Im Tessin, wo die Sonne oft über den malerischen Landschaften scheint, brodelt es in Sachen Gesundheitskosten. Die Regierung hat nun eine neue Kampagne ins Leben gerufen, die den Namen „Scegliere con cura“ – „Sorgfältig wählen“ – trägt. Ziel ist es, die Bevölkerung dazu zu bewegen, unnötige medizinische Untersuchungen zu reduzieren. Man könnte sagen, es ist ein Aufruf zur Vernunft – und das, wo die durchschnittlichen Kosten für die obligatorische Krankenpflegeversicherung im Tessin bei stolzen 6065 Franken pro Person liegen, was weit über dem Schweizer Durchschnitt von 4968 Franken liegt. Das ist schon eine ordentliche Summe!
Die Kampagne stammt vom Tessiner Departement für Gesundheit und Soziales und hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine „Kultur der Angemessenheit“ zu fördern. Es geht darum, das Bewusstsein für die sinnvolle Nutzung von Gesundheitsleistungen zu schärfen. Denn, so die Botschaft, mehr Maßnahmen bedeuten nicht immer bessere Ergebnisse. Das ist ein durchaus kluger Gedanke, wenn man bedenkt, dass unnötige Eingriffe und medizinische Praktiken mit geringem Nutzen oft nicht nur die Kassen, sondern auch die Patienten belasten.
Hintergründe der hohen Kosten
Ein Blick in die Hintergründe zeigt, warum das Tessiner Gesundheitswesen so teuer ist. Die Ursachen sind vielschichtig: Die „Triple A“ – Ärzte, Alte und Apotheken – spielen dabei eine zentrale Rolle. Die hohe Dichte an Leistungserbringern und die schiere Anzahl an Apotheken im Tessin sind auffällig. Politisch scheinen Spitalschließungen ein tabu zu sein, was nicht gerade zur Kostenreduzierung beiträgt. Zudem bringt die tiefere Lohnstruktur viele Menschen in finanzielle Bedrängnis. In Kombination mit einer überdurchschnittlich alten Bevölkerung wird klar, warum die Krankenkassenprämien hier fast doppelt so stark steigen wie im Rest der Schweiz.
Die Tessiner Bevölkerung leidet zunehmend unter diesen steigenden Kosten, besonders diejenigen mit schwächeren Einkommen. Im September 2022 stimmte die Bevölkerung sogar zwei Volksinitiativen zur Entlastung der Prämienzahler zu. Doch die Umsetzung zieht sich, was zu Unmut führt. Die Menschen fühlen sich unter Druck gesetzt und die Diskussion über die medizinische Dichte und politische Untätigkeit wird lauter.
Ein Blick in die Zukunft
Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, stiegen die Krankenkassenprämien im Tessin in den letzten vier Jahren um jeweils rund zehn Prozent. Das ist nicht nur eine statistische Zahl, sondern spürbare Realität für viele Haushalte. In einem Podcast zum Thema, der von Iwan Santoro, dem Tessin-Korrespondenten, moderiert wird, wird die Situation eingehend beleuchtet. Es wird deutlich – das Thema Gesundheitskosten ist nicht nur ein regionales, sondern ein gesellschaftliches Problem, das alle betrifft.
Weitere Informationen zu den Gesundheitskosten in der Schweiz finden Sie auf der Webseite des Bundesamtes für Statistik: Hier klicken.