Neophyten im Fokus: Zwischen Bedrohung und Chance für die Schweizer Biodiversität
Das Thema Neophyten, sprich die heimischen Pflanzenfreunde und ihre fremden Verwandten, hat in der letzten Zeit in der Schweiz stark an Würze gewonnen. Vincent Fehr, ein Ökologe von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, hat sich mit diesen eingewanderten Pflanzenarten intensiv beschäftigt. Ja, es gibt schädliche Exemplare wie die Ambrosia, die nicht nur die heimische Flora bedroht, sondern auch für Allergiker zur echten Plage werden kann. Zumindest das hat die breite Öffentlichkeit mittlerweile verstanden. Denn der Klimawandel, der unsere Ökosysteme ganz schön durcheinanderwirbelt, könnte genau diesen Pflanzen einen Vorteil verschaffen. Man könnte fast sagen: „Die Hitze macht’s möglich!“
Doch nicht alle Neophyten sind gleich schädlich. Fehr plädiert für eine offene Haltung gegenüber diesen Pflanzen, da einige von ihnen durchaus das Potential haben, hitzeresistente Ökosysteme zu stabilisieren. Ein Beispiel, das hierzulande für Aufregung sorgt, ist der Kirschlorbeer. Dieser heimische „Schönling“ ist jetzt – man höre und staune – verboten! Weder Verkauf noch Verschenken sind erlaubt, was bedeutet, dass die Gärten in der Schweiz vielleicht bald wieder etwas heller werden. Pro Natura, vertreten durch Lea Minzloff, unterstützt die Bekämpfung solcher invasiven Arten, die Licht und Raum für die heimische Biodiversität rauben.
Die Herausforderung der Neobiota
Neobiota – ein Begriff, der in Deutschland für gebietsfremde und invasive Arten verwendet wird, hat auch hierzulande seine Bedeutung. Auf der Webseite des BfN wird erklärt, dass invasive Arten, egal ob Pflanzen oder Tiere, nicht nur einheimische Arten verdrängen, sondern auch gesundheitliche und ökonomische Folgekosten verursachen können. Wer hätte gedacht, dass die Anzahl der Neobiota in Europa auf etwa 12.000 geschätzt wird? Davon gelten 10 bis 15 Prozent als invasiv!
Erstaunlich ist, dass invasive Arten zu einer der größten Bedrohungen der biologischen Vielfalt zählen. Ein Beispiel, das man gern vergisst: Amerikanische Flusskrebse haben eine Pilzinfektion eingeschleppt, die den europäischen Edelkrebs fast ausgerottet hat. Und was die gesundheitlichen Gefahren betrifft – der Riesenbärenklau und die Beifuß-Ambrosie sind nur zwei Beispiele, die Allergikern das Leben schwer machen. Die Gesundheitsfolgekosten der Beifuß-Ambrosie in Deutschland werden auf 200 Millionen bis eine Milliarde Euro jährlich geschätzt. Ein richtiger Schock, oder?
Maßnahmen zur Bekämpfung
In der Schweiz investiert der Bund, zusammen mit den Kantonen und Gemeinden, jährlich rund 60 Millionen Franken in die Bekämpfung dieser unerwünschten Pflanzen. Die Importkontrollen wurden verschärft, um das Einschleppen solcher Arten zu verhindern. Es bleibt abzuwarten, ob diese Maßnahmen ausreichend sind, um die heimische Flora zu schützen. Aber wie Fehr so schön sagt: „Nicht jede fremde Pflanze ist problematisch.“ Einige könnten uns sogar helfen, widerstandsfähigere Ökosysteme zu fördern.
Und so stehen wir vor der Herausforderung, ein Gleichgewicht zu finden – ein Gemisch aus einheimischen und nicht einheimischen Pflanzen könnte der Schlüssel zur Erhaltung der Biodiversität sein. Wie gesagt: der Klimawandel wird uns noch einige Überraschungen bescheren, und wir sollten bereit sein, auch die exotischen Pflanzenarten in unsere Überlegungen einzubeziehen. Die Natur hat immer einen Plan, ob wir ihn mögen oder nicht.
