Gestern hat der Nationalrat mit einer deutlichen Mehrheit von 112 Stimmen für und 68 gegen, sowie 11 Enthaltungen eine Standesinitiative des Kantons Tessin angenommen. Es geht um ein Thema, das viele Herzen berührt: den Kündigungsschutz für Adoptivmütter. Der Ständerat hatte diese Initiative bereits in der Wintersession 2025 mit einem knappen Ergebnis von 22 zu 21 Stimmen angenommen. Doch was steckt wirklich hinter diesem Beschluss? Nun, die aktuellen Regelungen sehen vor, dass Arbeitnehmerinnen während ihrer Schwangerschaft und in den 16 Wochen nach der Geburt besonderen Kündigungsschutz genießen. Adoptivmütter hingegen stehen da etwas im Regen – sie haben keinen spezifischen Schutz, wenn sie ein Kind in ihre Familie aufnehmen.
Der Kanton Tessin hat sich entschlossen, diesem Missstand ein Ende zu setzen. Ein Grund dafür ist der Rückgang der Adoptionen um beachtliche 70% zwischen 2006 und 2016. Man könnte fast sagen, dass hier eine stille Krise herrscht. Der Kanton möchte die Ungleichbehandlung zwischen biologischen und Adoptivmüttern beseitigen, und das ist mehr als dringend nötig. Aktuell haben Adoptiveltern lediglich Anspruch auf einen zweiwöchigen Adoptionsurlaub, was kaum ausreicht, um sich auf die neue Lebenssituation einzustellen.
Ein Blick in die Meinungen
Die Diskussion in der Rechtskommission des Nationalrats war alles andere als einheitlich. Während die Mehrheit der Kommission argumentierte, dass der Kündigungsschutz vor allem den biologischen Müttern nach Schwangerschaft und Geburt zugutekommt, vertrat die Kommissionsminderheit die Ansicht, dass der Schutz unabhängig von der biologischen Herkunft des Kindes betrachtet werden sollte. Meret Schneider von den Grünen betonte, wie wichtig finanzielle und psychische Stabilität für Adoptivmütter ist. Und das ist ein Punkt, den man nicht einfach ignorieren kann.
Nina Fehr Düsel von der SVP wies darauf hin, dass Adoptivkinder oft älter sind und weniger intensive Betreuung benötigen. Das mag stimmen, doch die Ankunft eines Kindes – egal ob adoptiert oder biologisch – beeinflusst die berufliche Situation der Frau enorm. Der Adoptionsprozess ist schließlich langwierig, aufwendig und oft auch emotional belastend. Isabelle Chassot von der Mitte hob hervor, dass dieses Thema mehr parlamentarische Aufmerksamkeit verdient. Und sie hat recht – die Herausforderungen, die mit der Adoption einhergehen, sind vielfältig und sollten nicht unter den Tisch gekehrt werden.
Der Weg weiter
Was passiert jetzt? Die zuständige Kommission des Nationalrats wird sich intensiv mit der Standesinitiative befassen. Es bleibt abzuwarten, wie die Diskussionen weiter verlaufen werden. In einigen Ländern, wie zum Beispiel Italien, gibt es bereits strengere Regelungen, die Kündigungen im ersten Jahr nach der Aufnahme eines Kindes verbieten. Ein Schritt, den viele hierzulande als vorbildlich betrachten könnten. Die Rechtskommission des Ständerats hatte die Initiative zwar mit 7 zu 5 Stimmen zur Ablehnung empfohlen, doch die Argumente der Kommissionsminderheit sind nicht von der Hand zu weisen. Mathilde Crevoisier Crelier von der SP stellte fest, dass die Initiative eine Gelegenheit ist, das Problem genauer zu betrachten und nach Lösungen zu suchen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Diskussion um den Kündigungsschutz für Adoptivmütter ein wichtiges Thema ist, das sowohl emotionale als auch rechtliche Aspekte vereint. Ein Schritt in die richtige Richtung könnte dazu beitragen, dass mehr Familien den Mut zur Adoption finden und die gesellschaftliche Akzeptanz wächst. Für viele Adoptivmütter könnte dies eine echte Verbesserung ihrer Lebenssituation bedeuten.