unbemerkt. In drei der 24 gemeldeten Fälle wurden Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung und Urkundenfälschung eingeleitet. Das alles hat Spuren hinterlassen – sowohl bei den Betroffenen als auch im allgemeinen Bewusstsein der Bevölkerung.
So könnte man meinen, dass die Reise nach Zürich für viele Tessiner nicht mehr die erste Wahl ist, wenn es um medizinische Versorgung geht. Das Bild hat sich gewandelt, und die Menschen sind auf der Suche nach Vertrauen, Transparenz und vor allem nach einer medizinischen Betreuung, die nicht nur auf Zahlen beruht, sondern auf Menschlichkeit und Expertise. Wo man einst seine Hoffnung auf die Berge der Deutschschweiz setzte, blickt man heute voller Stolz auf die Fortschritte, die im Tessin erzielt wurden.