Im Tessin und Thurgau hat eine düstere Woche ihren Schatten geworfen. Zwei Frauen, mutmaßlich durch die Hände ihrer Ex-Partner, verloren ihr Leben. Ein 59-jähriger Mann, der seine Ex-Frau in einer Rehabilitationsklinik erschoss, wurde später tot aufgefunden, nachdem er sich in einem Haus versteckt hatte und dieses sprengte, als die Polizei eintraf. Die 56-jährige Tessinerin, die mit Schusswunden am Kopf gefunden wurde, hinterlässt eine Welle aus Empörung und Wut. Die Antwort darauf? Das feministische Kollektiv „Io l’8 ogni giorno“ ruft zu Protesten auf, um ihr zu gedenken. So wird deutlich, dass Femizide, die laut UNO die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts definieren, ein brennendes Thema sind, das nicht ignoriert werden kann.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im Jahr 2022 gab es in der Schweiz insgesamt 27 Femizide, und auch 2024 scheint sich die dunkle Tendenz fortzusetzen. Laut dem Recherche-Projekt „Stop Femizid“ wurden bereits 17 Frauen in diesem Jahr getötet. Ältere Männer sind bei diesen Taten überrepräsentiert – mehr als die Hälfte der Femizide wird von über 50-Jährigen verübt. Komischerweise geschieht fast die Hälfte dieser Verbrechen während oder nach einer Trennung. Der Übergang in den Ruhestand wird oft als Identitätsverlust empfunden, was zu Gewalt führen kann. Eine erschreckende Realität, die uns alle betrifft.

Ein strukturelles Problem

Femizid ist ein Begriff, der die strukturelle Dimension der Gewalt gegen Frauen betont. Die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts ist oft verwoben mit hierarchischen Geschlechterverhältnissen. In vielen Fällen, wie den oben genannten, spielt die Dynamik in (Ex-)Partnerschaften eine zentrale Rolle. Der 53-jährige Ex-Partner einer 40-jährigen Ukrainerin, die im Kanton Thurgau tot aufgefunden wurde, hatte ein behördliches Annäherungsverbot wegen früherer häuslicher Gewalt. Das zeigt, wie tief verwurzelt das Problem ist. Über 188.000 Frauen haben in Deutschland häusliche Gewalt erfahren. Es ist erschreckend, und während wir uns in der Schweiz mit diesen Themen auseinandersetzen, sehen wir, dass auch unsere Nachbarn nicht verschont bleiben.

Die Situation wird durch die Überlastung von Schutzhäusern noch verschärft. Besonders im Tessin gibt es nicht genügend Plätze für Frauen, die Hilfe suchen. Obwohl die Schweiz die Istanbul-Konvention ratifiziert hat, werden nicht alle Verpflichtungen erfüllt. Eine neue nationale Gewalt-Hotline wurde im Mai 2023 eingerichtet und erhielt in den ersten acht Wochen über 5100 Anrufe. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber ist es genug? Bundesinnenminister Alexander Dobrindt betont, dass der Schutz von Frauen Priorität hat. Dennoch bleibt die Frage, wie effektiv diese Maßnahmen wirklich sind.

Die Rolle der Öffentlichkeit

Die Berichterstattung in den Medien, die rechtliche Verfolgung und die Prävention sind essentielle Themen, die angesprochen werden müssen. Wir müssen die Ursachen von Femiziden und Gewalt gegen Frauen hinterfragen. Ein Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt einen Anstieg der weiblichen Opfer von Gewalt- und anderen Straftaten. 2024 wurden 132 Frauen in Deutschland durch ihren (Ex-)Partner getötet. Die Dunkelziffer ist hoch, und viele Frauen trauen sich nicht, zu berichten – die Anzeigequote bei häuslicher Gewalt liegt unter 10 %. Das ist alarmierend.

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Die strukturelle Gewalt gegen Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das uns alle betrifft. Wir müssen uns gemeinsam für Veränderungen einsetzen und den Druck auf die Politik aufrechterhalten, bis sich die Situation endlich ändert. Der Verlust von Leben, wie wir ihn in der letzten Woche in der Schweiz erlebt haben, darf nicht umsonst sein. Es ist an der Zeit, dass wir nicht nur reden, sondern handeln – für die Frauen, die wir verloren haben, und für die, die noch leben.